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Diabetes

Länger leben mit Disease Management

19.08.2008  13:07 Uhr

Diabetes

Länger leben mit Disease Management

Von Bettina Sauer, Berlin

 

Für Typ-2-Diabetiker scheint sich die Teilnahme an einem Disease-Management-Programm in einer höheren Lebenserwartung auszuzahlen. Darauf deuten Ergebnisse einer Langzeitstudie hin.

 

Um die Vorsorgung chronisch kranker Patienten zu verbessern, wurden im Jahr 2003 deutschlandweite strukturierte Behandlungsprogramme eingeführt. An solchen Disease-Management-Programmen (DMP) nehmen inzwischen etwa 4,6 Millionen Versicherte teil, davon rund 2,7 Millionen Typ-2-Diabetiker. Im Zuge des Programms bekommen sie eine leitliniengerechte Therapie, Schulungen, regelmäßige haus- und fachärztliche Untersuchungen und damit auch eine Dokumentation des Krankheitsverlaufes. Dieses Maßnahmenpaket scheint sich auszuzahlen, und zwar durch eine höhere Lebenserwartung.

 

Darauf deuten erste Ergebnisse der noch unveröffentlichten Studie ELSID (»Evaluation of an Large Scale Implementation of Diesease Managemment Programmes – Diabetes Mellitus«) hin. Studienleiter Professor Dr. Joachim Szecsenyi vom Universitätsklinikum Heidelberg stellte sie vergangene Woche auf einer Pressekonferenz in Berlin vor. »Über zweieinhalb Jahre haben wir anhand von Krankenkassendaten, ärztlichen Dokumentationsbögen und Patientenbefragungen die Krankheitsverläufe von älteren AOK-Versicherten mit Typ-2-Diabetes verfolgt«, sagte er. »Alle befanden sich bei Hausärzten in Rheinland-Pfalz oder Sachsen-Anhalt in Behandlung und bekamen antidiabetische Medikamente.« 2300 von ihnen nahmen an einem DMP für Typ-2-Diabetiker teil. Weitere 8779 Patienten dienten als Kontrollgruppe. Von diesen lebten nach dem Beobachtungszeitraum noch rund 81 Prozent, von den DMP-Teilnehmern dagegen noch rund 90 Prozent. »Allerdings waren Letztere mit einem Durchschnittsalter von 70,5 Jahren rund 2,3 Jahre jünger als die Vergleichsgruppe«, schränkte Szecsenyi ein. »Doch bestätigen Zusatzanalysen, bei denen wir gleichaltrige Patienten verglichen haben, einen zwar geringeren, aber deutlichen Unterschied der Sterblichkeitsraten.«

 

Auch einige ausländische Untersuchungen sprächen für einen gesundheitlichen Nutzen der DMP für Diabetiker. Ferner veröffentlichten Wissenschaftler der Barmer Ersatzkasse 2007 im Fachjournal »Diabetes, Stoffwechsel und Herz« eine Studie, der zufolge DMP-Teilnehmer deutlich weniger diabetesbedingte Folgeschäden, namentlich Schlaganfälle und Amputationen, erleiden als Nichtteilnehmer. Und auch subjektiv scheinen sich die Patienten im DMP besser versorgt zu fühlen. Das belegt eine Fragebogenerhebung an ELSID-Teilnehmern, die Szecsenyi und Kollegen im Juni im Fachjournal »Diabetes Care« veröffentlichten. »Ins DMP eingeschriebene Patienten gaben zum Beispiel an, ihren Behandlungsplan aktiv mitzugestalten, Informationen im Umgang mit der Erkrankung zu bekommen und sich konkrete Ziele in Bezug auf ihr Essverhalten und ihre sportlichen Aktivitäten zu setzen«, sagte Szecsenyi. »Das DMP scheint also auch die Eigeninitiative der Patienten im Umgang mit ihrer Erkrankung zu stärken.«

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