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Studie

Kaum tragfähige Zukunftskonzepte

25.11.2008
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Studie

Kaum tragfähige Zukunftskonzepte

PZ / Die Stimmung ist schlecht unter Deutschlands Apothekern. Diese nicht sehr überraschende Erkenntnis wurde jetzt durch eine Studie belegt. Erstaunlicher ist da schon, dass 71 Prozent der Pharmazeuten damit rechnen, dass das Fremd- und Mehrbesitzverbot aufgehoben wird.

 

Ob ganz oder teilweise ­ mit einer wie auch immer modifizierten Aufhebung des Fremd- und Mehrbesitzverbotes rechnen 71 Prozent der Apotheker ganz fest. Das ist ein Ergebnis einer Befragung von 320 Apothekerinnen und Apothekern, die Dr. Schmidt und Partner vorgelegt haben. die Steuer-, Rechts- und Unternehmensberatung mit den Standorten Koblenz, Dresden und Oberhausen ist auf den Gesundheitsmarkt spezialisiert und berät Apotheken, Arztpraxen und weitere Gesundheitsdienstleister.

 

Drei Viertel erwarten nichts Gutes

 

Die Studie mit dem Titel »Apothekenmarkt 2008: Eine Branche im Umbruch« offenbart, dass mehr als drei Viertel der deutschen Apotheker (77 Prozent) davon ausgehen, dass sich der Wandel des deutschen Apothekenmarktes negativ auf die Verbraucher auswirken wird.

 

Schon jetzt befinde sich der deutsche Apothekenmarkt in einem gravierenden Umwälzungsprozess, bestätigten 95 Prozent der Befragten. Die bundesweite Studie zeichnet ein düsteres Stimmungsbild. Sowohl für die eigene Situation als auch für die Apothekenkunden befürchten die Apotheker Verschlechterungen. Zunehmende gesetzliche Regulierung und steigender Wettbewerbsdruck machen sich negativ bemerkbar.

 

Die Pharmazeuten blicken mit Sorge auf den Ausgang der Verhandlung vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg. Dort wird über die Frage entschieden, ob die deutschen Regelungen zum Fremd- und Mehrbesitz, die unter anderem Apothekenketten verbieten, mit europäischem Recht vereinbar sind.

 

84 Prozent der Befragten glauben, dass der Marktwandel vor allem zulasten des etablierten Modells der inhabergeführten Apotheke gehen und den bereits bestehenden wirtschaftlichen Druck weiter erhöhen wird. 57 Prozent rechnen damit, dass es ihrer Apotheke in fünf Jahren schlechter gehen wird als heute. Lediglich 15 Prozent erwarten eine Verbesserung ihrer Situation.

 

Und wie wird es den deutschen Apothekern insgesamt in fünf Jahren gehen? 81 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass sich die Lage des eigenen Berufsstandes verschlechtern wird. Die Optimisten sind klar in der Minderheit: Nur drei Prozent glauben an eine Verbesserung. Der deutsche Apothekenmarkt wird sich nach Einschätzung von 61 Prozent der interviewten Heilberufler zum Schlechten entwickeln. Nur ein Fünftel glaubt an eine positive Zukunft, während 17 Prozent hier mit keiner Veränderung rechnen.

 

Der Marktwandel ist nach Auffassung von 93 Prozent der Apotheker bisher nicht ausreichend öffentlich thematisiert oder überhaupt verstanden worden. 81 Prozent vermissen eine konstruktive Debatte über die Folgen sowie mögliche Zukunftsperspektiven.

 

Breite Diskussion erwünscht

 

Entsprechend wünschen sich 91 Prozent der Studienteilnehmer eine breite Diskussion über ihre Situation und mögliche Zukunftsperspektiven. Solche Perspektiven müssten allerdings erst entwickelt werden. Ein Drittel der Befragten glaubt nämlich nicht, dass es bereits heute tragfähige Konzepte auf dem Markt gibt, mit denen die wirtschaftliche Zukunft der inhabergeführten Apotheke auch in einem sich wandelnden Marktumfeld sichergestellt werden kann. 28 Prozent sind der Meinung, dass es solche Konzepte bereits gibt, während sich 38 Prozent unschlüssig zeigen.

 

Matthias Sabel, der die Studie bei Dr. Schmidt und Partner initiiert hat, schloss aus den Ergebnissen: »Die derzeit im Markt existierenden Modelle sind einerseits kaum bekannt und können andererseits die Apothekerinnen und Apotheker nicht überzeugen. Wir brauchen deshalb schnellstmöglich eine Antwort auf die Frage, wie die hiesigen Pharmazeuten auch in Zukunft eine flächendeckende, sichere und qualitativ hochwertige Versorgung mit Arzneimitteln sicherstellen können.«

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