Pharmazeutische Zeitung online
Vertretung

Als Apotheker quer durch Deutschland

26.06.2018
Datenschutz bei der PZ

Von Carolin Antropov / Warum auf eine Apotheke festlegen, wenn man theoretisch in jeder sein kann? Wer flexibel, ungebunden und anpassungsfähig ist, der könnte als Apothekervertretung glücklich werden – und dabei obendrein Deutschland erkunden.

Heute Bodensee, morgen frei und übermorgen Berlin: Ist die Approbation in der Tasche, geht für manche das Abenteuer erst richtig los. Wer sich nicht auf eine Apotheke festlegen will, kann als Retter in der Not bei personellen Engpässen in ganz Deutschland einspringen. Seien es Krankheitsfälle, Urlaube oder Feiertagsnotdienste: Ohne Approbierten geht es nicht. Dabei gibt es verschiedene Wege, um mit Vertretungen den Lebensunterhalt zu bestreiten. Eine Kurzzeit-Festanstellung nach der nächsten ist zwar möglich, wegen der Bürokratie für beide Seiten aber kaum praktikabel. Üblich ist hingegen die Vertretung auf selbstständiger Basis oder die Mitarbeit bei spezialisierten Vertretungsfirmen.

 

Festanstellung und Vertretung

 

Zum Beispiel die Vertretungsfirma ­Approtime stellt Apotheker fest ein, um sie bundesweit als Chefvertretung einzusetzen. Neben einer dauerhaften Beschäftigung mit Sozialversicherung winkt ein gutes Gehalt mitsamt Urlaubsgeld und Fahrtkostenerstattung. Ein modernes Arbeitszeitkonto ermöglicht dabei ausreichend Flexibilität. »Mitarbeiter, die viel reisen wollen, können blockweise arbeiten und anschließend zusammen mit ihrem Urlaubsanspruch mehrere Monate im Ausland verbringen«, erklärt Andreas Gerlach, Geschäftsführer von Appro­time, im Gespräch mit der PZ. So können Apotheker auch ein Aufbaustudium oder eine Promotion realisieren, ohne auf ein geregeltes Einkommen zu verzichten. Denn die vertragliche Arbeitszeit ist individuell verhandelbar. Selbstverständlich sorgt die Firma während der Vertretungszeit für adäquate Unterkünfte. Da es keine Tagesvertretungen gibt, ist es eher die Regel denn die Ausnahme, wochenweise von zu Hause weg zu sein. »Wir haben sehr viele junge Approbierte«, so Gerlach. Das liege einerseits an der Art der Arbeit und andererseits an der persönlichen Situation, nämlich dass sie noch ungebunden sind. Berufsanfänger seien also herzlich willkommen. Diese würden fachlich von einem erfahrenen Approbierten begleitet, der für Rat und Tat immer erreichbar sei, auch an Sonn- und Feiertagen.

 

Selbstständigkeit und Vertretung

Wer lieber sein eigener Herr ist und finanziell das Maximum rausholen will, kann Vertretungen auch als Selbstständiger übernehmen. Üblicherweise wird die Tätigkeit dann auf Honorar­basis abgerechnet. Für den Apothekeninhaber bedeutet das eine bequeme Rechnung, mit der die Personalbuchhaltung keinerlei Arbeit hat. Um die freiberufliche Tätigkeit als selbstständiger Vertretungsapotheker anzumelden, sollte der erste Gang direkt ins Finanzamt führen. »Dafür reicht ein Formular, das man ausfüllt«, erklärt Dr. Devid El-Wahsch, der selbst jahrelang als Vertretungsapotheker gearbeitet hat. »Dann dauert es ein bis zwei Wochen, bis man eine Steuernummer zugeteilt bekommt.« Steuern, Krankenkassen- und Rentenbeiträge müssen vom mobilen Apotheker selbst abgeführt werden. Hierum sollte man sich also ebenfalls zeitnah kümmern. Der Umgang mit der Versorgungskammer ist aber normalerweise unkompliziert. »Man bleibt in der Apothekerversorgung, in der man vorher schon war.«

 

El-Wahsch empfiehlt zudem eine ­eigene Berufshaftpflichtversicherung. So ist man auch dann auf der sicheren Seite, wenn die Haftpflichtversicherung des Inhabers nicht greift – oder nicht greifen will. Neben dem Honorar werden üblicherweise auch Arbeits­umfang, Anfahrtskosten und Unterkunft schriftlich festgehalten. Zwar kommt man an der jährlichen Steuer­erklärung nicht herum. Finanziell lohnt sich der Aufwand aber durchaus. Denn selbst nach Abzug aller Kosten bleibt am Monatsende nach El-Wahschs Erfahrung definitiv mehr Geld übrig als bei einer Festanstellung. »Und was man außerdem nicht vergessen darf: Durch die Selbstständigkeit kann man steuerlich viel mehr absetzen.« In der Vergangenheit gab es vor dem Hintergrund der vorgeschriebenen persönlichen Leitung einer Apotheke zwar vereinzelt Rechtsstreitigkeiten um Apothekenvertretung auf Honorarbasis. In der Praxis scheint es allerdings selten Probleme zu geben.

 

Unterstützung nutzen, Freiheit behalten

Sind die formalen Hindernisse geschafft, geht es um den Kundenfang. Klinken putzen, Homepage erstellen, Netzwerk aufbauen und fleißig Visitenkarten verteilen – all das gehört dann dazu, um einen Kundenstamm aufzubauen. Wem Akquise nicht liegt, dem bietet die Firma Flying Pharmacist Unterstützung. Gründer und Geschäftsführer El-Wahsch hatte die Geschäftsidee dazu, nachdem er mehr Anfragen bekam, als er selbst vertreten konnte. Im Gegensatz zu Appro­time bleiben die Apotheker dabei selbstständig. Die Firma stellt vielmehr eine Plattform zur Verfügung, damit jede Apotheke dort zur richtigen Zeit ihre passende Vertretung findet und umgekehrt. »Wir sind diejenigen, die beide Parteien zusammenbringen«, ­erklärt er. Dafür fällt zwar eine kleine Vermittlungsgebühr an, es bietet aber zahlreiche Vorteile für beide Seiten: ­Jeder kann weiterhin frei entscheiden, wann er wo eine Vertretung übernimmt. Angebote können also zwanglos abgelehnt werden. Auch kurzfristige Einsätze sind möglich, wobei dann sogar oft Verhandlungsspielraum für ein höheres Honorar bleibt. In einem geschützten Online-Bereich können die Nutzer nicht nur ihre Vertretungen organisieren, sondern auch per Knopfdruck Rechnungen generieren. Zudem sind Mitarbeiter der Firma zum Beispiel über Handy, E-Mail oder Anruf erreichbar.

 

Offen für Neues sein

 

Welchen Weg man auch wählt: Um Freude daran zu haben, darf es an Flexibili­tät, Abenteuerlust und einer offenen Art nicht fehlen. »Mir ist wichtig, dass die Mitarbeiter aufgeschlossen sind und ich den Eindruck habe, dass sie auf sich alleine gestellt zurechtkommen«, so Gerlach. Es gehe nicht darum, eine wandelnde Pharmazie-Enzyklopädie zu sein.

 

»Gerade am Anfang des Berufslebens kann man innerhalb kurzer Zeit viele Apotheken kennenlernen«, nennt El-Wahsch einen Vorteil. Die Zeit als Apothekenvertreter werde daher gerne auch gezielt genutzt, um sich auf die eigene Apotheke vorzubereiten. Dabei kristallisiert sich klar heraus, was man möchte und was nicht. Aber auch privat bereichere diese Art zu arbeiten und lasse einen innerlich wachsen. /

Mehr von Avoxa