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Alkoholkonsum

Exzesse erhöhen Herzinfarktrisiko

30.11.2010
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Von Christina Hohmann / Unterschiedliche Trinkgewohnheiten haben unterschiedliche Auswirkungen auf die Herzgesundheit: Einer epidemiologischen Studie zufolge ist unregelmäßiger exzessiver Alkoholkonsum deutlich schädlicher als ein regelmäßiges maßvolles Trinken.

Wie sich Trinkgewohnheiten auf die Gesundheit auswirken, haben Forscher um Jean-Bernard Ruidavets von der Universität Toulouse untersucht. Das Team aus irischen und französischen Wissenschaftlern ermittelte die Trinkmuster von insgesamt 9758 Männern über einen Zeitraum von zehn Jahren. Die Probanden waren zu Beginn der Untersuchung zwischen 50 und 59 Jahre alt, nicht herzkrank und stammten entweder aus Frankreich (Toulouse, Lille und Straßburg) oder aus Nordirland (Belfast). Die Auswertung ergab, dass sich die Trinkgewohnheiten der Männer in den beiden Ländern stark unterscheiden: Während in Belfast nur 12 Prozent der Befragten täglich Alkohol tranken, waren dies in den französischen Städten 75 Prozent. Auch die tägliche Alkoholdosis lag in Frankreich mit 32,8 g höher als in Nordirland mit 22,1 g. Doch dafür waren in Nordirland Alkoholexzesse häufiger: In Belfast waren 9,4 Prozent der Männer sogenannte Binge-Trinker, die bei einer Gelegenheit umgerechnet 50 g reinen Alkohol konsumierten. Diese Menge entspricht etwa 1,5 l Bier. Die Zahl der Binge-Trinker war dagegen in Frankreich mit 0,5 Prozent um den Faktor 20 geringer.

 

Koronare Ereignisse traten in Nordirland etwa doppelt so häufig auf wie in Frankreich (5,3 versus 2,6 Prozent). Ein Grund könnten die in Nordirland häufigeren Trinkgelage sein: Denn der Untersuchung zufolge hatten exzessive Trinker ein doppelt so hohes Risiko für koronare Ereignisse wie regelmäßige Trinker, berichten Ruidavets und seine Kollegen im »British Medical Journal« (doi: 10.1136/bmj.c6077). Mit ein Grund für die geringere Herzinfarkt- und Angina-Rate in Frankreich könnte auch das gewählte Getränk sein: Während die französischen Männer weitestgehend Wein bevorzugten, tranken die irischen Männer mehr Bier und Spirituosen. Ein moderater Weinkonsum wurde schon in früheren Studien mit einer protektiven Wirkung auf das Herz in Verbindung gebracht.

 

Fast unberücksichtigt im Diskussionsteil der Studie blieb das Ergebnis, dass Nicht-Trinker ebenfalls ein doppelt so hohes Risiko für koronare Ereignisse hatten im Vergleich zu regelmäßigen Trinkern. Sie hatten sowohl in Frankreich als auch in Nordirland sogar die höchsten Ereignisraten. Die geringe statistische Aussagekraft der Studie lasse nicht zu, aus den Ergebnissen zu folgern, dass Nicht-Trinken ebenso schädlich sei wie exzessives Trinken, so die Forscher. Warum dies für Nicht-Trinker gilt, die in Irland 39,5 Prozent und in Frankreich 9,4 Prozent der Probanden stellten, aber nicht für die deutlich kleinere Gruppe der Binge-Trinker, schreiben die Autoren nicht. Die Gruppe der Nicht-Trinker sei auch in früheren Studien aus verschiedenen Gründen aus dem Rahmen gefallen, erklärte Professor Dr. Helmut Gohlke vom Herz-Zentrum Bad Krozingen gegenüber der PZ. Um genauere Aussagen zu erhalten, müsste die Gruppe in Nicht- und Niemals-Trinker untereilt werden, was hier unterblieb. Deshalb sei das Ergebnis nicht überzubewerten. /

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