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Aktionsplan für Grippepandemie steht

15.11.2005  13:51 Uhr

Aktionsplan für Grippepandemie steht

von Christina Hohmann, Eschborn

 

Bei einem internationalen Treffen in Genf haben die teilnehmenden Regierungsvertreter einen Aktionsplan beschlossen, der im Falle einer Grippepandemie die Seuche eindämmen soll.

 

Rund 600 Vertreter von Regierungen und Organisationen aus hundert Ländern haben auf einer von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) initiierten Tagung einen Pandemieplan entwickelt. Dieser beinhaltet unter anderem Maßnahmen zur Kontrolle des Vogelgrippevirus H5N1 bei Vögeln durch Keulen beziehungsweise Impfen der Tiere, sowie den Aufbau eines weltweiten Alarmsystems zur Überwachung der Verbreitung. Dazu gehören auch der Ausbau von Laboratorien und die Schulung von klinischem Personal. Weiterhin sollen Strategien zur raschen Eindämmung des Erregers im Fall einer Pandemie entwickelt und getestet werden. Für alle Maßnahmen ist eine enge internationale Zusammenarbeit und vor allem eine sachliche und transparente Kommunikation wichtig.

 

»Wir haben die Pläne auf dem Papier«, sagte Dr. Jong Wook Lee, Generaldirektor der WHO, zum Abschluss der Konferenz. »Aber wir müssen sie jetzt testen, denn wenn ein Pandemie-Virus auftaucht, wird es dafür zu spät sein.« Derzeit ist der Vogelgrippeerreger nicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Wenn er durch Mutation diese Fähigkeit erlangt, könnte es zu einer Pandemie führen, die weltweit etwa sieben Millionen Menschen das Leben kosten könnte, schätzen WHO-Experten.

 

Die Vorbereitungen auf eine Pandemie werden weltweit in den kommenden drei Jahren rund 1 Milliarde Dollar kosten. In dieser Summe sind nicht die Entwicklung von Impfstoffen oder die Entschädigung von Landwirten und Tierzüchtern enthalten, sagte James Adams, Vizepräsident der Weltbank, die ebenfalls bei der Konferenz in Genf vertreten war.

 

Eines der Hauptprobleme im Ernstfall wäre die Impfstoffproduktion (siehe auch PZ 44/05). Deren Kapazität würde bei einer Grippepandemie nicht ausreichen. Um die Welt zu umrunden, bräuchte das Virus etwa drei bis vier Monate. Selbst wenn man in diesem Zeitraum 900 Millionen Impfdosen produzieren könnte, wie es nach dem derzeitigen Stand möglich wäre, würde dies bei weitem nicht ausreichen, sagte Klaus Stöhr, Leiter des WHO-Grippeprogramms. Nur bei einer Reduzierung der Antigendosis könnte annährend der Bedarf an Impfstoff gedeckt werden. Bisher wurden alle Studien mit einer Dosis von 7,5 µg Antigen durchgeführt. Wie Untersuchungen aus Deutschland zeigen, könnte aber auch eine Dosis von 2 µg effektiv sein. Erste Ergebnisse zu den jetzt anlaufenden Studien in USA, Australien, Japan und Kanada mit der niedrigen Dosierung sollen in etwa sechs Monaten vorliegen, berichtete Anthony Fauci, Leiter des US-amerikanischen National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) in der Fachzeitschrift »New Scientist«.

 

Während in Genf die Experten tagen, verbreitet sich das Vogelgrippe-Virus in Asien weiter. Wie die chinesische Regierung mitteilt, ist der Erreger H5N1 in der Provinz Liaoning außer Kontrolle geraten. Es wurden drei neue Ausbrüche und eine vermutete Infektion beim Menschen innerhalb 24 Stunden gemeldet. Im vergangenen Monat traten in China insgesamt sechs Epidemien auf, denen die Regierung mit der Massentötung von Geflügel begegnete.

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