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Dengue-Impfstoff

Moderater Schutz in Phase III

16.07.2014
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Von Daniela Biermann / 56 Prozent Schutz vor Dengue-Infektionen: Das ist das Ergebnis einer großen Phase-III-Studie mit dem am weitesten in der Entwicklung fortgeschrittenen Impfstoffkandidaten gegen das tropische Virus.

 

An der Studie mit der Vakzine CYD-TDV (ChimeriVax®) nahmen 10 275 gesunde Kinder im Alter von zwei bis 14 Jahren teil. Hersteller Sanofi-Pasteur hatte bereits Ende April über das Erreichen des primären Endpunkts berichtet. Details zur Studie erschienen nun im Fachjournal »The Lancet« (doi: 10.1016/S0140-6736(14)61060-6). Demnach erkrankten insgesamt 250 Kinder frühestens 28 Tage nach der abgeschlossenen Immunisierung an Dengue, davon 117 (47 Prozent) in der Impfstoffgruppe (n = 6710) und 133 (53 Prozent) in der Placebogruppe (n = 3350).

 

Die Studie fand in den fünf asiatischen Ländern statt, in denen 70 Prozent der weltweiten Dengue-Fälle auftreten: Indonesien, Malaysia, Philippinen, Thailand und Vietnam. Die tetra­valente Vakzine schützte in unterschiedlichem Maße gegen die vier seit Längerem bekannten Serotypen DENV 1 bis 4. Sie schützte zu mehr als 75 Prozent vor Infektionen mit DENV 3 und 4. Der Schutz vor DENV 1 betrug 50 Prozent. Am schlechtesten wirkte der Impfstoff gegen DENV 2 mit 35 Prozent.

 

Deutlicher war der Schutz der rekombinanten, attenuierten Lebendimpfung vor Komplikationen einer Dengue-Infektion. Nach drei abgeschlossenen Impfungen waren die Kinder zu 88,5 Prozent vor hämorrhagischem Fieber geschützt und zu 67 Prozent vor Krankenhauseinweisungen aufgrund der Erkrankung. Insgesamt sei die Impfung gut vertragen worden, nur ein Fall einer schweren Nebenwirkung (Enzephalomyelitis) schien mit der Impfung zusammenzuhängen. Ansonsten kam es vor allem zu Reaktionen an der Einstichstelle.

 

Angesichts der Häufigkeit der Infektion wäre eine Reduktion um die Hälfte der Erkrankungsfälle ein großer Erfolg, insbesondere der Schutz vor schweren Verläufen, heißt es in einem begleitenden »Lancet«-Kommentar von Professor Dr. Annelies Wilder-Smith von der Nanyang Technological University in Singapur. Eventuell könnten sogar weniger als die in der Studie getesteten drei Dosen bereits vor Infektionen schützen, was Impfkampagnen und Kosten vereinfachen würden.

 

Neuesten Erkenntnissen zufolge würde aber ein Schutz vor DENV 1 bis 4 nicht ausreichen: Im Herbst 2013 gaben Wissenschaftler überraschend bekannt, dass sie einen fünften Serotyp entdeckt haben. Dieser ist noch nicht Bestandteil der Impfstoffkandidaten, die bereits in der klinischen Entwicklung sind. /

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