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Preisfragen

16.08.2007
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Preisfragen

Die Allgemeine Ortskrankenkasse Baden-Württemberg feiert die Rabattverträge der AOKen mit den Arzneimittelherstellern als Erfolg und verhandelt die zweite Vertragsrunde. Das oberste Ziel des Bundesgesundheitsministeriums, die Kassen zu entlasten, scheint erreicht zu werden. Doch im Lärm des Applauses, den die Initiatoren und Profiteure der Rabattverträge dem vermeintlich gelungenen Sparmodell zollen, gehen die Stimmen der Patienten unter. Dabei sind sie diejenigen, für die das Gesundheitssystem da ist.

 

Die Auswirkungen der Rabattverträge treffen besonders alte Menschen und chronisch Kranke, die auf die regelmäßige Einnahme von Medikamenten angewiesen sind. Meistens haben sie sich an bestimmte Präparate gewöhnt und reagieren verunsichert und misstrauisch, wenn ihnen der Arzt plötzlich ein anderes verordnet. Für zusätzliche Verwirrung kann die Aut-idem-Regelung sorgen. Ist das verordnete Medikament nicht lieferbar, gibt der Apotheker eines der drei preisgünstigsten wirkstoffgleichen Substitute ab.

 

Allerdings können die Hersteller die Arzneimittelpreise zweimal monatlich ändern, so dass immer wieder andere Präparate als Substitute in Frage kommen. Konfrontiert mit ständig wechselnden Medikamenten, verweigern nicht wenige Patienten die Einnahme gleich ganz. Die Apotheker tun ihr Bestes, um aufzuklären. Dennoch will vielen Patienten nicht einleuchten, warum sie ihr gewohntes Arzneimittel nicht mehr bekommen, selbst wenn sie bereit wären, die Differenz zum höheren Preis aus eigener Tasche zu bezahlen. Unmut und Vertrauensverlust sind die Folge. Die Deutsche Gesellschaft für Versicherte und Patienten hat auf das Risiko hingewiesen, dass ein »Medikamentenhopping« mit immer neuen, weil gerade besonders billigen Substituten die Gefahr von Fehlmedikationen deutlich erhöht &#8211 mit ernsten gesundheitlichen Auswirkungen für die Patienten. (Mehr zum Thema finden Sie hier.)

 

Eine einseitig aufs Sparen fixierte Gesundheitspolitik zahlt sich nicht aus. Dabei gäbe es mit der Zielpreisvereinbarung eine klügere Alternative, die ebenfalls Geld spart, aber gleichzeitig pharmazeutische Gesichtspunkte, also das Patientenwohl, stärker berücksichtigt. Die Lagerhaltung würde vereinfacht, die Flexibilität bei der Präparateauswahl erhöht. Der Apotheker könnte sich wieder auf das konzentrieren, was seinen Heilberuf ausmacht.

 

 

Dr. Uta Grossmann

Ressortleitung Wirtschaft

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