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NRF

Ersatz für Solutio Acriflavinii

18.09.2006
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NRF

Ersatz für Solutio Acriflavinii

Von Antje Lein

 

Da Acriflaviniummonochlorid und Acriflaviniumdichlorid nicht mehr als Rezeptursubstanzen angeboten werden, können weder die Solutio Acriflavinii SR noch die NRF-Rezeptur Acriflaviniumchlorid-Lösung 0,5 Prozent mit Lidocainhydrochlorid 0,5 Prozent (NRF 7.7.) weiterhin angefertigt werden. Das NRF hat daher eine Ersatzrezeptur erarbeitet.

 

Die Acriflavin-Lösungen der Standardrezepturen der DDR (SR) und des NRF wurden sowohl für Kinder als auch Erwachsene bei schmerzhaften Mundschleimhautentzündungen verordnet. Die Rezepturen vereinten eine antiseptische und lokalanästhetische Wirkung. Als positiven Nebeneffekt schätzte man die Färbung, durch die die punktuelle Auftragung visuell gut überprüft werden konnte.

 

Als Rezeptursubstanz beinhaltete die SR-Rezeptur das Acriflaviniumdichlorid, die NRF-Rezeptur das Acriflaviniummonochlorid. Beide sind nicht mehr als Grundstoffe für die Apothekenrezeptur erhältlich. Grund dafür sind Qualitätsprobleme bei den Ausgangsstoffen. Eine Aussicht auf die Wiederaufnahme in die Sortimentslisten der Grundstofflieferanten besteht nicht.

 

Der NRF-Monographie 7.7. liegt die Vorschrift der Standardrezepturen der DDR zugrunde. Mit der Aufnahme in das NRF waren das stärker sauer reagierende Acriflaviniumdichlorid durch das so genannte »Neutrale Acriflavin«, das Acriflaviniummonochlorid, und zugleich Tetracainhydrochlorid als lokalanästhetische Komponente durch Lidocainhydrochlorid ersetzt worden. Um dieser Vorgängermonographie möglichst nahe zu kommen, sollte eine neue Rezeptur antiseptisch und schmerzlindernd wirken, sich als Mundpinselung eignen, sowie dickflüssig, süß und gefärbt sein.

 

Als Ersatz für Acriflavin eignet sich Ethacridinlactat, das ebenfalls zur Mundantiseptik eingesetzt wird und gleichzeitig stark gefärbt ist. Der einfache Wirkstoffaustausch kommt jedoch nicht infrage. Ethacridinlactat ist mit Chloriden unverträglich. Deshalb kann es nicht mit Lidocainhydrochlorid kombiniert werden. Als Lokalanästhetikum muss die Lidocain-Base verwendet werden. Diese ist jedoch in der glycerolisch-wässrigen Grundlage nicht löslich. Um sie unter Salzbildung in Lösung zu bringen, wird eine verdünnte Essigsäure-Lösung zugesetzt. In Kombination mit wasserfreiem Glycerol erhält man die Trägerlösung der ursprünglichen Monographien, die Glycerol 85 Prozent enthielt. Als Packmittel wird eine Tropfflasche aus Braunglas verwendet, die mit einer Tropfermontur für deutlich viskose Lösungen versehen wird. Zur Applikation soll ein Wattestäbchen mit der Lösung getränkt werden.

 

Ethacridinlactat-Monohydrat-Lösung 0,25 Prozent mit Lidocain 0,5 Prozent wird als Ersatz für die Acriflaviniumchlorid-Lösung 0,5 Prozent mit Lidocainhydrochlorid 0,5 Prozent in diesem Jahr unter der gleichen Ziffer (NRF 7.7.) in das Neue Rezeptur-Formularium aufgenommen.

Ethacridinlactat-Monohydrat-Lösung 0,25% mit Lidocain 0,5%

100 g Zubereitung enthalten:

Ethacridinlactat-Monohydrat 0,25 g

Lidocain (Base) 0,5 g

Essigsäure-Lösung 1% 15,0 g

wasserfreies Glycerol 84,25 g

 

Herstellung: Ethacridinlactat und Lidocain werden unter Erwärmen in Essigsäure-Lösung 1% gelöst. Nach Ergänzung von Verdunstungsverlusten wird mit Wasserfreiem Glycerol aufgefüllt.

 

 

Essigsäure-Lösung 1%

(ist frisch aus konzentrierter Essigsäure herzustellen nach I oder II)

 

I

100 g enthalten:

Essigsäure 99% 1,0 g

gereinigtes Wasser 99,0 g

 

II

100 g enthalten:

Essigsäure 30 Prozent 3,33 g

gereinigtes Wasser 96,67 g

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