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Geldanlage

Gute Renditen nur mit Aktien möglich

07.10.2015
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Von Daniel Rücker / Zinsen im Promillebereich machen Anlegern überhaupt keinen Spaß. Immobilienfonds oder Rentenpapiere sind auch keine Selbstläufer. Klaus Niedermeier, Leiter des Bereichs Investment Research bei der Deutschen Apotheker-und Ärztebank, rät Anlegern, sich bei einem Investment nicht allein auf Deutschland zu konzentrieren.

PZ: Herr Niedermeier, Sie haben 100 000 Euro geerbt, brauchen das Geld aber nicht unmittelbar. Wie würden Sie die Summe anlegen?

 

Niedermeier: In jedem Fall diversifizieren. Dabei spielen Aktien eine große Rolle. Es gibt derzeit zwar eine gewisse Volatilität im Aktienmarkt, wir sehen die Entwicklung aber weiterhin positiv. Gute Renditen sind vorerst nur mit Aktien zu erzielen. Das ist heute schon so und wird wohl noch eine ganze Weile so weitergehen. Wir raten unseren konservativen Kunden bei einer Geldanlage, mindestens 30 Prozent Aktien beizumischen, wer etwas mutiger ist, kann auf 50 Prozent Aktien gehen. Ein risikoaffiner Apotheker kann auch 80 Prozent Aktien und 20 Prozent Rentenpapiere ins Depot aufnehmen. Bei Rentenpapieren wäre ich deshalb etwas zurückhaltender, weil die US-Notenbank Fed die Zinsen wahrscheinlich bald anheben wird. Wenn die Zinsen steigen, ist dies Gift für Rentenlagen. Ganz aussteigen würde ich allerdings nicht. Rentenpapiere sind im Depot ein Stabilitätsanker.

PZ: Wenn die Zinsen in den USA steigen, werden auch Geldanlagen in Deutschland wieder interessanter?

 

Niedermeier: Das erwarten wir nicht. Im Euroraum wird es noch eine ganze Weile dauern, bis die Zinsen wieder steigen. Mittelfristig wird dies auch so bleiben. Vor 2019, 2020 wird die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen nicht anheben.

 

PZ: Wie interessant sind Immobilien zurzeit als Geldanlage? In den vergangenen Jahren sind die Hauspreise zum Teil deutlich gestiegen. Ist es jetzt schon zu spät für den Einstieg?

 

Niedermeier: Zumindest für den deutschen Markt ist es noch nicht zu spät. Die Preise in Städten wie Düsseldorf, Frankfurt oder Berlin sind in letzter Zeit stark gestiegen, wir sehen aber hier noch keine Immobilienblase. Wichtig bei einem Immobilieninvestment ist die Lage. Sofern diese stimmt, sollten sich auch in wirtschaftlichen Schwächephasen Kaufinteressenten finden. Nicht vergessen sollte man, dass Immobilien für den Besitzer mit Aufwand und Kosten verbunden sind. Das schlägt auf die Rendite durch.

 

PZ: Ist es deshalb sinnvoller, sich an einem Immobilienfonds zu beteiligen?

 

Niedermeier: Es ist zumindest eine Option. Ein Fonds hat den Vorteil, dass er in der Regel international aufgestellt ist. Dadurch lassen sich konjunkturelle Risiken ausgleichen. Wenn der Immobilienmarkt in Europa schwächeln sollte, dann boomt er vielleicht in Asien. Außerdem werden die Fonds von global aktiven Experten geführt, das hebt die Chance auf eine gute Rendite deutlich.

 

PZ: Wie langfristig sollten Anleger bei Immobilienfonds planen?

 

Niedermeier: Mindestens fünf Jahre, besser aber noch länger. Wer ein Haus baut, der verkauft es in der Regel auch nicht nach zwei Jahren.

 

PZ: Welche Renditen waren in den vergangenen Jahren mit Immobilienfonds zu erzielen?

 

Niedermeier: Wir liegen hier, je nach Ausrichtung der Fonds, bei zwei bis drei Prozent.

 

PZ: Wie sieht es denn bei Aktien aus? Kann der Anleger sein Depot selbst managen?

 

Niedermeier: Das hängt stark vom Wissen und dem Engagement des Anlegers ab. Wer die Aktien kauft, die er kennt und sich außerdem regelmäßig informiert, der kann sein Aktiendepot selbst managen. Es gibt aber Anleger, die das nicht wollen. Dann bieten sich Fonds an, die von Experten verwaltet werden. Unsere Experten stellen die Fonds global zusammen, das reduziert die Risiken. Die Manager tauschen sich untereinander aus und suchen die beste Strategie. Wenn sich etwa die Märkte in Nordamerika schlecht entwickeln, werden die Aktien neu gewichtet. Das kann der interessierte Laie nicht leisten.

 

PZ: Was würden Sie einem Apotheker empfehlen, wenn er ein Depot selbst anlegen will?

 

Niedermeier: Wir empfehlen derzeit einen Anteil von jeweils rund 30 Prozent in den Emerging Markets (Lateinamerika, Asien, Europa) sowie Westeuropa inklusive Deutschland. Die restlichen 40 Prozent würden wir in Japan, Asien und den USA investieren.

 

PZ: Welche Renditen ließen sich in den vergangenen Jahren mit Aktienfonds erzielen?

 

Niedermeier: Im Durchschnitt der letzten drei Jahre konnten mit Aktien­investments Renditen von mehr als 10 Prozent pro Jahr erzielt werden. Es kommt aber auch stark darauf an, ob wir von deutschen, europäischen oder globalen Fonds sprechen.

 

PZ: Wie sinnvoll sind kurzfristige Anlagen, etwa um die niedrigen Zinsen zu umgehen?

 

Niedermeier: Das ist ein eher trauriges Feld. Festgeld für ein Jahr gibt es nur mit Zinsen unter einem Prozent. Das reicht gerade so, die Inflationsrate auszugleichen.

 

PZ: Wovon würden Sie einem Anleger dringend abraten?

 

Niedermeier: Ich würde Anleger von jedem Investment abraten, das er nicht versteht. Wenn er nicht weiß, was mit seinem Geld passieren kann, dann sollte er die Finger davon lassen.

 

PZ: Was empfehlen Sie einem Kunden, der zu einer riskanteren Geldanlage bereit ist?

 

Niedermeier: Wer risikoaffin ist, der sollte in jedem Fall auf Aktien setzen. Eine andere, eher spekulative Option sind Rohstoffe. Wir erwarten jedoch, dass die Rohstoffpreise eher sinken als steigen und stehen diesem Anlagesegment aktuell skeptisch gegenüber. Man muss auch wissen, dass Rohstoffe ein sehr komplexes Investment sind. Selbst Profis tun sich hier schwer. Bei der Apobank arbeiten wir in diesem Bereich nur mit Fonds.

 

PZ: Was sollte ein Apotheker, der Geld angelegt hat, grundsätzlich beachten?

 

Niedermeier: Es wäre falsch, sich gar nicht für den Markt zu interessieren. Es ist immer sinnvoll, sich regelmäßig zu informieren. Beispiele dafür sind die Krise der chinesischen Wirtschaft und die Leitzinsanhebung der Fed. Solche Entwicklungen beeinflussen die Kurse. Darauf sollte man einen Blick haben.

 

Man sollte auch darüber nachdenken, ob man die gesamte Summe investiert, die man zur Verfügung hat oder nur einen Teil davon. Wenn die Angebote uninteressant sind, kann es eine gute Entscheidung sein, nur einen kleineren Betrag anzulegen und mit dem Rest einzusteigen, wenn der Markt ein bisschen gefallen ist.

 

Grundsätzlich sollten Apotheker und Pharmaziestudenten daran denken, möglichst früh Geld anzulegen. Es müssen ja nicht 100 000 Euro sein. Ein Anfang ist auch dann gemacht, wenn man 50 oder 100 Euro im Monat anlegt, das kann auch in Aktienfonds passieren. Wenn es dann beruflich aufwärtsgeht, lässt sich der Betrag schnell steigern. In 10 bis 15 Jahren kann auf diese Weise eine hübsche Summe entstehen. /

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