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Ex-Vorsitzender eröffnet Pick-up-Stelle

25.11.2008
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Ex-Vorsitzender eröffnet Pick-up-Stelle

Von Brigitte M. Gensthaler, München

 

Der ehemalige Vorsitzende des Bayerischen Apothekerverbandes, Gerhard Reichert, hat in einer Edeka-Filiale eine Pick-up-Stelle eröffnet. Der bayerische Apothekerverband (BAV) distanziert sich davon eindeutig.

 

Die Nachricht schlug Anfang letzter Woche im Bayerischen Apothekerhaus in München wie eine Bombe ein: Gerhard Reichert eröffnet eine Pick-up-Stelle im niederbayerischen Garham. Die Pikanterie: Reichert gehörte dem Vorstand des BAV 34 Jahre lang an, davon 18 Jahre als Erster Vorsitzender; zudem war er in zahlreichen Gremien des Berufsstands tätig. Den potenziellen Kunden kündigte er die Eröffnung der Pick-up-Stelle (»im Prinzip ein großer Briefkasten«) im Edeka-Laden schriftlich an und erklärte auch gleich, wie das Bestell- und Abholverfahren abläuft.

 

Erst am 13. September hatte Reichert sich bei der Mitgliederversammlung des Verbands aus dem Vorstand verabschiedet und stehende Ovationen für seine Verdienste bekommen. In seinem 18. und letzten Vorstandsbericht hatte er auch zum dm-Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Stellung genommen, das Pick-up-Stellen für rechtens erklärt hat: Dies sei ein Rückfall für die Pharmazie, der schlimmer nicht sein könne. Dabei hatte er die Gefahren deutlich benannt, die diese Sonderform des Versandhandels birgt: »Pick-up-Stellen in großem Umfange sind mit Sicherheit eine große Gefahr für den Arzneisuchenden, für den Versicherten und Kunden.« Die Verantwortung hierfür sei letztlich der Politik zuzuschreiben. »Aber gegen die Macht der Parteien sind wir natürlich machtlos.« Angesichts der aktuellen Entwicklungen erscheint dieser Satz jetzt in anderem Licht als im September.

 

Bei der Versammlung der Bayerischen Landesapothekerkammer Mitte November in München schlug bei Delegierten und BAV-Vorstandsmitgliedern die Empörung über die Pick-up-Offensive hohe Wellen. Die Erschütterung war vielen ins Gesicht geschrieben. Der neue BAV-Vorsitzende Dr. Hans-Peter Hubmann ließ keinen Zweifel an der Position des Vorstands: »Pick-up-Stellen sind der völlig falsche Weg.«

 

Auf Anfrage bekräftigte Hubmann Anfang dieser Woche erneut das entschlossene Vorgehen: »Der Vorstand des Bayerischen Apothekerverbandes bekennt sich ohne Wenn und Aber zur öffentlichen Apotheke und lehnt die sogenannten Pick-up-Stellen kategorisch ab. Zu dieser Haltung stehen wir konsequent. Selbst wenn dies zu Maßnahmen führt, bei der die persönliche Ebene hintan stehen muss. Wir werden auch künftig auf allen politischen Ebenen gegen Pick-up-Stellen vorgehen.«

 

Einen wichtigen Schnitt vollzog der Vorstand einmütig mit der Absage der offiziellen für den 25. November angesetzten Verabschiedungsfeier. Damit wolle er ein „klares nachhaltiges Zeichen” setzen, hieß es aus dem Verband. Es gebe überhaupt keinen Zweifel, dass der BAV die Bundesratsinitiative gegen den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln weiter nach Kräften unterstützt.

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