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FIP-Kongress

Den Wandel selbst gestalten

02.09.2008  14:17 Uhr

FIP-Kongress

Den Wandel selbst gestalten

Von Hartmut Morck, Basel

 

Rund 3000 Pharmazeuten aus mehr als 80 Ländern versammelten sich in Basel anlässlich des 68. Internationalen Kongresses der Fédération Internationale Pharmaceutique (FIP), um über die notwendigen Änderungen im Beruf und in der Apotheke zu diskutieren. Dass sich etwas ändern muss, darüber war man sich einig. Was und wie, darüber gab es durchaus unterschiedliche Ansichten.

 

Präsident Professor Dr. Kamal K. Midha ging in seiner Eröffnungsrede primär auf die globalen Aufgaben der FIP ein, die mit ihren 119 Mitgliedsorganisationen mehr als 2 Millionen Pharmazeuten weltweit vertritt. Seit dem Kongress in Peking 2007 habe man sich intensiv mit der Findung einer kollektiven Vision befasst, Aktivitäten definiert und Kooperationen gesucht, um schnell und effektiv dem globalen Wandel des Gesundheitswesens in der Praxis und in den Wissenschaften zu begegnen. Die Vision 2020 der FIP lautet »Advancing Pharmacy and Science to be Benefit of the Patient«. Dabei hänge die Gesundheit aller von den Aktivitäten jedes Einzelnen ab.

 

Um diese Vision umzusetzen, wird ein Strategieplan erarbeitet. Dabei sollen die vorhandenen Kooperationen ausgebaut werden. An erster Stelle nannte Midha die WHO und die Unesco, mit denen es schon einige gemeinsame Projekte gibt. Zusätzlich soll die Zusammenarbeit der Wissenschaft und der Praxis forciert werden. Weitere Ziele sind, einen hohen Standard für die Ausbildung und die Ausübung des Berufes zu etablieren und alle Ressourcen für den Erhalt der Gesundheit zu nutzen. Den Pharmazeuten sollte klar sein, dass das Gesundheitssystem immer mehr auf den Patienten fokussiert werden müsse. Da der Erhalt der Gesundheit ein globales Problem sei, werde die FIP sich weltweit an allen Diskussionen beteiligen und sich dafür einsetzen, dass eine ausreichende, kosteneffektive und qualitätsgesicherte Therapie für jeden möglich wird.

 

Was sich in den Apotheken ändern muss, erläuterte Dr. William Zellmer, Vizepräsident der Amerikanischen Gesellschaft für Pharmazeuten im Gesundheitssystem (ASHP). Sein Credo war, der Patient brauche einen schnell handelnden, kompetenten Pharmazeuten, der ihm den effektivsten Gebrauch der Arzneimittel erklärt. Nicht das Betreiben einer Apotheke sei das Wichtigste, sondern die pharmazeutische Kompetenz. Er forderte das Auditorium auf, diese Ansicht zum Selbstverständnis der Apothekerinnen und Apotheker und zu machen. Der größere Anteil klinischer Aufgaben in der pharmazeutischen Arbeit setze eine Veränderung der Ausbildung voraus. Das reine Versorgungsprinzip, das heißt das Vorhalten von Produkten, sollte nach seiner Meinung in den Hintergrund rücken. Leider seien noch zu wenig Apotheker bereit, diesen Wandel zu vollziehen. Jeder, der noch zögert, sollte sich bewusst sein, dass seine logistische Arbeit langsam, aber sicher durch Technik ersetzt werde und man für diesen Bereich weniger gut ausgebildetes Personal einsetzen könne.

 

Der Apotheker müsse lernen zu fragen, welches Arzneimittel der Patient braucht, ob er das richtige bekommt, was der Patient über sein Arzneimittel wissen muss und welche Risiken, sprich Neben- und Wechselwirkungen, auftreten können. Aus Studien lässt sich ableiten, dass durch diese Arbeit des Apothekers Klinikeinweisungen und Nebenwirkungen verhindert werden können. Zellmer forderte von den Kolleginnen und Kollegen mehr Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit. Nur mit dieser Tätigkeit, anderen zu helfen, könnten sich die Pharmazeuten verwirklichen.

 

Diese Aufgabe solle zur moralischen Verpflichtung jedes Einzelnen werden. Nur mit seiner Tradition habe der Beruf keine Zukunft. Auch strukturelle Veränderungen könnten die Defizite nicht ausgleichen. Die Diskussion um den Wandel müsse in der Universität, in den Berufsorganisationen, untereinander und in der Öffentlichkeit geführt werden. Er warnte davor, sich die Zukunft von anderen vorschreiben zu lassen. »Da keiner weiß, wie die Zukunft aussehen wird, sollten wir sie selbst gestalten!«, war Zellmers Abschlussstatement.

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