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E-Health-Gesetz

Bundesrat setzt auf Apotheker

07.07.2015
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Von Stephanie Schersch / Der Gesundheitsausschuss im Bundesrat drängt auf eine stärkere Einbindung der Apotheker in das geplante E-Health-Gesetz. Aus Sicht der Länder sollte der Patient selbst entscheiden können, wer den in der Novelle vorgesehenen Medikationsplan für ihn erstellt.

Mit dem E-Health-Gesetz erhalten Versicherte ab Oktober 2016 Anspruch auf einen Medikationsplan, sofern sie mindestens drei rezeptpflichtige Arzneimittel parallel einnehmen. Aufstellen sollen diese Listen vor allem Mediziner. Aus Sicht der Länder greift der Gesetzentwurf an dieser Stelle zu kurz. Medikationspläne sollte nicht nur der Arzt, sondern auch »eine vom Versicherten gewählte Apotheke« erstellen und aktualisieren können, schreibt der Gesundheitsausschuss der Länderkammer in einer Empfehlung. Der Patient selbst soll demnach die Wahl haben, wer diese Aufgabe übernimmt.

 

Alle Daten

 

Ein umfassender Medikationsplan erfordere die Erfassung aller Arzneimittel eines Patienten, heißt es zur Begründung. Dazu zählten die Verordnungen verschiedener Ärzte sowie rezeptfreie Präparate. »Diese Informationen liegen in der vom Versicherten gewählten Apotheke immer vor.« Letztlich sei ein umfassender Medikationsplan Voraussetzung für das Medikationsmanagement, das für mehr Sicherheit in der Arzneimitteltherapie sorgen soll.

 

Mit ihrem Vorstoß greifen die Länder eine zentrale Forderung der Apotheker auf. ABDA-Präsident Friedemann Schmidt ist optimistisch, dass das E-Health-Gesetz noch einmal überarbeitet wird. »Die Bundesebene sollte die Empfehlung der Länder ernst nehmen«, sagte er vergangene Woche in Berlin. Der Medikationsplan sei nicht mehr als eine bloße Medikationsliste. »Fachlich fehlen wesentliche Aspekte.«

 

Sollten Apotheker in die Novelle aufgenommen werden, würden sie die gleichen Vergütungsbedingungen akzeptieren wie die Ärzte, so Schmidt. Für Mediziner sieht das Gesetz ein Honorar vor, wenn sie Medikationspläne erstellen und aktualisieren. Über die Höhe dieser Vergütung muss allerdings noch verhandelt werden.

 

In seiner Stellungnahme geht der Gesundheitsausschuss auch auf das Modellprojekt ARMIN (Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen) ein, das einen Medikationsplan und das gemeinsame Medikationsmanagement von Arzt und Apotheker bereits erprobt. Solche regionalen Vorhaben sollte das E-Health-Gesetz nicht berühren, schreiben die Länder. Zur Begründung verweisen sie darauf, dass die Novelle vorerst nur einen Medikationsplan in Papierform vorsieht. Bei ARMIN sollen Arzt und Apotheker die Daten hingegen auch elektronisch austauschen können. Würde das Projekt an die Vorgaben des Gesetzes angepasst, wäre das ein Rückschritt, heißt es.

 

Beratung im Bundestag

 

Am 10. Juli wird das Plenum im Bundesrat über das E-Health-Gesetz beraten. Im Bundestag fand die erste Lesung bereits in der vergangenen Woche statt. Die Novelle sei »eines der anspruchsvollsten IT-Projekte der Gegenwart«, sagte Annette Widmann-Mauz (CDU), Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit. Wichtig sei, dass der Medikationsplan mittelfristig auch über die elektronische Gesundheitskarte abrufbar sein werde. Über eine möglicherweise engere Beteiligung der Apotheker wurde allerdings nicht diskutiert. /

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