Pharmazeutische Zeitung online
Altersmedizin

Mangelnde Bewegung macht krank

21.11.2006
Datenschutz bei der PZ

Altersmedizin

Mangelnde Bewegung macht krank

Von Birgit Masekowitz, Berlin

 

Jeder von uns möchte auch im Alter noch fit und gesund sein. Eine gute Möglichkeit, dies zu erreichen, ist Sport. Dabei spielt der Erhalt der Muskelmasse eine entscheidende Rolle für die Knochengesundheit.

 

Die meisten Menschen schränken im Alter ihre körperlichen Aktivitäten ein, gleichzeitig werden sie häufiger krank. Arthrose, Osteoporose, Rheuma sowie verschiedene Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems erschweren vielen Menschen den Alltag. Doch ein Mangel an Bewegung und die chronischen Erkrankungen führen zur Rückbildung von Muskeln und Knochen. Wissenschaftler nehmen daher an, dass einige Funktionsverluste, die bisher als Ausdruck des Alterns galten, zu einem erheblichen Teil die Folge dieser zwei Faktoren sind.

 

Der Erhalt von Muskelmasse und Muskelfunktion für eine gute Bewegungsfähigkeit ist daher das Kernproblem der Altersmedizin, wie Experten des Zentrums für Muskel- und Knochenforschung (ZMK) der Charité in der vergangenen Woche auf dem Kongress »Muskeln und Knochen ­ Neue Welten« berichteten. Die Muskelfunktion und die Beschaffenheit der Knochen stehen in sehr enger Beziehung, erläuterte Eckard Schönau von der Universitätskinderklinik Köln. »Der Knochen passt sich ständig den Verformungen an, die die Muskulatur ihm abfordert. Wird der Knochen häufig über eine gewisse Schwelle hinweg verformt, führt das zum Knochenaufbau, Verformungen unterhalb dieser Schwelle bewirken Knochenabbau.« Das Ziel der Wissenschaftler vom ZMK ist es daher, Leitlinien zur Kräftigung der Muskulatur zu formulieren, die einen Knochenaufbau bewirken und somit Osteoporose vorbeugen.

 

Ein Beispiel hierfür ist das Bonvital-Programm, das Dr. Martin Runge vom Muskel- und Knochenzentrum in Esslingen in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Dieter Felsenberg, dem Leiter des ZMK, entwickelt hat. Mit bestimmten Hüpf-, Wipp- und Dehnübungen sollen Balance, Dehnung, Kraft und Leistung des Muskels, trainiert werden. Einen besonders hohen Stellenwert nimmt die Kräftigung der Muskulatur in der Umgebung des Hüftgelenkes ein. Diese Muskulatur sei besonders wichtig, da sie den Oberkörper mit 70 Prozent des Körpergewichts aufrecht halten müsse, sagte Runge. Alle Übungen haben sich in wissenschaftlichen Untersuchungen als wirkungsvoll und unbedenklich erwiesen.

 

Runge erklärte, viele Sportarten seien nicht ideal, weil die Bewegungen oft sehr einseitig seien. Zum Beispiel habe Ausdauersport zwar eine gute Wirkung auf Herz und Kreislauf, zum Erhalt der Muskelmasse sei er aber nicht geeignet.

 

Felsenberg erklärte, er halte die gängigen Empfehlungen der Ärzte, sich bei Arthrose oder Osteoporose zu schonen, für kontraproduktiv und betonte, dass die Übungen auch für diese Patientengruppe geeignet seien, wenn sie dementsprechend angepasst würden.

Mehr von Avoxa