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Studie

Rabattverträge können krank machen

17.11.2009  17:41 Uhr

Von Daniel Rücker / Für die Krankenkassen sind Rabattverträge ein Instrument, die Ausgaben für Arzneimittel zu senken. Eine Untersuchung nährt allerdings Zweifel an dieser These. Patienten leiden unter der Mediaktionsumstellung, so der Befund. Die Folge können zusätzliche Kosten sein.

Nach einer Untersuchung der Hochschule Fresenius (HSF) in Idstein klagt die Hälfte der Patienten nach der Umstellung auf ein Rabattarzneimittel über neue Nebenwirkungen. Ein Viertel spricht sogar von starken Nebenwirkungen, 9 Prozent gaben an, wegen der umstellungsbedingten Nebenwirkungen sogar ambulante oder stationäre Behandlung benötigt zu haben.

Wissenschaftler der HSF hatten zwischen Juli und September dieses Jahres 135 Patienten in Arztpraxen und Apotheken befragt. Angesichts der hohen Nebenwirkungsrate verwundert es kaum, dass knapp zwei Drittel (63 Prozent) der Befragten wieder auf ihr gewohntes Medikament umsteigen wollten. Immerhin 58 Prozent würden auch aufzahlen. Zur Aufzahlung bereit waren vor allem Patienten, die über Nebenwirkungen klagten. Auch ohne Aufzahlungen belasten Rabattverträge die Geldbörse der Patienten. Rund ein Viertel der Befragten gaben an. für ergänzende Medikamente, Rückumstellungen, Pflege- und Betreuungskosten oder zustätzlicher Fahrten zum Arzt, Geld wegen der Umstellung auf ein Rabattarzneimittel ausgegeben zu haben.

 

Mehraufwand für Apotheker

 

Ebenfalls erheblich belastet werden die Apotheker. Wie die HSF-Untersuchung offenbarte sind es nämlich nicht die Ärzte, die den Hauptteil der Aufklärungsarbeit leisten. Die Patienten erfahren in erster Linie in der Apotheke, warum sie ein anderes Medikament erhalten, als das gewohnte und welche Konsequenzen dies für sie hat. Mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) gab an, erstmals in der Apotheke über die Umstellung auf ein rabattiertes Medikament informiert worden zu sein. Weniger als ein Viertel der Patienten (24 Prozent) wurde beim Arzt aufgeklärt.

 

Studienleiterin Professor Dr. Gudrun Neises sieht in den Ergebnissen einen deutlichen Hinweis darauf, dass eine ausschließlich ökonomische Bewertung der Rabattverträge, die sich allein auf die durch Preisnachlässe generierte Einsparsumme bezieht, zu kurz greift. Würden die Auswirkungen der negativen Folgen der Medikationsumstellung in die Überlegungen mit einbezogen, wäre die Bilanz deutlich schlechter. Analog zur Kosten-Nutzenbewertung bei neuen Arzneimitteln sollte über eine »Sparen-Schaden-Bewertung« bei Rabattverträgen nachgedacht werden.

 

Die gesamte Studie finden Sie in dem Beitrag Untersuchung: Machen Rabattverträge krank? /

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