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Interview

Jetzt die Kräfte bündeln

05.09.2006
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Interview

Jetzt die Kräfte bündeln

Von Thomas Bellartz

 

Die Präsidentin der Bundesapothekerkammer (BAK), Magdalene Linz, ist auch Chefin der niedersächsischen Kammer und Inhaberin einer Apotheke in Hannover. Die PZ sprach mit ihr über die aktuelle Lage und fragte, wie Linz sich diesen Herausforderungen stellen will.

 

PZ: Wie fühlen Sie sich mit Blick auf die gesundheitspolitische Lage?

Linz: Mir geht es nicht anders als den anderen Kolleginnen und Kollegen. Wenn man liest und hört, was sich manche in Politik und Ministerium zum Thema Apotheke haben einfallen lassen, fragt man sich, warum wir so und nicht anders gesehen und behandelt werden. Wir haben viele gute Angebote gemacht, uns in die Reformdiskussion offensiv eingebracht; es ist unverständlich, dass dies negiert wird. Aber es ist der falsche Zeitpunkt, um sich im Selbstmitleid zu suhlen oder gar die Flinte ins Korn zu werfen. Jetzt müssen wir alles dafür tun, dass nicht nur die Menschen, sondern auch diejenigen, die sich für oder gegen uns entscheiden müssen, wissen, welche Werte infrage stehen.

 

PZ: Sie haben in der vergangenen Woche gesagt, Gesundheit sei keine Handelsware. Ist das der zentrale Aspekt?

Linz: Es ist einer von mehreren zentralen Aspekten. Aber er beschreibt genau, worum es jetzt geht. Die Apotheke wird in der öffentlichen Wahrnehmung gleichgesetzt mit den Arzneimittelausgaben. Das ist ebenso fatal wie falsch. Den wahren Wert von Gesundheit lernt man meist erst dann schätzen, wenn man krank ist. Bei all der politischen Kommunikation, die wir jetzt leisten müssen, müssen wir immer und unablässig hinzufügen, welche Werte wir schaffen und welche wir erhalten. Die Apotheke unter rein marktwirtschaftlichen Maßstäben zu beurteilen wäre das Aus für genau diese Werte. Wer wider besseres Wissen anderes behauptet, belügt die Menschen.

 

PZ: Die Bürger glauben nicht an diese Reform. Macht Sie das zuversichtlich?

Linz: Die Ergebnisse der »Stern«-Umfrage zeigen, dass die Bevölkerung den Reformversprechen nicht traut. Es ist eben beileibe nicht so, dass einfach nur alles besser wird, weil es anders wird. Die Bürger haben das längst verstanden und sind der Politik voraus. Und sie fürchten, dass die Regierung nicht mehr zwischen Preis und Wert unterscheidet. Wir müssen die Versicherten und Patienten dabei unterstützen, damit diese Position öffentlich Gehör findet.

 

PZ: Nicht wenige Ihrer Kollegen fordern eine Kampagne gegen die Regierung unter Einbeziehung der Apothekenkunden. Was halten Sie davon?

Linz: Ich kann nachvollziehen, dass viele Kollegen sauer sind über die Art und Weise, wie sie gerade von der Politik überfahren werden sollen. Dagegen müssen wir uns mit allen Mitteln wehren; und das tun wir auch. Allerdings dürfen wir keinesfalls Patienten und Versicherte verunsichern. Es reicht, wenn die Politik das tut. Natürlich haben wir eine hohe Akzeptanz bei Patienten und Kunden - das belegen viele Umfragen. Auch deswegen sollten wir uns an die Seite der Patienten stellen; dann stellen die sich auch auf unsere Seite. Es geht jetzt darum, Verbündete zu finden.

 

PZ: Man hat den Eindruck, diejenigen, die eigentlich nicht nur Marktpartner, sondern Verbündete sein müssten, hielten Abstand.

Linz: Das ist ein Problem, dem wir uns nicht nur stellen sollten, sondern dem wir nachgehen müssen. Ich jedenfalls will wissen, ob Großhändler und Hersteller und all die anderen Partner der Apotheke zu uns stehen oder nicht. Da dürfen wir nicht locker lassen.

 

PZ: Vielleicht will aber der Kunde am Ende doch lieber den Händler und nicht den Fachmann in der Apotheke?

Linz: Nein. Wenn es um unsere Gesundheit geht, dann wollen wir fachlichen Rat, dann wollen Menschen Hilfe und Unterstützung. Kranke Menschen sind ratloser und sorgenvoller als diejenigen, die sich bester Gesundheit erfreuen. Da geht es nicht um Geiz, um das Billigste oder das, was der Apotheker oder der Handelskonzern gerade vorrätig hat, weil er es zu den billigsten Konditionen woher auch immer bezogen hat. Patienten, Kranke brauchen Verlässlichkeit und Sicherheit. Es ist an uns, genau das jetzt stärker als je zuvor zu kommunizieren.

 

PZ: Trotzdem bewegen Sie sich auf einem schmalen Grat: Sie müssen Verständnis zeigen für die Sorgen und Ängste der Kollegen, der Politik ein einigermaßen offener Gesprächspartner sein und zudem die Patienten für ihre Ziele gewinnen. Wie soll das gehen?

Linz: Wir tun seit Wochen nichts anderes und wir wandern auf diesem Grat. Das passt nicht jedem und sogar mir fällt das oft genug schwer. Uns allen ist klar, dass das Gesetz, sollte es auch nur ansatzweise kommen, wie von Teilen der Politik geplant, zu schwersten Verwerfungen bei den Apotheken führen wird. Dagegen müssen wir kämpfen und unsere Kräfte und unser Engagement bündeln. Wir tun das; dass wir immer noch besser werden können, versteht sich von selbst.

 

Die Bundesapothekerkammer kann diese Aufgabe aber ebenso wenig alleine stemmen wie der Deutsche Apothekerverband oder die ABDA. Auch die einzelnen Landesorganisationen und jede Apotheke für sich wird nichts ändern können. Auch wenn es überholt klingt: Wir können das Ruder nur gemeinsam herumreißen, wenn wir gemeinsam für Werte und Überzeugungen einstehen. Eine andere Chance sehe ich nicht.

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