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Forschungsförderung

Schneller vom Labor in die Apotheke

31.07.2007
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Forschungsförderung

Schneller vom Labor in die Apotheke

Von Bettina Sauer 

 

Die Bundesregierung will die Pharmaforschung bis 2011 mit zusätzlichen 800 Millionen Euro fördern. Das Geld soll insbesondere der Entwicklung biopharmazeutischer Präparate zugute kommen.

 

Es gelte, einen guten Ruf zurückzuerobern, sagte Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) in Berlin: »Deutschland war die Apotheke der Welt. Doch dieser Satz trifft nicht mehr zu.« Sie stützt sich auf einen Bericht der Europäischen Kommission. Ihm zufolge haben deutsche Pharmaunternehmen im Jahr 2005 lediglich sechs von 140 neu zugelassenen Wirkstoffen entwickelt.

 

Die Ministerin will deshalb die Pharmaforschung gezielter fördern, strukturell verändern und dabei den Schwerpunkt auf die Entwicklung biopharmazeutischer Arzneimittel legen. Mehr als 800 Millionen Euro sollen bis 2011 zusätzlich in diesen Bereich fließen, unter anderem in die Stärkung des Biotechnologie-Mittelstandes, die Grundlagen- und die klinische Forschung. Das entspricht einer Verdoppelung der derzeitigen Förderung. Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie und der Verband Forschender Arzneimittelhersteller begrüßten die Initiative als Stärkung des Pharmastandortes Deutschland.

 

Biopharmazeutische Medikamente werden mithilfe von Säugetierzellen, Bakterien oder Pilzen hergestellt. Teils liefern ihnen gentechnisch veränderte Erbinformationen den Bauplan für die gewünschten Produkte. 1976 entstanden die ersten Biotechnologie-Firmen, 1982 erhielt mit dem rekombinanten Humaninsulin das erste gentechnisch hergestellte Medikament die Zulassung. Zahlreiche Biopharmazeutika folgten, darunter viele monoklonale Antikörper und Impfstoffe. Einer Analyse der Unternehmensberatungsfirma Boston Consulting Group machten sie 2006 knapp ein Drittel der Neuzulassungen in Deutschland aus. Im selben Jahr erzielten sie rund 12 Prozent (3,1 Milliarden Euro) des pharmazeutischen Gesamtumsatzes.

 

»Mittlerweile weist Deutschland mit etwa 500 Firmen europaweit die größte Zahl an Biotechnologie-Unternehmen auf«, sagte Schavan. »Auch fehlt es uns nicht an kreativer Forschung für innovative Produkte. Doch mangelt es den Akteuren in diesem jungen Markt noch an Strategien zur Vernetzung.« So kooperierten Forschungsinstitute oder kleine Biotechnologie-Unternehmen immer noch zu selten mit etablierten Pharmaunternehmen. Oft erfolge die Umsetzung eines vielversprechenden Laborergebnisses zum biopharmazeutischen Medikament im Ausland oder sie dauere viel zu lang.

 

Intelligente Strategien gesucht

 

Deshalb startete das Bundesforschungsministerium »BioPharma«, einen »Strategiewettbewerb für die  Medizin der Zukunft«. Bis Januar 2008 können Zusammenschlüsse von Forschern und Unternehmen Ideenskizzen einreichen, die die ganze Wertschöpfungskette eines neuartigen biopharmazeutischen Wirkstoffes berücksichtigen. »Wir suchen intelligente Strategien von der Grundlagenforschung über die Konzeption klinischer Studien bis hin zur Vermarktung«, sagte der Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Pharmakologe Professor Dr. Günter Stock. In einem zweistufigen Verfahren sollen die besten Konzepte in den nächsten fünf Jahren insgesamt mit 100 Millionen Euro gefördert werden.

 

»Wir betrachten den Wettbewerb als Startpunkt eines Dialogs zwischen Wissenschaftlern, Biotech-Unternehmen, Pharmaindustrie, Zulassungsbehörden und Kostenträgern«, sagte Schavan. »Die Fördergelder sollen den biotechnologischen Mittelstand stärken und Universitäts-Institute oder Ausgründungen mit wenig Kapital bei der Entwicklung neuer Produkte unterstützen«, sagte Stock. »Wir möchten, dass aus kreativen Forschungsideen nicht nur Veröffentlichungen in »Science« erwachsen, sondern marktkräftige und exportfähige Medikamente.«

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