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Bildungsferne Familien

Kinder häufiger krank

29.08.2018
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Von Anna Pannen, Berlin / Kinder von Eltern mit niedrigem Bildungsstatus leiden sehr viel häufiger an bestimmten Erkrankungen als ihre Altersgenossen. Das ist das Ergebnis des DAK Kinder- und Jugendreports 2018, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

Kinder aus bildungsfernen Familien erkranken auffallend oft an Karies, Übergewicht oder Sprachproblemen. Das hat die DAK für ihren jährlichen Kinder- und Jugendreport ermittelt. Die Krankenkasse wertete dafür die Versichertendaten von 600 000 Kindern und 430 000 Eltern aus.

Dabei kam heraus: Kinder von Eltern ohne abgeschlossene Ausbildung haben sehr viel häufiger Adipositas als Kinder aus gut gebildeten Elternhäusern. Von 1000 Kindern bildungsarmer Eltern sind 52 adipös. Bei Akademiker-Eltern sind es nur 15. Die Prävalenz ist für die Kinder bildungsarmer Familien also um 247 Prozent erhöht. Bei Karies sind es sogar 278 Prozent, bei Entwicklungsstörungen – etwa Sprachstörungen – immerhin 45 Prozent. Ebenso leiden Kinder aus bildungsfernen Familien um 45 Prozent häufiger an Verhaltensstörungen, um 34 Prozent häufiger an Allergien und um 31 Prozent häufiger an Asthma.

 

»Die gesundheitliche Ungleichheit zwischen den Familien ist größer als gedacht«, sagte DAK-Chef Andreas Storm. »Die Diagnose der Kinder hängt oft mit dem Lebensstil von Mutter oder Vater zusammen.« Kinder von Eltern ohne Bildungsabschluss bekommen auch 43 Prozent mehr Arzneimittel verschrieben und sind 68 Prozent häufiger im Krankenhaus. Dafür suchen sie seltener Fachärzte auf. Auch das Einkommen der Familien hat auf diese Faktoren Einfluss – wenn auch nicht so stark wie der Bildungsgrad. Insgesamt gab die DAK 2016 rund 527 Millionen Euro für die Behandlung von Kindern aus. 21 Prozent davon entfielen auf Arzneimittelkosten, 15 Prozent auf Heil- und Hilfsmittel.

 

»Unselige Allianz«

 

Für den Verband der Kinder- und Jugendärzte sind die Ergebnisse des Reports nicht überraschend. »Wir erleben die unselige Allianz zwischen Bildungsarmut und Krankheitslast täglich in unseren Praxen«, sagte Verbandspräsident Thomas Fischbach in Berlin. Er forderte eine Bildungsoffensive, die das Thema Gesundheit in Kitas und Schulen bringt. /

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