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Tatenlos zugesehen

22.08.2018
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Um die Arzneimittelversorgung in Deutschland müssen sich die Apotheker immer mehr Sorgen machen. Der Skandal mit verunreinigtem Valsartan zieht immer noch weite Kreise. Es hat den Anschein, dass hier nicht überall mit der notwendigen Gewissenhaftigkeit gearbeitet wird. Zweite Baustelle: Die Lunapharm-Affäre. Auch hier geben die Behörden und Politiker kein ­gutes Bild ab. Von der vollständigen Aufklärung sind sie offenbar noch ein gutes Stück entfernt.

 

Die aktuellen Verwerfungen in der Arzneimittelversorgung sind nicht akzeptabel. Die Verunsicherung der Patienten ist groß. Dafür gibt es Gründe: Zum einen geht es um die Machenschaften Krimineller, zum anderen um mutmaßliche Fehler der handelnden Personen und eine Ministerin, die an ihrem Amt hängt. Es wäre aber falsch, nun einzelnen Personen die Schuld für dieses Desaster zu geben.

 

Zumindest eine Mitschuld haben diejenigen, die seit Jahren die Arzneimittelpreise immer weiter nach unten drücken. Die Politik und die Krankenkassen haben zu lange tatenlos zugesehen, wie hochwirksame Arzneimittel zum Vorteil der Krankenkassen verramscht werden. Es braucht wenig Fantasie für die Erkenntnis, dass diese Entwicklung keine Maßnahme pro Arzneimittelsicherheit ist. Wir geben nonchalant fünfstellige Summen für sichere Autos aus, bei Arzneimitteln sollen uns Centbeträge eine ausreichende ­Sicherheit und Wirksamkeit garantieren. Das kann nicht sein.

 

Es ist kein Wunder, dass die Verfügbarkeit von Arzneimitteln abnimmt. Es ist bedenklich, dass mittlerweile selbst Arzneimittel wie zuletzt Ibuprofen nicht immer verfügbar sind. Wenn es immer häufiger Medikamente gibt, die weltweit von nur ein oder zwei Herstellern produziert werden, dann sind Lieferausfälle unvermeidlich.

 

Viele Apotheker sind jetzt allerdings immer weniger dazu bereit, für Dritte die Kohlen aus dem Feuer zu holen. Zum Beispiel der Apotheker Christian Redmann, der im Frühjahr mit seiner Petition gegen das Rx-Versandverbot den Startschuss gegeben hatte, sich einzumischen. Sein Ziel war ambitioniert. 50 000 Stimmen braucht Redmann, damit sich der Petitionsausschuss des Bundestags mit seinem Anliegen beschäftigt. Ebenfalls mit einer Online-Petition will Apothekerin Gabriele Röscheisen-Pfeifer die Importquote abschaffen. Rund 600 Unterschriften hat die niedersächsische Apothekerin bereits eingesammelt. Auch sie braucht mindestens 50 000 Unterschriften. Wie Redmann wird es auch Röscheisen-Pfeifer schwer haben, ausreichend Mitstreiter zu mobilisieren.

 

Daniel Rücker

Chefredakteur

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