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Organspende

Apotheken verteilen Ausweise

23.09.2008
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Organspende

Apotheken verteilen Ausweise

Von Uta Grossmann

 

Zwei von drei Menschen wären bereit, nach dem Tod ihre Organe zu spenden, um das Leben anderer zu retten, doch nur jeder Sechste hat einen Ausweis. Die Apotheker unterstützen die Aktion »Leben schenken«, die über Organspenden aufklärt.

 

Peter Hellriegel war 32, als er erfuhr, dass er an der chronischen Leberentzündung PSC (primär sklerosierende Cholangitis) litt. Dass seine drei Töchter ihren Papa noch haben, verdanken sie einem Menschen, der sich bereit erklärt hatte, nach seinem Tod Organe zu spenden. Der 44-Jährige erhielt vor zwei Jahren eine neue Leber.

 

Die Zeit, in der er auf eine geeignete Organspende wartete, beschrieb er als »Leben auf Abruf«. Er habe seine Kinder angesehen und nicht gewusst, ob die Leber rechtzeitig kommt oder ob ihn vorher der Tod ereilt. Am Montag erzählte er in Berlin seine Geschichte und warb damit für die Aktion »Leben schenken«. Die gemeinsame Aktion der Bundesapothekerkammer, des Bundesministeriums für Gesundheit, der Deutschen Stiftung Organtransplantation und des Wort- und Bild-Verlags hat zum Ziel, über Organspenden aufzuklären. Über die Oktober-Ausgaben der Apothekenzeitschriften des Wort- und Bild-Verlags werden zehn Millionen Organspendeausweise in den Apotheken verteilt. Mit den Ausweisen kann man sich für Organspenden aussprechen, die Entnahme auf bestimmte Organe oder Gewebe beschränken oder der Entnahme widersprechen.

 

Eine Umfrage hatte ergeben, dass 68 Prozent der Befragten bereit wären, ihre Organe zu spenden. Allerdings besitzen davon nur 16 Prozent einen Organspendeausweis. Hier setzt die Aktion an.

 

Die Präsidentin der Bundesapothekerkammer, Magdalene Linz, hofft, dass durch das Verteilen der Ausweise eine Million neue Organspender gewonnen werden können. Immerhin, so Linz, besuchten vier Millionen Menschen täglich eine der 21.500 deutschen Apotheken. Der Apotheker als »Heilberufler zum Anfassen« könne hier Aufklärungsarbeit leisten. »Mit viel Fingerspitzengefühl kann er im persönlichen Gespräch über Organspende informieren und dafür werben«, sagte Linz.

 

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) kündigte an, dass die Bereitschaft zur Organspende auf der neuen elektronischen Gesundheitskarte vermerkt werden könne. Sie forderte mehr Transplantationsbeauftragte in Kliniken, um die Zahl der Organspenden zu erhöhen.

 

Wie viele Organspender in den einzelnen Krankenhäusern gemeldet werden, ist sehr unterschiedlich, sagte Dr. Thomas Beck, Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). In den ersten sechs Monaten dieses Jahres sei die Zahl der Spenden im vergleich zu 2007 um 81 auf 586 zurückgegangen. Derzeit warten in Deutschland 12.000 Patienten auf ein lebensrettendes Spenderorgan. Nur 4000 Organe stehen im Jahr für eine Transplantation zur Verfügung. Jeden Tag sterben drei Menschen, weil sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan bekommen haben.

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