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PDE3/4-Inhibitor

Zwei auf einen Streich

29.10.2013
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Von Ulrike Viegener / Die Substanz RPL554 wirkt sowohl bronchodilatierend als auch entzündungshemmend. Damit besitzt der PDE3/4-Inhibitor ein interessantes Profil für die Therapie von Asthma und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD). Jetzt liegen erste klinische Daten vor.

Phosphodiesterasen (PDE) sind Enzyme, die in die Regulation der sekundä­ren Botenstoffe cAMP und cGMP involviert sind. Sie dienen der intrazellulären Weiterleitung eines extrazellulären Signals. Bekannt sind derzeit elf verschiedene PDE-Isoformen. Inhibitoren der Isoform PDE3, die in der Bronchialmuskulatur präsent ist, wirken bronchodilatierend. PDE4 wurde in verschiedenen Zelltypen nachgewiesen, die bei Atemwegsentzündungen eine Rolle spielen. Entsprechend wirken PDE4-Inhibitoren entzündungshemmend.

Der Wirkstoff RPL554 hemmt sowohl PDE3 als auch PDE4. Gleich zwei Therapieeffekte, die bei obstruktiven Atemwegserkrankungen bedeutsam sind, kommen also auf einen Streich zum Tragen. Ob dieses theoretisch interessante Konzept tatsächlich funktioniert, wurde in insgesamt vier klinischen Studien an jeweils kleinen Fallzahlen überprüft. Die Ergebnisse wurden jetzt gesammelt im Fachjournal »The Lancet Respiratory Medicine« veröffentlicht (doi: 10.1016/S2213-2600(13)70211-X). Die innovative Wirksubstanz wurde in diesen – teils kontrollierten, teils offenen – Studien an gesunden Probanden sowie an Pa­tienten mit leichtem bis mittelschwerem Asthma beziehungsweise COPD getestet. Der Wirkstoff wurde dabei einmalig oder über einige Tage per Vernebler appliziert. Bei COPD-Patienten wurde nach einmaliger Applikation von RPL554 eine Verbesserung der forcierten Einsekundenkapazität (FEV1) um 17 Prozent nachgewiesen. Damit liegt der bronchodilatierende Effekt in ähn­licher Größenordnung wie unter β2-Sympathomimetia. Dasselbe gilt auch für Wirkeintrittsdauer und Wirkmaximum. Bei Anwendung über mehrere Tage waren die Therapieeffekte stabil. Als Indikator für die entzündliche Aktivität wurde die durch bakterielle Lipopolysaccharide ausgelöste Mobilisierung von Neutrophilen im Sputum herangezogen. RPL554 zeigte eine ausgeprägte antientzündliche Wirkung, die derjenigen eines potenten oralen PGE4-Inhibitors entspricht. Die Verträglichkeit von RPL554 erwies sich in diesen ersten Studien als gut.

 

In einem Kommentar in derselben Ausgabe bewertet Professor Dr. Jadwiga Wedzicha vom University College London das duale Wirksubstanz als potenziell großen Fortschritt, betont aber auch den vorläufigen Charakter der vorliegenden Daten. Wedzicha sieht dringenden Bedarf für innovative Medikamente zur Therapie vor allem schwerer Formen von Asthma und COPD. Inhalative Corticosteroide seien in solchen Fällen oft nicht ausreichend, und das erhöhte Risiko von Pneumonien bei COPD-Patienten sei ein weiteres Problem. Lang wirksame β2-Agonisten andererseits können dazu führen, dass sich eine Asthmasymptomatik verschlimmert. Vor diesem Hintergrund werden weitere Studien mit dem innovative PDE3/4-Inhibitor gespannt erwartet. /

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