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Nobelpreis für alle

06.10.2008
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Nobelpreis für alle

Diese Woche gibt die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften bekannt, wer einen Nobelpreis erhält; die höchste Ehrung, von der ein Wissenschaftler träumen kann. Die ganze Welt schaut nach Stockholm. Doch oft können die wenigsten Menschen etwas mit den geehrten Konzepten anfangen. Praxisrelevant und allgemein verständlich sind dagegen die geehrten Leistungen in der Medizin: Die Laureaten sind drei Virologen, Entdecker des Aids-Virus (HIV) und des humanen Papillomavirus (HPV). Denn wer eine Krankheit im Keim ersticken will, sollte die Ursache kennen - oder den Verursacher.

 

Als Harald zur Hausen vor mehr als 30 Jahren die Vermutung anstellte, Viren könnten Gebärmutterhalskrebs auslösen, wollte ihm zunächst niemand so recht glauben. Beharrlich hielt er an seiner Theorie fest. Zu Beginn der Achtzigerjahre gelang ihm der Beweis: Er fand DNA des HPV Typ 16 in Gewebeproben von Gebärmutterhalskrebspatientinnen. Für seine Entdeckung wird er im Dezember den Nobelpreis für Medizin und Physiologie erhalten. »Seine entscheidende Leistung bestand in unerschütterlichem Glauben und beharrlicher Arbeit, um die eigene Hypothese zu beweisen«, heißt es in der Begründung für die Vergabe der Auszeichnung vom Nobel-Komitee (siehe dazu Medizin-Nobelpreis für Virenforscher). Er teilt sich den Preis mit den französischen Virologen Françoise Barré und Luc Montagnier. Fast zeitgleich mit zur Hausens Entdeckung machten sie das HI-Virus als Verursacher der Immunschwächeerkrankung Aids aus.

 

Die Entdeckung von HPV und HIV vor ziemlich genau einem Vierteljahrhundert war der Startschuss für eine intensive Grundlagenforschung. Und nur mit einem umfassenden Verständnis, wie die Viren in Körperzellen gelangen und sich vermehren, konnten Forscher gezielte und damit wirksame Gegenmittel entwickeln. Dank eines breiten Spektrums antiretroviraler Medikamente lässt sich das HI-Virus immer besser in Schach halten. Ein Impfstoff ist bislang noch nicht in Sicht, doch die Forscher geben nicht auf. Im Fall von HPV steht dagegen seit 2006 eine Impfung zur Verfügung.

 

Zu Recht bekommen dieses Jahr die Forscher, die diese Entwicklung möglich gemacht haben, einen Nobelpreis. Ihre Leistungen retten oder verlängern Millionen Menschen das Leben. Rund 1 Prozent der Weltbevölkerung ist mit HIV infiziert; eine halbe Million Frauen erkrankt jährlich an Gebärmutterhalskrebs. Die Bewohner der Industriestaaten profitieren bereits von diesen Entdeckungen. Den größten Nutzen der HPV-Impfung hätten jedoch Frauen in Entwicklungsländern, denn hier liegt die Gebärmutterhalskrebsrate um das Zehnfache höher. Doch für sie ist der Impfstoff immer noch zu teuer. Der Fortschritt in der Wissenschaft muss allen Menschen zugänglich gemacht werden. Auch zur Hausen will sich dafür einsetzen.

 

 

Daniela Biermann

Redakteurin

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