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Medizin-Nobelpreis für Virenforscher

07.10.2008
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Medizin-Nobelpreis für Virenforscher

Von Daniela Biermann

 

Für die Entdeckung des Aids-Virus und des humanen Papillomavirus erhalten zwei französische sowie ein deutscher Forscher den diesjährigen Nobelpreis für Physiologie und Medizin.

 

Wenige wollten ihm zunächst glauben, als Professor Dr. Harald zur Hausen in den Siebzigerjahren die Theorie aufstellte, Gebärmutterhalskrebs werde durch Viren verursacht. Mehr als zehn Jahre lang suchte er in Krebszellen nach dem Erbgut von Viren. 1983 fand der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg den Beweis: Virus-DNA in Gewebeproben von Krebspatientinnen. Es war Typ 16 des humanen Papillomavirus (HPV). Ein Jahr später gelang es ihm, HPV 16 und 18 zu klonen. Diese beiden Typen verursachen zusammen etwa 70 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs weltweit.

 

Zur Hausen habe anhand von HPV neue Viruseigenschaften demonstriert, die unter anderem zum Verständnis von der durch Viren verursachten Krebsentstehung und einer Schutzimpfung dagegen geführt haben, heißt es in einer Erklärung des Nobelpreis-Komitees. »Seine entscheidende Leistung bestand in unerschütterlichem Glauben und beharrlicher Arbeit, um die eigene Hypothese zu beweisen«, sagte Komiteemitglied Jan Andersson am Montag in Stockholm. Zur Hausen erhält die Hälfte des Preisgelds in Höhe von rund einer Million Euro. Jeweils ein Viertel gehen an Professor Dr. Françoise Barré-Sinoussi von der virologischen Abteilung des Pasteur-Instituts in Paris und Luc Montagnier von der World Foundation for Aids Research and Prevention, ebenfalls Paris.

 

Nachdem 1981 eine neue Immunerkrankung beschrieben wurde, machten sich die beiden französischen Virologen auf die Suche nach der Ursache. In Isolaten der Lymphknotenzellen von Patienten fanden sie zunächst das Enzym Reverse Transkriptase. 1984 isolierten sie erstmals ein humanes Lentivirus: HIV (human immunodeficiency virus) war entdeckt. Das war der Startschuss für die Erforschung des Virus, seines Replikationszyklus und auch seiner Verwundbarkeit. »Niemals zuvor haben Wissenschaft und Medizin so schnell die Ursache einer neuen Krankheitsklasse entdeckt, identifiziert und eine Behandlungsmöglichkeit bereitgestellt«, heißt es in einer Pressemitteilung des Karolinska-Instituts, das die Nobelpreise vergibt. Zwar ist HIV noch nicht besiegt. Etwa 1 Prozent der Weltbevölkerung ist mit dem Virus infiziert. Doch dank antiretroviraler Therapien ist die Lebenserwartung von HIV-Infizierten stark gestiegen.

 

Die Überreichung der Nobelpreise findet am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

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