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Selbstbewusster

27.07.2007
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Selbstbewusster

Aus Sicht anderer Nationen neigen wir Deutschen dazu, wenig selbstbewusst mit uns selbst, unseren Errungenschaften, unseren Perspektiven umzugehen. Dabei hätten wir allen Grund dazu, selbstbewusst zu sein. Ein gutes Beispiel waren die Reaktionen der amerikanischen Experten auf die Vorträge von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. (PZ 30/2007)

 

Bei einer Delegationsreise in den USA heimste sie viel Lob ein für das deutsche Gesundheitswesen, für dessen Leistungsfähigkeit, für die Art und Weise der Finanzierung und sogar für die Regulierungen. Der Hintergrund ist einfach: Das amerikanische Gesundheitssystem ist zwar weitestgehend wettbewerblich organisiert. Doch die Auswirkungen bekommen Millionen Menschen täglich zu spüren. Und auch die Unternehmen, die innerhalb dieses Systems Gewinne erwirtschaften müssen.

 

Die Gesundheitspolitik wird erneut zum Wahlkampfthema und das hat seinen Grund: Das amerikanische Gesundheitssystem ist das weltweit teuerste &#8211 und zwar mit riesigem Abstand auch zu unserem System. Krankenhausaufenthalte sind für Millionen unversicherte Amerikaner und auch für viele Versicherte nicht finanzierbar. Faktisch sind sie von den Errungenschaften der Wissenschaft ausgeschlossen, sie werden schlechter versorgt als eigentlich möglich. Schon heute gibt es einen Gesundheitstourismus nach Indien, Mexiko oder Europa. Denn bei uns sind die Leistungen mindestens ebenso gut, die Preise aber bezahlbar. Das deutsche Gesundheitssystem ist aber nicht nur preiswerter, es ist auch menschenwürdig.

 

Bei den Apotheken und beim Arzneimittel zeigt das amerikanische System fatale Schwächen. OTC-Arzneimittel sind Massenware, Menschen konsumieren sie zuweilen wahllos und auch hilflos. Viele haben parallel zu dieser Erfahrung nicht das Geld für innovative Arzneimittel. Wer in Deutschland die Liberalisierung des Arzneimittelmarktes will, macht seine Rechnung ohne den Patienten. Während die Mehrwertsteuer mit immerhin vier Milliarden Euro in diesem Jahr das Honorar der Apotheken weit übersteigen dürfte, diskutieren wir Systemänderungen ohne jegliche Folgenabschätzung. Das ist fahrlässig und falsch.

 

Da wird Patienten vorgegaukelt, neue Symbole sprächen für geringere Preise, Modernität und manches mehr. Wir sollten aber nicht die gleichen Fehler begehen, die andere vor uns gemacht haben, sondern aus deren Fehlern lernen. Das bedeutet: Beibehaltung der hochwertigen Arzneiversorgung durch unabhängige Apotheken. Leistungs- und Qualitätswettbewerb für den Patienten. Wir müssen selbstbewusst für ein wirklich gutes System einstehen; wir haben allen Grund dazu.

 

 

Heinz-Günter Wolf

Präsident der ABDA &#8211 Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände

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