Pharmazeutische Zeitung online
US-Leitlinienentwurf

Primärprävention mit ASS empfohlen

23.09.2015
Datenschutz bei der PZ

Von Ulrike Viegener / Ein Leitlinienentwurf, der im Auftrag des US-Gesundheitsministeriums erarbeitet wurde, empfiehlt Acetylsalicylsäure (ASS) zur Primärprävention von Herzinfarkt und Darmkrebs. Aus Sicht des Expertengremiums ist eine ausgewogene Nutzen-Risiko-Relation mit guter Evidenz belegt.

Die Frage, ob ASS zur kardiovaskulären Primärprävention geeignet erscheint, ist seit Langem ein heißes Eisen. Die Daten zum Nutzen sind bei Weitem nicht so überzeugend wie in der Sekundär­prävention, und hinzu kommt das Risiko zwar seltener, aber schwerer Blutungskomplikationen, das bei gesunden Personen besonders zu Buche schlägt.

 

Bislang wurde die Primärprävention mit ASS deshalb in internationalen Leitlinien übereinstimmend nicht empfohlen. Die Einschätzung der United States Preventive Services Task Force, eines vom Gesundheitsministerium beauftragten Gremiums, ist ein Novum, das weitreichende Konsequenzen haben könnte: Laut dem Leitlinienentwurf ist allen Menschen zwischen 50 und 70 Jahren, bei denen ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko besteht, die Einnahme von niedrig dosierter ASS zu empfehlen. Konkret sehen die Experten eine Indikation für die Primärprävention dann, wenn sich innerhalb von zehn Jahren mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 10 Prozent eine kardiovaskuläre Erkrankung manifestieren wird.

Die Empfehlungen basieren auf elf randomisierten Studien, die zwischen 1988 und 2014 publiziert wurden. Danach lässt sich durch die regelmäßige ASS-Einnahme das Herzinfarktrisiko unterm Strich um 22 Prozent und die Gesamtmortalität um 6 Prozent reduzieren. Dagegen ist hinsichtlich kardiovaskulärer Sterblichkeit und nicht tödlichen Schlaganfällen kein Nutzen nachweisbar.

 

Und das Blutungsrisiko? Zwar ermittelten die Autoren um Dr. Evelyn Whitlock, Seattle, einen Anstieg gastro­intestinaler Blutungen um 58 Prozent und hämorrhagischer Schlaganfälle um 27 Prozent bereits bei sehr niedriger ASS-Dosierung, doch hält das Gremium die Nutzen-Risiko-Relation der Primärprävention für ausgewogen. Bei jüngeren Personen ohne weitere Risikofaktoren wird die Inzidenz ASS-induzierter Blutungen auf zwei pro 1000 Patientenjahre veranschlagt. Bei älteren Menschen steigt das Blutungsrisiko deutlich an, was allerdings im Leitlinienentwurf nur mit allgemeinen Warnhinweisen quittiert wird.

 

Auch in puncto Darmkrebs hält das Expertengremium die Evidenz für so überzeugend, dass es eine Primär­prävention mit ASS empfiehlt. Diese Aussage stützt sich auf Studien, die ursprünglich zur kardiovaskulären Prävention durchgeführt wurden. Demnach lässt sich das Risiko von Darmkrebserkrankungen bei langfristiger Einnahme von ASS um rund 40 Prozent reduzieren. /

 

Quelle:

http://www.uspreventiveservicestaskforce.org/Page/Document/draft-recommendation-statement/aspirin-to-prevent-cardiovascular-disease-and-cancer

Mehr von Avoxa