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EuGH-Urteil

Schwere Zeiten für Apotheker

01.11.2016
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Von Daniel Rücker / Nach einer Untersuchung des Informationsdienstleisters Sempora kann das Urteil des Europä­ischen Gerichtshofs (EuGH) vom 19. Oktober die öffentlichen Apotheken erheblich treffen.

 

So sollen 51 Prozent der 1000 befragten Verbraucher bereits bei einem Bonus von 2 Euro für ein Arzneimittel dazu bereit sein, dieses Medikament immer oder meistens beim Versandhandel zu bestellen.

 

Laut der Untersuchung würden lediglich 9 Prozent der Patienten niemals Arzneimittel bei einem Versender bestellen. Wenig überraschend ist dabei, dass vor allem Patienten mit vielen Rezepten an Boni interessiert sind. Dasselbe gilt für Patienten unter 30 Jahren. In dieser Altersgruppe sind fast zwei Drittel der Befragten an Boni interessiert. Bei den Über-60-Jährigen sind es nur noch 40 Prozent.

 

Kritisch für die Apotheker ist, dass vor allem diejenigen auf Rezeptboni scharf sind, die mehr als 12 Rezepte pro Jahr einlösen. Knapp ein Drittel dieser Gruppe gibt an, das Angebot immer nutzen zu wollen. Ähnlich unerfreulich ist das Umfrageergebnis, wonach drei Viertel aller Befragten ihre verordneten Arzneimittel »ausschließlich« oder »überwiegend« in einer Boni-Apotheke kaufen würden, wenn dies erlaubt würde. Dabei ist den Boni-Jägern der Rabatt angeblich wichtiger als die gute Beratung. Nur 43 Prozent ist ein Bonus egal, wenn die Beratung stimmt.

 

Die Autoren der Studie schließen aus ihrer Untersuchung, dass die aus dem EuGH-Urteil resultierenden Ergebnisse »zu massiven Änderungen im Gefüge der deutschen Apothekenlandschaft führen könnten.« Das Ergebnis unterstreicht aber auch, wie wichtig künftig eine stabile Arzneimittelversorgung in Deutschland ist. Das derzeit vom Bundesgesundheitsministerium geplante Rx-Versandverbot wäre daher ein entscheidender Schritt in die richtige Richtung. /

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