Pharmazeutische Zeitung online

Schlank dank Spritze

07.08.2006  12:04 Uhr

Schlank dank Spritze

Von Sven Siebenand

 

Eine Vakzine gegen Adipositas hat das Team um Professor Dr. Kim D. Janda vom Scripps-Forschungsinstitut in La Jolla, Kalifornien, erfolgreich an Ratten getestet. Wie die Wissenschaftler in der Online-Ausgabe des Fachmagzins »Proceedings of the National Academy of Sciences« mitteilen, hemmt der Impfstoff das körpereigene Hormon Ghrelin, das den Fettabbau im Körper bremst.

 

Zwei Impfstoff-Prototypen führten bei erwachsenen männlichen Ratten zur Bildung von Antikörpern gegen die aktive Form des Peptidhormons, wodurch die Wirkung von Ghrelin unterdrückt wurde. Die geimpften Tiere aßen das Gleiche, nahmen aber weniger zu als ungeimpfte Versuchstiere. Gefüttert wurden die Nager mit einer kalorien- und fettarmen Kost. Ob die aktive Immunisierung gegen Ghrelin auch dann hilft, wenn die Nahrung fettreicher ist oder Adipositas bereits besteht, bleibt vorerst ungeklärt, so die Wissenschaftler.

 

Da das Hormon auch im humanen Stoffwechsel aktiv ist, könnte die Impfung gegen Ghrelin auch beim Menschen helfen. Das Hormon wird in der Magenschleimhaut gebildet. Um einen Einfluss auf Appetit und Gewicht zu haben, muss es zunächst aus der Blutbahn ins Gehirn gelangen. Im Hypothalamus reguliert es den Energiestoffwechsel mit, indem es unter anderem Hunger signalisiert und die Energiespeicherung in Form von Fett steuert.

 

Professor Dr. Eric Zorrilla, einer der Autoren der Studie, erklärt, dass der Körper bei einer Diät die Ghrelin-Produktion steigert. Dadurch wird der Fettabbau gebremst und Hungergefühle kommen auf. Der Impfstoff könnte den Jo-Jo-Effekt verhindern beziehungsweise deutlich reduzieren, so Zorrilla.

 

Nicht nur das Scripps-Institut forscht an Ghrelin-Impfstoffen. In einer kombinierten Phase-I/II-Studie mit 112 übergewichtigen Probanden testet das schweizerische Biotechnologieunternehmen Cytos derzeit einen weiteren Ghrelin-basierten Impfstoff. Auch dieser führt zur Bildung von Antikörpern, die die Aufnahme von Ghrelin ins Gehirn hemmen.

Mehr von Avoxa