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Jubiläum

Leder macht Geschichte

20.09.2017
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Von Ulrike Abel-Wanek, Offenbach am Main / Die Sammlung des Offenbacher Ledermuseums ist weltweit einzigartig. Jetzt zum 100-jährigen Jubiläum präsentiert sich die renommierte Einrichtung nach längerem Dornröschenschlaf zeitgemäß – mit moderner Ausstellungsarchitektur und neuem Konzept.

1912 kaufte der Architekt Hugo Eberhardt in Meran eine mit Leder überzogene Barocktruhe aus dem 16. Jahrhundert und legte damit den Grundstein für ein Museum, in dem es ausschließlich um den Werkstoff Leder gehen sollte. Im März 1917 öffnete das Deutsche Ledermuseum in Offenbach am Main seine Pforten.

Eberhardt war Leiter der dortigen Technischen Lehranstalten, der heutigen Hochschule für Gestaltung, und die Sammlung sollte unter anderem der Ausbildung junger Designer, Handwerker und der in der Main-Stadt zahlreich ansässigen Lederproduzenten dienen.

 

Die Truhe als ältester Ankauf des Museumsgründers bildet zusammen mit dem jüngsten Erwerb des Museums von 2017, einem Spielzeug-­Nashorn mit Ledersattel aus der DDR, einen ­spannungsreichen Bogen über die hundertjährige Sammlungsgeschichte mit heute 30 000 Objekten aus verschiedenen Epochen und allen Teilen der Welt. ­Anhand von vier übergeordneten Themengruppen – die Lederstadt Offenbach, mit Leder leben, Leder macht ­Geschichte und Leder öffnet Welten – ist die Jubiläumsausstellung mit mehr als 130 Exponaten ein exemplarischer Querschnitt durch die Sammlung. Dabei setzt sie auf Dialoge und Querverweise zwischen den Werken, indem Paare oder Gruppen gebildet werden.

In modernen, minimalistisch gestalteten Räumen stehen die Stiefel von Kaiserin Sissi den Brautschuhen ihrer »Intimfeindin« Fürstin Pauline von Metternich gegenüber und geben Einblick in die Intrigen höfischen Lebens am Wiener Hof Mitte des 19. Jahrhunderts. Kinderkleidung und Puppen aus Schwimmhäuten, Fell und Leder der Inuit nehmen den Besucher mit in das gemeinschaftlich organisierte Leben indigener Völker, und Goethes Hutschachtel sowie die Hausschuhe von Ulrike von Levetzow verweisen auf eine berühmte, unerfüllte Liebesgeschichte.

 

»Es gilt, die Objekte zu interpretieren, Leder im zeitgemäßen Kontext zum Sprechen zu bringen, spannende Geschichten rund ums Leder aus aller Welt zu erzählen und dabei sowohl ästhetisches Vergnügen, Unterhaltung und Wissen wie auch kritische Reflexion zu liefern«, so die für die Neukonzeption verantwortliche Museumsdirektorin, Dr. Ines Florschütz. /

Leder. Welt. Geschichte.

100 Jahre Deutsches Ledermuseum

16. September 2017 bis 25. Februar 2018.

Frankfurter Straße 86, 63067 Offenbach am Main

www.ledermuseum.de

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