Pharmazeutische Zeitung online
Pille danach

DrEd kooperiert mit Ordermed

01.10.2013  18:05 Uhr

Von Ev Tebroke / Die Pille danach ist hierzulande ab sofort auch kurzfristig ohne Rezept eines deutschen Arztes in einigen Apotheken erhältlich. Die britische Internet-Praxis DrEd hat eine entsprechende Vereinbarung mit allen Apotheken getroffen, die mit dem Rezeptdienst Ordermed kooperieren. Dies bestätigte ein Sprecher von DrEd.

Ziel sei es, eine schnellere Verfügbarkeit der Pille danach zu gewährleisten als bisher, heißt es bei DrEd. Das Präparat zählt zwar schon länger zum Angebot der Internet-Ärzte. Frauen müssen lediglich einen Fragebogen ausfüllen und eine Gebühr von 25 Euro für eine entsprechende Verordnung zahlen. Bislang erfolgte die Lieferung aber über eine Versandapotheke. Diese zeitliche Verzögerung ist problematisch, da die Pille danach innerhalb von 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden muss.

 

Jetzt soll es deutlich schneller gehen. Hat die Patientin online das Rezept erhalten, faxt es DrEd umgehend an eine Ordermed-Apotheke der Wahl. Dort könne sich die Frau das Medikament dann innerhalb einer Stunde abholen oder direkt nach Hause liefern lassen, so der Sprecher. Gesetzlich sei das Angebot abgesichert, heißt es. Im Rahmen der Notfallversorgung sei es möglich, zunächst eine Kopie des Rezeptes vorzulegen und das Original später nachzureichen.

 

In Deutschland ist die Pille danach bislang nur auf Rezept erhältlich. Zahlreiche Politiker und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte fordern allerdings seit Langem, das Präparat aus der Verschreibungspflicht zu entlassen. Auch die Hauptversammlung der deutschen Apotheker hatte sich auf dem Deutschen Apothekertag für eine Freigabe ausgesprochen. Gleichzeitig soll aber über eine Abgabe in der Apotheke die umfassende Beratung der Patientinnen sichergestellt werden.

 

Das Geschäftsmodell einer virtuellen Internetpraxis stößt hierzulande grundsätzlich auf wenig Gegenliebe. »Es drohen große Risiken, wenn Patienten ohne persönlichen Kontakt zum Arzt ein Arzneimittel verschrieben wird«, hatte CSU-Gesundheitsexperte Johannes Singhammer erst kürzlich gegenüber der PZ gesagt. Auch der Chef der Arzneimittelkommission der deutschen Apotheker, Professor Martin Schulz, ist dagegen, dass Online-Praxen Arzneimittel verschreiben. »Das ist ein Verstoß gegen den medizinischen Standard«, sagte er. /

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