Pharmazeutische Zeitung online
Versandhandel

Bundesrat beauftragt Ausschüsse

08.07.2008
Datenschutz bei der PZ

Versandhandel

Bundesrat beauftragt Ausschüsse

Von Bettina Sauer, Berlin

 

Erwartungsgemäß hat der Bundesrat noch nicht über die bayerische Initiative zum Versandhandelsverbot mit verschreibungspflichtigen Medikamenten entschieden. Stattdessen verwies er den Antrag erst einmal in die Fachausschüsse für Gesundheit (federführend) und Wirtschaft (mitberatend).

 

Bayern möchte den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten wieder verbieten. Während der Plenarsitzung des Bundesrates am vergangenen Freitag begründete der bayerische Gesundheits- und Verbraucherschutzminister Dr. Otmar Bernhard den Antrag vor allem mit dem Verbraucherschutz: »Rezeptpflichtige Arzneimittel verfügen über zahlreiche, mitunter gravierende Neben- und Wechselwirkungen. Weiterhin leiden Patienten womöglich an riskanten Vorerkrankungen oder Süchten.« All diese Gefahren ließen sich am ehesten im persönlichen Kontakt erkennen. »Einem Online-Formular sehen Sie nicht an, ob der Absender beispielsweise ein Alkoholproblem hat. Das kann zum Beispiel bei bestimmten Schlafmitteln tödlich enden. Sie erkennen auch nicht, ob ein Patient mit einem schweren Infekt zugleich Herzpatient ist. Wenn er beispielsweise ein Digitalispräparat nimmt, riskieren Sie bei der Abgabe des Antibiotikums Doxycyclin schwere Vergiftungen. Deshalb ist der Apotheker bei verschreibungspflichtigen Medikamenten ein starkes Glied in der Sicherheitskette, auf das wir nicht verzichten können.«

 

Auch Abholstellen in Supermärkten oder Drogerien böten keinen Ersatz. Dort hole sich der Patient seine verordneten Medikamente ab wie Bilder aus dem Fotolabor. »Diese Praxis halte ich ohnehin für unsäglich. Außerdem gräbt ein Verbot des Versandhandels der Fälscherszene das Wasser ab. Denn danach ist klar, dass es legale verschreibungspflichtige Arzneimittel nur in der Apotheke gibt.« Um eine hohe Beratungsqualität der Apotheken sicherzustellen, forderte Bernhard weiterhin, klare Vorgaben in die neue Apothekenbetriebsverordnung einzuschreiben: »Die Novelle darf nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben werden.«

 

Anschließend sprach sich Dr. Klaus Theo Schröder, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, gegen ein Versandverbot für verschreibungspflichtige Medikamente aus. Er wies dabei auf den bislang geringen Anteil des Versandhandels an den Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung hin. Er liegt in etwa bei 1 Prozent. Aus Schröders Sicht gibt es keine Anzeichen für die Risiken, die Kritiker befürchten: »Der Versandhandel gefährdet die flächendeckende Versorgung nicht«, sagte er. »Bei den etwa 2000 deutschen Apotheken mit Versandhandelserlaubnis handelt es sich um Präsenzapotheken, die ihren Gemeinwohlpflichten wie Nacht- und Notdienst nachkommen.« Und die »vielzitierte Fälschungsproblematik« spiele sich nicht im legalen, sondern nur im illegalen Versandhandel mit Arzneimitteln ab. Das Bundesgesundheitsministerium erarbeite derzeit Möglichkeiten, damit Verbraucher legale Versandhandelsangebote leichter erkennen können. »Eine gesetzliche Begrenzung des Versandhandels auf verschreibungspflichtige Arzneimittel würde eher zu einer Verstärkung des illegalen Handels führen«, sagte er. Zudem berge sie die Gefahr einer Inländerdiskriminierung. »Eine deutsche Versandapotheke könnte ihre Patienten dann nämlich nicht mehr beliefern, eine niederländische hingegen schon.«

 

Pause bis September

 

Nun kommt erst einmal die Sommerpause. Bundesrat und Bundestag werden sich frühestens im September wieder mit dem Versandhandelsverbot beschäftigen. Noch ist unklar, wann genau die Experten im Gesundheits- und Wirtschaftsausschuss ihre Empfehlungen zum Versandhandel abgeben, die dann abermals in den Bundesrat gelangen. Bayern und andere Befürworter des Verbots können die Zeit nutzen, um für ihre Position zu werben. So wollen zumindest Berlin, Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Thüringen den Antrag unterstützen.

 

Keine Unterstützung kommt dagegen erwartungsgemäß vom Bundesverband Deutscher Versandapotheken. »Die Begründung des bayerischen Kabinetts zum Verbot des Versands rezeptpflichtiger Medikamente ist weder für den Verbraucher noch für Fachleute nachvollziehbar«, sagte Verbands-Chef Christian Buse. Versandapotheken gefährdeten nicht die flächendeckende Versorgung der Patienten mit Arzneimitteln, sondern stellten sie gerade in ländlichen Gebieten sicher.

Mehr von Avoxa