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Australien

Apotheker legen Manifest vor

27.07.2016  09:17 Uhr

Von Jennifer Evans / Apotheker können das Gesundheitssystem verbessern. Davon ist die Pharmaceutical Society of Australia (PSA) überzeugt und legte der Regierung kürzlich ein zwölfseitiges Manifest vor. Im Zentrum des Papiers steht eine bessere Patientenversorgung durch die gezielte Zusammenarbeit von Heilberuflern.

Grundsätzlich fordert die PSA von der Politik, den Handlungsspielraum für Apotheker zu erweitern. Dazu gehört laut Manifest, dass Pharmazeuten sowohl Teil der im Land etablierten interprofessionellen häuslichen Pflegeteams werden als auch voll in Allgemeinmedizinpraxen integriert werden. Zudem solle ihre Fachkenntnis künftig Patienten in Altenpflegeheimen zugutekommen sowie auf die Gesundheitsfürsorge von Aborigines ausgedehnt werden. Entscheidend sei, dass die Regierung anerkenne, welche Bedeutung Apothekern bei der Prävention von Krankheiten zukomme, so die PSA.

Australien hängt hinterher

 

»Australien hängt bei der Implementierung innovativer Versorgungsmodelle hinterher, wenn die spezielle Expertise der Pharmazeuten gefragt ist, um chronische und komplexe Krankheitszustände zu verhindern oder zu managen«, so PSA-Präsident Joe Demarte in einer Mitteilung der Gesellschaft.

 

Dringender Handlungsbedarf für die von den Apothekern geforderten Reformen besteht laut Manifest durch den permanent steigenden Arzneimittelverbrauch. Demnach nehmen Down Under 80 Prozent der Über-60-Jährigen und 70 Prozent der 45- bis 64-Jährigen regelmäßig Medikamente ein. Das koste den Staat jährlich 19 Milliarden australische Dollar (rund 13 Milliarden Euro). Bis zu 50 Prozent der verordneten Arzneimittel sind der PSA zufolge jedoch für Langzeittherapien ungeeignet und belasteten das Gesundheitssystem unnötig mit 1,2 Milliarden Dollar (rund 816 Millionen Euro).

 

Das Manifest, das die Gesellschaft vor dem Hintergrund der Parlamentswahlen am 2. Juli vorlegte, regt fünf Hauptreformen an. Aufgrund positiver Bilanz evidenzbasierter Modelle aus dem Ausland fordert die PSA vor allem eine engere Kooperation von Apothekern und Ärzten. Die australischen Pharmazeuten wollen künftig speziell für chronisch Kranke zugeschnittene Medikationspläne erstellen, kosteneffiziente Therapien vorschlagen, Patientenziele für das Arzneimittel-Selbstmanagement festlegen sowie die Kommunikation zwischen den verschiedenen Gesundheitseinrichtungen mit Blick auf die Patienten stärken. Zudem sind die Pharmazeuten sicher, in Zukunft Fehldosierungen sowie die dadurch entstehenden Krankenhauseinweisungen minimieren oder gar vermeiden zu können.

 

Auch fordern die Apotheker eine volle Integration in allgemeinmedizinische Praxen. Vorbild ist dabei das Gesundheitssystem in Großbritannien.

 

Gezielte Prävention

 

Zudem wollen sie unter anderem die australischen Ureinwohner angemessen betreuen. Dabei geht es darum, die Akzeptanz und Einhaltung einer Arzneimitteltherapie zu fördern sowie gezielt präventiv in den Bereichen Raucherentwöhnung und Schutzimpfungen aktiv zu werden. Dem Papier zufolge ist diese Personengruppe öfter krank, häufiger im Krankenhaus und vermehrt durch Traumata belastet.

 

Nicht zuletzt sollen öffentliche Apotheken in Australien rentable und erreichbare Anlaufstellen für eine präventive und medizinische Grundversorgung bleiben, so die PSA. Insbesondere wollen die Apotheker künftig nicht nur gegen Grippe, sondern gegen alle Infektionskrankheiten impfen dürfen. /

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