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Latente Hyperthyreose

Risiko für das Herz

23.11.2016
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Von Ulrike Viegener / Die Diskussion über mögliche Risiken latenter Schilddrüsendysfunktionen bekommt neue Nahrung: Laut mehrerer aktueller Veröffentlichungen einer Arbeitsgruppe von der Erasmus-Universität in Rotterdam sollen bereits leicht erniedrigte TSH-Werte mit einem Risikoanstieg in puncto plötzlicher Herztod, Schlaganfall und Demenz verbunden sein.

Wo eine normale Schilddrüsenfunktion endet und wo eine Dysfunktion beginnt, wird kontrovers diskutiert. Als Marker für grenzwertige Veränderungen wird das Thyreoidea-stimulierende Hormon (TSH) herangezogen, das leicht erniedrigt beziehungsweise erhöht sein kann, auch wenn die frei zirkulierenden Schilddrüsenhormone normal sind. 

 

Es ist nicht lange her, da wurde für TSH-Werte im oberen Referenzbereich als mögliches Zeichen einer beginnenden Hypothyreose Entwarnung gegeben, in einer sehr großen Kohorte konnte keine Assoziation zwischen hochnormalen TSH-Werten und dem koronaren Risiko belegt werden.

 

Jetzt wurden neue Daten für die umgekehrte Situation präsentiert: Grenzwertig erniedrigte TSH-Spiegel als mögliches Zeichen einer latenten Überfunktion gehen laut einer Subanalyse der Rotterdam-Studie mit einem erhöhten Risiko für den plötzlichen Herztod einher. Insgesamt erlitten in den ersten neun Studienjahren 261 von mehr als 10 000 Teilnehmern einen plötzlichen Herztod, der in der Regel durch Herzrhythmusstörungen verursacht wird. Das berichten die Forscher um Dr. Layal Chaker im Fachjournal »Circulation« (DOI: 10.1161/CIRCULATION AHA.115.020789). Auffällig häufig waren Menschen mit nach geltender Definition latenter Hyperthyreose betroffen, also Menschen mit leicht erniedrigtem TSH bei normalen T4-Werten. Bei dieser Konstellation war das Risiko für einen plötzlichen Herztod um den Faktor 2,5 erhöht. Für Personen mit innerhalb des geltenden Normbereichs hohen T4-Werten wurde, auf zehn Jahre gerechnet, ein absolutes Herztodrisiko von 4 Prozent ermittelt.

 

Wenig später veröffentlichte dieselbe Arbeitsgruppe eine weitere Subanalyse der Rotterdam-Studie: Auch hinsichtlich Demenz sei eine hochnormale Schilddrüsenfunktion mit einem erhöhten Risiko verknüpft, wobei MRT-Untersuchungen dafür sprechen, dass hierbei nicht vaskuläre Veränderungen, sondern eher direkte hormonelle Effekte eine Rolle spielen (»Neurology« 2016, DOI: 10.1212/WNL.0000000000003227). TSH-Spiegel im oberen Referenzbereich – also im Grenzbereich zur Hypothyreose – waren dagegen mit einem vergleichsweise niedrigen Demenzrisiko assoziiert. Ein ähnliches Bild ergibt eine Literaturrecherche derselben Arbeitsgruppe bezüglich des Schlaganfallrisikos: Hochnormale TSH-Spiegel sind demnach mit einem verminderten Schlaganfallrisiko assoziiert (»JCEM« 2016, DOI: 10.1210/jc.2016-2255). /

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