Pharmazeutische Zeitung online

Westlicher Lebensstil raubt viele gesunde Jahre

04.10.2017
Datenschutz bei der PZ

Von Annette Mende / Durch Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen und die Folgeerkrankungen gehen weltweit jedes Jahr mehrere Hundert Millionen gesunde Lebensjahre verloren.

 

In der größten epidemiologischen Studie zum Gesundheitszustand der Weltbevölkerung hat ein internationales Forschergremium nun ausgerechnet, welches die Hauptkrankheitstreiber sind. Bei Frauen sind es Bluthochdruck, hoher Body-Mass-Index und hoher Blutzucker, bei Männern Rauchen, Bluthochdruck und niedriges Geburtsgewicht. Außer dem Letzten sind das alles beeinflussbare Risikofaktoren, die auf den westlichen Lebensstil zurückzuführen sind.

 

Die Autoren der Global-Burden-of-Disease-Studie um Professor Dr. Emmanuela Gakidou vom Institute for Health Metrics and Evaluation in Seattle zogen für ihre Berechnungen fast 23 000 Datenquellen heran – randomisierte kon­trollierte Studien, Kohorten, Zensusdaten und weitere. Da­raus ermittelten sie für 84 verschiedene verhaltens-, umwelt- und arbeitsbezogene Risikofaktoren sogenannte DALYs (Disability Adjusted Life-Years). Ein DALY entspricht einem in guter Gesundheit verbrachten Lebensjahr, das durch einen bestimmten Faktor verloren geht. Die Maßzahl setzt sich zusammen aus der Summe der durch vorzeitigen Tod verlorenen Lebensjahre und den mit Krankheit oder Behinderung gelebten Jahren.

 

Wie die Forscher im Fachjournal »The Lancet« berichten, war im Jahr 2016 bei Männern das Rauchen für 124,1 Millionen DALYs verantwortlich und systolische Hypertonie für 122,2 Millionen (DOI: 10.1016/S0140-6736(17)32366-8). Bei Frauen gingen im selben Jahr 89,9 Millionen DALYs auf das Konto von Bluthochdruck, 64,8 Millionen auf das von Übergewicht und Adipositas und 63,8 Millionen auf das hoher Blutzuckerspiegel. Die Autoren betonen die große Bedeutung metabolischer Risikofaktoren, die diese mittlerweile auf der ganzen Welt spielen, und mahnen Politiker, dieses Problem stärker in den Blick zu nehmen.

 

Die Deutsche Hochdruckliga (DHL) greift die Ergebnisse der Studie in einer Pressemitteilung auf und verknüpft das mit einer Forderung nach einer Änderung der Krankenkassenfinanzierung. Um einen erhöhten Blutdruck zu senken, reichten oft schon Lebensstiländerungen. Prävention müsse daher für die Krankenkassen attraktiver werden. »Die Hochdruckliga fordert daher, den Risikostrukturausgleich dahingehend zu ändern, dass sich Prävention für die Krankenkassen wieder lohnt«, so der DHL-Vorstandsvorsitzende Professor Dr. Bernhard Krämer. /

Mehr von Avoxa