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Pharmadialog

Hersteller fordern mehr Unterstützung

07.10.2015
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Von Stephanie Schersch / An diesem Donnerstag treffen sich Vertreter aus Bundesregierung, Wissenschaft und Industrie zur dritten Runde des sogenannten Pharmadialogs. Im Mittelpunkt sollen der Produktionsstandort Deutschland und der Schutz von Innovationen stehen. Die Arzneimittelhersteller gehen mit einer langen Wunschliste in das Gespräch.

Grundsätzlich steht die Pharmaindus­trie hierzulande gar nicht so schlecht da. Gemessen an Anzahl und Wertbeitrag der Produktionsstätten belegt Deutschland zusammen mit Japan Platz drei hinter den USA und Frankreich. Das geht aus einem gemeinsamen Positionspapier hervor, das der Bundesverband der Arzneimittelhersteller, der Verband der forschenden Pharmaunternehmen, der Bundesverband der pharmazeutischen Industrie sowie Bio Deutschland und Progenerika aufgestellt haben. Bei der Produktion biopharmazeutischer Arzneimittel liegt Deutschland demnach sogar auf Rang zwei. Nur die USA sind noch erfolgreicher in diesem Feld.

Spitzenstellung

 

Um diese Spitzenstellung auch in Zukunft zu halten, muss sich in Deutschland allerdings einiges tun, fordern die Hersteller. Weltweit sei der Pharmamarkt in den zurückliegenden Jahren gewach­sen, deutsche Firmen hätten davon aber nur unterproportional profitiert. Schuld daran sind aus Sicht der Industrie unter anderem Lücken in der Innovations­förderung.

 

Gerade junge Unternehmen hätten darunter zu leiden. Zwar stelle ihnen die Bundesregierung in der frühen Gründungsphase durchaus Mittel bereit. »Die Projektförderung in Deutschland ist im europäischen Vergleich beispielhaft«, heißt es. Eine solche Unterstützung fehle jedoch in der anschließenden Wachstumsphase der Firmen, in der diese häufig teure klinische Studien stemmen müssten. »Ambitionierte öffentliche Förderung in den Frühphasen der Unternehmen verpufft, weil die Anschlussfinanzierung fehlt«, so die Kritik der Verbände.

 

In Deutschland gebe es zu wenige institutionelle Investoren, die gezielt in die Hightech-Branche investierten. Mehr als 70 Prozent des hierzulande aufgebrachten Risikokapitals stammten daher aus ausländischen Fonds. Um das zu ändern, fordern die Hersteller Steuervorteile für Investitionen in innovative Unternehmen. Darüber hinaus müssten erfolgreiche Förderprogramme mit Blick auf die Dauer und die Kosten der Arzneimittelentwicklung weiterentwickelt werden.

 

Auch der Schutz von Innovationen ist für den Standort ausschlaggebend. Zwar sei die Innovationskraft hierzulande groß, es hapere jedoch an der schnellen Umsetzung von Ideen in konkrete Produkte, schreiben die Verbände. »Deutschland ist im Innovationswettbewerb nicht schlechter geworden, andere Länder agieren jedoch inzwischen weit dynamischer.« Nötig sei daher unter anderem »ein wettbewerbsfähiges Patentrecht, bestenfalls international harmonisiert, das den Patentschutz angemessen stärkt und dem wachsenden Ideendiebstahl durch Plagiate und Patentverletzungen entgegentritt«.

 

Mehr Transparenz

 

Bedenken haben die Hersteller zudem mit Blick auf die EU-Regeln für mehr Transparenz von Daten aus klinischen Prüfungen, die unter anderem mit der sogenannten Clinical Trials Regulation im kommenden Jahr in Kraft treten sollen. Die Hersteller müssen dann umfassende Studiendaten offenlegen. In Deutschland dürften diese Vorgaben nicht durch zusätzliche Regeln erweitert werden, heißt es. Zudem müsse sich die Bundesregierung in der EU dafür einsetzten, dass der Schutz von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen nicht zu kurz komme. /

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