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Präeklampsie

Blutwäsche filtert toxisches Protein

16.08.2011
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Von Daniela Biermann / Ein neues Blutwäsche-Verfahren schützt Mutter und Kind vor den Gefahren einer Schwangerschaftshypertonie, der Präeklampsie. Es filtert ein schädliches Protein aus dem Blut der Mutter und zögert darüber den Geburtstermin hinaus.

Bei der Präeklampsie kommt es aus noch ungeklärten Gründen bei der Schwangeren zu Bluthochdruck, Protein­urie und Ödemen. Dies kann bei der Mutter zu lebensgefährlichen Blutdruckentgleisungen, Nieren- und Leber­versagen, Hirnschwellungen und Schlaganfällen führen. Die einzige The­rapiemöglichkeit besteht momentan darin, das Kind vor der 32. Schwangerschaftswoche auf die Welt zu bringen – mit entsprechenden Risiken für das Baby.

In einer Pilotstudie mit acht Frauen konnten jetzt deutsche und US-amerikanische Wissenschaftler die Geburt mithilfe einer Apherese um bis zu 23 Tage hinauszögern – ohne den Fetus zu schädigen. Dabei filterten die Mediziner das lösliche Protein fms-like Tyrosinkinase 1 (s-Flt1) aus dem Blut der Schwangeren. Da die Plazenta es nachbildet, mussten die Schwangeren drei- bis viermal an die Blutwäsche. s-Flt1 ist eine Spleißvariante des vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor-Rezeptor 1. Es fängt den Wachstumsfaktor ab und hemmt so die Neubildung von Blutgefäßen.

 

In der Pilotstudie zeigten die Wissenschaftler lediglich, dass ihr Konzept grundsätzlich funktioniert. Ob es sich für alle Frauen mit Präeklampsie eignet und risikoarm ist, müssen größere Studien zeigen. 5 bis 7 Prozent aller Frauen sind im letzten Drittel der Schwangerschaft von Präeklampsie betroffen. Die Wissenschaftler von den Unikliniken Leipzig und Köln sowie der Harvard Medical School in Boston veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachjournal »Circulation« (doi: 10.1161/CIRCULATION AHA.111.034793). /

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