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Pubertät bei Mädchen

Hormone in Aufruhr

24.07.2018
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Von Kathrin Steffen / Die Pubertät ist eine aufregende Zeit, denn die hormonellen Umstellungen verändern Körper und Seele. Nach der ersten Monatsblutung leiden viele Mädchen an unregelmäßigen oder schmerzhaften Blutungen. Welche Störungen sind noch normal, welche behandlungsbedürftig? Auch die Verhütung ist für viele Jugendliche ein großes Thema.

Die Pubertät markiert für ein Mädchen den Beginn einer neuen Lebensphase. Es handelt sich um den Übergang vom Kind zur Frau und den Beginn des fruchtbaren Alters. Diese Entwicklungsphase geht mit zahlreichen körperlichen und emotionalen Veränderungen einher. Zu Beginn der Pubertät stehen die körperlichen ­Entwicklungen im Vordergrund. Zum Ende der Pubertät, wenn die Geschlechtsreife erreicht ist, müssen sich die neuen hormonellen Bedingungen oft noch einpendeln. Erste Beziehungen oder die Aufnahme sexueller Ak­tivität bringen emotionale Heraus­forderungen mit sich. Bei vielen neu aufkommenden Themen wie Zyklus­störungen, Menstruationsbeschwerden oder Verhütung sind neben ­Frauenärzten auch Apotheker erste Ansprechpartner für die Jugendlichen.

Wann beginnt die Pubertät?

 

Die Pubertät wird eingeleitet durch eine rhythmische Ausschüttung eines speziellen Hormons des Hypothalamus, dem Gonadotropin Releasing Hormone (GnRH). Dem geht eine Kaskade an Informationen voraus. Wichtige ­Voraussetzung ist zum Beispiel ein Mindestmaß an Fettgewebe, da im Fettgewebe produzierte Botenstoffe ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Pubertätsinduktion spielen. GnRH regt die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) zur Produktion von Steuerungshormonen wie LH und FSH an, die wiederum im Eierstock den Beginn der Sekretion der Geschlechtshormone (Estrogen, dann auch Progesteron) auslösen.

 

Der zeitliche Beginn ist individuell unterschiedlich. Jedoch folgt die Pubertätsentwicklung einem zeitlich gut ­bekannten Muster, anhand dessen man zwischen konstitutionellen Entwicklungsverzögerungen und echten Störungen bei der Geschlechtsentwicklung unterscheiden kann. Die Pubarche, das heißt der Beginn der Schambehaarung, und die Thelarche, der Beginn der Brustentwicklung, gehen der ersten Regelblutung um ungefähr zwei Jahre voraus. Ungefähr ein Jahr vor der ersten Regelblutung kommt es zum Wachstumsschub beziehungsweise zur größten Geschwindigkeit im Längenwachstum.

 

Das durchschnittliche Alter bei der ersten Regelblutung (Menarche) liegt in Deutschland bei 12,8 Jahren. 90 Prozent aller 14-jährigen Mädchen hatten bereits eine Regelblutung (1).

 

Hat das Mädchen bis zum Ende des 16.  Lebensjahrs noch keine Menarche gehabt, ist die Geschlechtsentwicklung als auffällig zu beurteilen. Man spricht dann von einer primären Amenorrhoe (Ausbleiben der Regelblutung, ohne dass sie zuvor schon einmal statt­gefunden hat) oder Pubertas tarda, ­einer verspäteten Pubertätsentwicklung. Beginnt die Pubertät vor dem achten Lebensjahr, wird dies als Pubertas praecox bezeichnet.

 

Abweichungen beurteilen

 

Nicht bei jeder späten Pubertätsentwicklung handelt es sich um ein krankhaftes Geschehen, das einer Interven­tion bedarf. Das Apothekenteam kann hier beruhigen: Hatte auch die Mutter oder die ältere Schwester sehr spät ihre erste Blutung, ist die Entwicklungsverzögerung sehr wahrscheinlich familiär bedingt.

 

Hat die Thelarche schon vor mehr als zwei Jahren eingesetzt, aber eine Regelblutung bleibt aus, ist der Entwicklungsverlauf vermutlich gestört. Eine erste körperliche Untersuchung zur Beurteilung von Größe, Gewicht und der genauen Entwicklungssitua­tion des Mädchens sowie die Bestimmung einzelner Hormonwerte im Blut sind dann die nächsten diagnostischen Schritte. Eine gynäkologische Untersuchung ist bei diesem ersten Kontakt nicht zwingend erforderlich.

 

Anhand der Hormonwerte kann der Arzt beurteilen, ob die hypothalamisch-hypophysäre-ovarielle Achse bereits aktiviert ist oder ob möglicherweise relevante Störfaktoren vorliegen, die die (weitere) Entwicklung beeinträchtigen. Dies können zum Beispiel eine zu starke Produktion von männlichen Hormonen (Hyperandrogenämie) oder von Prolaktin (Hyper­prolaktin­ämie) oder eine ausgeprägte Störung der Schilddrüse sein.

 

Auch nach Fehl­bildungen sollte gefahndet werden. Je nach Situation kann es ­erforderlich sein, dass chromoso­male Störungen ausgeschlossen werden müssen (2).

 

Gewicht beeinflusst ­Menarche

Das Gewicht spielt eine wichtige Rolle bei der Pubertätsinduktion, vor allem die in Adipozyten synthetisierten Hormone wie Leptin, aber auch Insulin aus der Bauchspeicheldrüse. Übergewichtige Mädchen haben oft in jüngerem Alter ihre Menarche. Der gute und zunehmend zu gute ­Ernährungszustand scheint der wesent­liche Faktor dafür zu sein, dass das Durchschnittsalter bei der Menarche im vergangenen Jahrhundert stetig ­gesunken ist. In den letzten Jahrzehnten ist allerdings nur noch eine geringe Veränderung des sogenannten »Menarche-Alters« zu verzeichnen.

 

Andererseits führt ein niedriges ­Gewicht, insbesondere Untergewicht dazu, dass die Menarche später eintritt. Daher können unter anderem Essstörungen, die zum Teil mit Untergewicht einhergehen und gerade bei Mädchen zwischen elf und 17 Jahren verbreitet sind, eine Rolle spielen (3).

 

Aufmerksam sollte man also werden, wenn es bereits Anzeichen für eine Pubertätsentwicklung gab, zum Beispiel das Wachstum der Brust und der Sekundärbehaarung (Achsel, Schambereich), und der Wachstumsschub stattgefunden hat, dann aber keine Menarche eintritt. Diese Mädchen sollten zur weiteren Abklärung zum Frauenarzt gehen.

 

Blutungsstörungen: Was ist noch normal?

 

Nach der ersten Regelblutung haben nur wenige Mädchen sofort regelmäßige Blutungen. Oft ist ein mehrjähriger »Reifungsprozess« in der Kommunikation zwischen Hypothalamus, Hypophyse und Eierstock notwendig, bis sich regelmäßige Zyklen etablieren. In den ersten beiden Jahren nach der ­Menarche sind Zyklusunregelmäßig­keiten daher häufig und in der Regel nicht therapiebedürftig.

 

Auch ein anovulatorischer Zyklus, also ein Menstruationszyklus ohne ­Eisprung, ist in den ersten Jahren nach der Menarche nicht ungewöhnlich. ­Ungefähr zwei Drittel der Zyklen verlaufen bei Teenagern zunächst ohne Eisprung (4). Dies erklärt auch die bei jungen Frauen häufigen Blutungsstörungen. Bei anovulatorischen Zyklen wird nämlich nur Estrogen produziert, das zum Aufbau der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) führt. Da aber nur nach einem Eisprung Progesteron gebildet wird, das zur Umwandlung des Endometriums benötigt wird, kommt es bei ausbleibendem Eisprung zu einer andauernden Estrogen-Exposition ohne den transformierenden ­Effekt von Progesteron. Durch Abschilferung der obersten Endometriumschichten entstehen dann sogenannte Durchbruchblutungen.

Kombinierte orale Kontrazeptiva – wann nicht

Bei der Verordnung kombinierter Kontra­zeptiva ist eine Reihe von Kontra­indi­kationen zu beachten.

Dazu zählen:

  • tiefe Venenthrombose oder Lungenarterienembolie in der Vorgeschichte,
  • bekannte Gerinnungsstörung,
  • Migräne mit Aura,
  • Diabetes-Erkrankung mit ­Gefäßschädigung,
  • deutlich erhöhte Blutdruckwerte und deutlich erhöhte Blutfettwerte.

 

Relative Kontraindikationen sind:

  • Alter über 35 Jahre,
  • Übergewicht: BMI > 30 mg/kg2,
  • Nikotinabusus, insbesondere mehr als 15 Zigaretten/Tag,
  • Thrombosen oder Embolien in der Familie,
  • kürzlich zurückliegende Entbindung

 

Modifiziert nach (6)

Problematisch wird es, wenn durch den fehlenden Einfluss von Progesteron anhaltende oder sehr starke Blutungen (Dauerblutungen, Hypermenorrhoe) entstehen. Solche Störungen können unter Umständen zu einem Abfall des Hämoglobinspiegels führen. Dann ist eine gynäkologische Vorstellung notwendig.

 

Den Zyklus regulieren

 

Wünscht das Mädchen primär eine ­Zyklusrhythmisierung, können Gestagene zum Einsatz kommen, die einen zentral regulierenden Effekt haben, zum Beispiel Chlormadinonacetat. ­Andere Gestagene wie Progesteron oder Dydrogesteron erzielen zwar eine ausreichende Transformation des Endometriums, haben aber in üblichen Dosierungen keinen ausreichenden zentralen Effekt, weswegen die Stabilisierung der Zyklen mit diesen Wirkstoffen manchmal nicht so gut gelingt.

 

Alternativ zu Chlormadinonacetat oder aber bei schweren Blutungsstörungen, zum Beispiel Dauerblutungen, die länger als 14 Tage anhalten, kann der Einsatz kombinierter Kontrazep­tiva erwogen werden, sofern keine Kontraindikationen bestehen (5).

 

Ist der Leidensdruck sehr groß, ­besteht bereits ein Eisenmangel oder ist das Mädchen im Alltag, zum Beispiel bei der Teilnahme am (Schul-)Sport, dadurch eingeschränkt, kommt die Verordnung von Ovulationshemmern im Einzelfall (möglicherweise auch nur vorübergehend, zum Beispiel für einige Monate) auch schon kurz nach der Menarche infrage. Kombinierte Kontrazeptiva können über die gesamte reproduktive Phase einer Frau eingenommen werden; ­allerdings sind ­neben Dosis- und Präparat-Besonderheiten das steigende Alter und vor ­allem Kontraindikationen zu beachten

 

Sogenannte Kombinationspräpa­rate, die Estrogene und Gestagene enthalten, egal ob oral, transdermal (Verhütungspflaster) oder als vagina­le Verhütungsringe, können auch schmerzhafte Regelblutungen (Dysmenorrhoe) lindern, unter denen Teenager häufig leiden. Ist die Dysmenorrhoe das vorrangige Problem, kann das Apothekenteam neben lokal entspannenden Maßnahmen wie Kirschkernkissen und warmen Bädern auch nicht steroidale Antiphlogistika, zum Beispiel Naproxen, oder Butylscopo­l­amin gegen die krampfartigen Schmerzen empfehlen.

Insbesondere bei ausgeprägten Blutungsstörungen, aber auch bei Dysmenorrhoe ist die durchgehende Anwendung der oralen Kontrazeptiva ohne die übliche mehrtägige Pause zu empfehlen, um einen weiteren Blutverlust oder Beschwerden zu mildern oder zu verhindern. Auch wenn die meisten Präparate dafür nicht zugelassen sind, ist eine durchgehende ­Einnahme bedenkenlos möglich, da hierunter sowohl eine ausreichende estrogene Versorgung als auch vor ­allem eine ausreichende gestagene Wirkung am Endometrium sichergestellt ist. Gelegentliche Schmierblutungen sind auch im Langzyklus möglich. Eine »Einnahmepause« ist aus medizinischer Sicht nicht erforderlich.

 

Viele junge Frauen wünschen aber eine Blutung als Rückversicherung, dass alles »in Ordnung« ist und keine Schwangerschaft vorliegt. In dieser ­Situation kann – wenn erforderlich – das einnahmefreie Intervall verkürzt oder auf Präparate zurückgegriffen werden, die die Einnahme von 24  Tabletten, gefolgt von einer viertägigen Pause vorsehen. Mittlerweile sind auch Präparate erhältlich, die ­lediglich ein zweitägiges wirkstofffreies Intervall in Form von Placebotabletten ­beinhalten.

 

Alternative: Desogestrel mono

 

Bei Kontraindikationen gegen eine ­orale Estrogeneinnahme ist alternativ die Anwendung eines 75 µg Deso­gestrel-Monopräparats (sogenannte estrogenfreie Pille) möglich. Bei einer täglichen durchgehenden Einnahme wird der Eisprung unterdrückt (Ovula­tionshemmung), eine gewisse Synthese von Estradiol im Ovar ist aber noch möglich. Damit ist die estrogene Basisversorgung gewährleistet, die unter anderem zum Schutz des Knochens notwendig ist. Die durchgehende Einnahme unterdrückt die Blutung; Schmierblutungen sind aber möglich und gerade zu Beginn der Einnahme häufig.

 

Hiervon zu unterscheiden sind die schon seit vielen Jahren verfügbaren »Minipillen«, deren Gestagendosis ­unterhalb der Ovulationshemmdosis liegt und die daher den Eisprung nicht zuverlässig hemmen. Ihre empfängnisverhütende Wirkung kommt über den Effekt auf den Muttermundschleim, die Gebärmutterschleimhaut und die Eileiterbeweglichkeit zustande. Gerade bei Teenagern sollte man auf diese ­weniger sichere Methode verzichten.

 

Ob das kombinierte hormonale ­Kontrazeptivum vor einem größeren operativen Eingriff abgesetzt werden muss, muss genau abgewogen werden. Hintergrund ist das erhöhte Risiko für ein thromboembolisches Ereignis bei Neubeginn einer Pilleneinnahme nach einer längeren Pillenpause.

 

Vor- und Nachteile oraler Kontrazeptiva

Neben unregelmäßigen oder schmerzhaften Regelblutungen ist der Ver­hütungsbedarf ein häufiger Grund, warum junge Frauen erstmals den Frauenarzt aufsuchen. Bei der Beratung rund um mögliche kontrazeptive Maßnahmen muss der Arzt das biologische Alter, die kontrazeptive Sicherheit und die Compliance berücksichtigen. Zudem fließen Probleme wie Dysmenorrhoe, unreine Haut oder Zyklusunregelmäßigkeiten in die Entscheidung mit ein.

 

Das nach wie vor in Deutschland am häufigsten ­angewandte Verhütungsmittel ist die Estrogen-Gestagen-Kombinationspille. Diese Methode schützt zwar nicht vor sexuell übertragbaren Erkrankungen, hat aber bei zuverlässiger regelmäßiger Einnahme eine hohe kontrazeptive ­Sicherheit und günstige Begleiteffekte. So wird der Zyklus reguliert und die Blutung vorhersehbar und planbar. Zudem sind die Blutungen meist abgeschwächt und weniger schmerzhaft.

 

Hauptrisiko unter kombinierten Kontrazeptiva (als Pille, Pflaster oder Ring) ist ein erhöhtes Risiko für ein thromboembolisches Ereignis. Symptome einer Thrombose können sein: Schwellung und Verfärbung des ­betroffenen Areals, zum Beispiel des Unterschenkels, Druckschmerzhaftigkeit und eventuell auch Bewegungseinschränkungen. Bei sonst nicht ­erklärbarer Atemnot oder Kurzatmigkeit, Schmerzen in der Brust, die beim tiefen Einatmen zunehmen können, oder plötzlich auftretendem Husten ohne offenkundige Ursache muss an eine Lungenembolie gedacht werden. Übergewicht, Rauchen, Immobilität und Gerinnungsstörungen begünstigen eine Thrombose.

 

Wichtig: Verhütungspflaster und -ringe erhöhen ebenso das Thromboserisiko und sind in diesem Punkt den klassischen Verhütungspillen gleichgestellt. Dies sollte auch in der Apotheke klargestellt werden. Viele Frauen denken nämlich, dass ein Verhütungspflaster oder -ring nur lokal wirkt und sie damit das erhöhte Thromboserisiko der Pille umgehen – was aber nicht zutrifft.

 

Das Thromboserisiko ist besonders im ersten Anwendungsjahr erhöht, bleibt aber auch danach höher als ohne kombiniertes Kontrazeptivum. Allerdings ist es immer deutlich niedriger als während einer Schwangerschaft oder im Wochenbett. Besteht bei einer Frau aber zum Beispiel eine Gerinnungsneigung oder Migräne mit Aura, sind kombinierte Kontrazeptiva kontraindiziert. Dies gilt für Ethiny­l­estradiol-, Estradiol- und Estradiol­valerat-haltige Präparate gleichermaßen.

 

Das Bundesinstitut für Arznei­mittel und Medizinprodukte (BfArM) hat ­einen Rote-Hand-Brief und weitere Informationen für die Verordnung oraler Kontrazeptiva herausgegeben (6). Es empfiehlt insbesondere für ­Erstanwenderinnen und Frauen unter 30 Jahren zur Schwangerschafts­verhütung die Verordnung eines ­Levonorgestrel-haltigen kombinierten hormonalen Kontrazeptivums.

 

Intrauterine Systeme auch für junge Frauen

 

Intrauterine Systeme (IUS), die sogenannten Spiralen, kamen bis vor einigen Jahren bei jungen Frauen, die noch keine Kinder geboren haben, ­wenig zum Einsatz. Dies hat sich geändert, da inzwischen kleinere und andere Systeme zur Verfügung stehen. Gab es früher nur Kupferspiralen, so sind mittlerweile auch Kupferketten oder -bälle sowie hormonhaltige IUS erhältlich.

Der HPV-Infektion zuvorkommen

Mit den ersten sexuellen Kontakten wird auch die Prävention von sexuell übertragbaren Erkrankungen und von potenziell kanzerogenen Viren, zum Beispiel humane Papillomaviren (HPV), zum Thema. Erste Basismaßnahme ist sicherlich die Verwendung eines Kondoms. Mittlerweile gibt es aber auch hocheffektive Impfstoffe, die gegen neun Subtypen von HPV, die als Hoch­risikofaktoren eingestuft werden, ­wirksam sind. Empfohlen wird die Mehrfach-Impfung für alle Mädchen zwischen dem 8. und 14. Lebensjahr. Bis zum 17. Lebensjahr ist eine Komplettierung möglich und wird von der ständigen Impfkommission (STIKO) des ­Robert-Koch-Instituts empfohlen (7).

 

Ein weiteres Argument für die Impfung: Sie senkt nicht nur das Risiko für eine spätere Gebärmutterhalskrebs-Erkrankung, sondern auch von Genital- oder Feigwarzen (Kondylome), die als die weltweit am häufigsten sexuell übertragbare Erkrankung gelten.

 

Empfehlenswert ist die HPV-Impfung aber auch für Jungen, da diese das ­Virus übertragen und selber auch an Kondylomen erkranken können. ­Zudem ist unter anderem das Peniskarzinom mit einer persistierenden HPV-Infektion assoziiert. Die STIKO hat aktuell beschlossen, eine Impfempfehlung auch für Jungen auszusprechen. Der Beschluss wird im ­August 2018 in Kraft treten (8).

 

Der zusätzliche Einsatz von Kondomen (insbesondere bei wechselnden Partnern) sollte gerade bei Teenagern unbedingt unterstützt werden.

Bei den hormonhaltigen Spiralen wird durch die lokale Abgabe des Gestagens Levonorgestrel aus dem IUS die monatliche Blutung oft deutlich abgeschwächt. Gerade in den ersten Jahren nach Einsetzen des IUS kann die Blutung ganz ausbleiben, was viele Teenager positiv bewerten. Der verhütende Effekt beruht auf dem fehlenden ­Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, ­wodurch die Einnistung einer Eizelle verhindert wird. Zudem verdickt sich durch das Gestagen der Schleimpfropf im Gebärmutterhals, was eine Aszen­sion der Spermien verhindert. Der ­Zyklus wird aber in der Regel nicht ­unterdrückt.

 

Beim Einsatz kupferhaltiger Systeme kann die Blutung genauso stark wie unter natürlichen Bedingungen oder sogar stärker und schmerzhafter sein. Der verhütende Effekt geht auf eine ­lokale Entzündungsreaktion durch ­Abgabe von Kupfer-Ionen an die Gebärmutterschleimhaut zurück.

 

Unter lokalen kupferhaltigen Verhütungsmitteln wird eine erhöhte Rate für aufsteigende Entzündungen, zum Beispiel von Muttermund, Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcken, beschrieben. Solche Infektionen können unter Umständen die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.

 

PCOS durch zu viel ­Androgene

 

Die häufigste Ursache für eine Zyklusstörung bei jungen Frauen ist eine übermäßige Bildung von männlichen Hormonen (Hyperandrogenämie), zum Beispiel im Rahmen eines polyzystischen Ovar-Syndroms (PCOS), das ungefähr jedes zehnte Mädchen betrifft (2).

Neben dem typischen Aussehen des Eierstocks im Ultraschall, der zur Namensgebung geführt hat, finden sich oft sehr stark verlängerte Zyklen, da die normale Eizellreifung und die ­Ovulation durch das Übermaß an ­Androgenen gestört sind. Normalerweise dauert ein Zyklus 24 bis 35 Tage. Bei Frauen mit PCOS liegen oft mehrere Monate zwischen den Blutungen (Oligomenorrhoe). Ist die Blutung seit mehr als sechs Monaten ausgeblieben, spricht man von einer Amenorrhoe.

 

Laboranalytisch ist eine Hyperan­drogenämie nachzuweisen, die mit Symptomen einer gewissen »Vermännlichung« einhergehen kann. Zu diesen sogenannten Androgenisierungserscheinungen gehören zum Beispiel Akne oder ein verstärkter Haarwuchs an für Frauen untypischen Körperstellen wie rund um die Brustwarze oder vom Genitalbereich in Richtung Bauchnabel oder auf die Oberschenkel übergreifend. Zudem kann der Glucosestoffwechsel im Sinne einer Insulinresistenz gestört sein (9). Dabei handelt es sich um eine Vorstufe eines Diabetes mellitus. Um den Blutzuckerspiegel konstant zu halten, sind größere Mengen an Insulin notwendig. Wichtig zu wissen: Eine Insulinresistenz im Zusammenhang mit Androgenstörungen kann nicht nur übergewichtige, sondern auch schlanke Mädchen und Frauen mit einem PCOS betreffen.

 

Die ausbleibende regelmäßige Umwandlung der Gebärmutterschleimhaut bei Zyklusverläufen ohne Ovulation stellt ein Problem dar, da hierdurch das Risiko für ein Endometrium-Karzinom ansteigt. Besonders ausgeprägt ist das Risiko bei übergewichtigen Frauen mit PCOS. Ihr Risiko, bereits in jungen Jahren zu erkranken, ist bis zu vierfach erhöht (10), weshalb dringend Interventionsbedarf besteht.

Pille nur wegen Pickeln?

Was tun, wenn Teenager aufgrund ­einer Akne eine Pille wünschen? Bei ­vielen bessert sich die Akne unter der Pilleneinnahme. Durch die partiell an­drogene Wirkung von Levonorgestrel werden Androgenisierungserscheinungen bei einem Teil der jungen Frauen aber nicht ausreichend beeinflusst. Der Gynäkologe muss dann individuell abwägen, ob die Umstellung auf einen Ovulationshemmer mit einem antiandrogen wirksamen Gestagen gerechtfertigt ist. Zu diesen Gestagenen gehören neben Cyproteronacetat auch Dienogest, Chlormadinonacetat und Drospirenon.

 

Eine Sonderstellung nimmt hier Cyproteronacetat ein, das in erster Linie zur Therapie von Androgenisierungssymptomen, zum Beispiel Akne, zugelassen ist, wenn andere dermatologische Therapien nicht zum Ziel geführt haben. Bei diesem Präparat handelt es also nicht um ein klassisches Verhütungsmittel, auch wenn es als solches wirkt.

 

Anders sieht es bei Kombinations­präparaten aus, die Dienogest und ­Ethi­nylestradiol enthalten. Prinzipiell ­können diese zur Kontrazeption verschrieben werden, haben aber zusätzlich eine Zulassung zur Aknetherapie, wenn andere dermatologische Maßnahmen (also äußerliche Behandlungen oder die Einnahme entsprechender ­Antibiotika) nicht erfolgreich waren.

Bestehen keine Kontraindikationen, sind kombinierte Kontrazeptiva nach wie vor das Mittel der Wahl zur Therapie des PCOS. Alternativ gilt eine zyklische Gestagengabe, zum Beispiel über 14 Tage pro Monat, als Minimaltherapie, um die Umwandlung des Endometriums sicherzustellen.

 

Vaginale Mykosen

 

Bei neugeborenen Mädchen findet kurzzeitig eine Estrogenproduktion statt (11). Dagegen ist das Kindesalter eine hormonelle Ruhephase. Erst durch Aktivierung des Ovars zu Beginn der Pubertät kommt es zu einer ­(erneuten) Produktion von Estrogenen, die auch das innere Genitale beeinflussen und die Produktion des sogenannten Weißflusses anregen. Dieser Fluor vaginalis ist weißlich und nahezu geruchsneu­tral. Die Menge kann individuell variieren, verändert sich aber auch während des Zyklusverlaufs.

 

Die Estrogenisierung der Scheide fördert auch deren Besiedelung mit Döderlein-Bakterien, die für den sauren Vaginal-pH von 4 verantwortlich sind. Dieses Milieu dient als natürliche Abwehr gegen Infektionen.

 

Typisch für eine Infektion im Genitalbereich ist ein veränderter Ausfluss, der meist gelblich-grünlich ­verfärbt und in seiner Menge deutlich vermehrt ist und anders riecht. ­Weitere Merkmale sind Brennen, Schmerzen oder Juckreiz. Letzteres ist das Kardinalsymptom für eine lokale Pilzinfektion, eine Vaginalmykose. ­Bemerkt die junge Frau solche ­Beschwerden, ist es oft der einfachste und schnellste Weg, das Problem mithilfe eines nicht-rezeptpflichtigen Antimykotikums nach Beratung in der Apotheke zu lösen. /

Danksagung

Mein ausdrücklicher Dank für ihre Unterstützung und Mitwirkung bei der Erstellung dieses Artikels gilt meinen Chefinnen Dr. Anneliese Schwenkhagen und Dr. Katrin Schaudig.

Literatur

 

(1) Kahl, H., Schaffrath, R. A., Schlaud, M., Sexuelle Reifung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGSS). Bundes­gesundheitsbl 2007; 50(5-6): 677-685.

(2) Leidenberger, F. A., et al., Klinische Endokrinologie für Frauenärzte. Springer, Berlin 2014.

(3) www.bzga-essstoerungen.de/lehr-und-fachkraefte/zahlen-zur-haeufigkeit

(4) Apter, D., Development of the hypothalamic-pituitary-ovarian axis. Ann N Y Acad Sci. 1997 Jun 17;816:9-21

(5) Neulen, J., Juvenile Menometrorrhagie – ­Pathophysiologie und daraus resultierende therapeutische Optionen. Gynäkologe 2015; 48:339–343.

(6) www.bfarm.de/DE/Arzneimittel/Pharmakovigilanz/KOK/_node.html

(7) www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/Aktuelles/Impfkalender.pdf?__blob=publicationFile

(8) www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/HPV/FAQ05.html

(9) Behboudi-Gandevani, S., et al., The risk of meta­bolic syndrome in polycystic ovary syndrome: A systematic review and meta-analysis. Clin Endocrinol (Oxf). 2018 Feb;88(2):169-184. doi: 10.1111/cen.13477. Epub 2017 Oct 16.

(10) Fearnley, E. J., et al., Australian Ovarian Cancer Study Group and Australian National Endo­metrial Cancer Study Group. Polycystic ovary syndrome increases the risk of endometrial cancer in women aged less than 50 years: an Australian case-control study. Cancer Causes Control. 2010 Dec;21(12):2303-2308. doi: 10.1007/s10552-010-9658-7. Epub 2010 Oct 17

(11) Kuiri-Hänninen, T., Sankilampi, U., Dunkel, L., Activation of the hypothalamic-pituitary-gonadal axis in infancy: minipuberty. Horm Res Paediatr 2014;82(2):73-80. doi: 10.1159/ 000362414. Epub 2014 Jul 5

Die Autorin

Kathrin Steffen studierte Medizin an der Universität zu Lübeck. 2004 wurde sie dort ­approbiert und promoviert. Bereits während der Facharztausbildung arbeitete sie im gynäkologisch-endokrinologischen Bereich in der Klinik für Frauenheilkunde des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus ­Lübeck. Seit mehreren Jahren ist Dr.  Steffen in der Schwerpunktpraxis für gynäkologische Endokrinologie »Hormone Hamburg« von Dr. Katrin Schaudig und Dr. Anneliese Schwenkhagen tätig.

 

Dr. Kathrin Steffen

GMP Dres. K. Schaudig und A. Schwenkhagen

Praxis für Gynäkologische Endokrinologie »Hormone Hamburg«

Altonaer ­Straße 59

20357 Hamburg

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