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Niclosamid-Creme

Rezeptur gegen Badedermatitis

26.06.2006
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Niclosamid-Creme

Rezeptur gegen Badedermatitis

von Heike Fischer und Holger Reimann, Eschborn

 

Das Anthelminthikum Niclosamid, eingearbeitet in eine hydrophobe, nicht abwaschbare Grundlage, soll präventiv gegen Badedermatitis wirken. Das Neue Rezeptur-Formularium (NRF) bietet Apotheken eine einfache und im Rezepturbetrieb praktikable Herstellungstechnik für die Creme an.

 

Die Badedermatitis, auch Zerkariendermatitis oder Schistosomatiden-Dermatitis genannt,  ist eine harmlose, aber unangenehme Infestation des Menschen mit den Larven eines Saugwurms (Trematoden). Dabei befallen die Larven irrtümlich den Menschen (Fehlwirt). Eigentlicher Endwirt sind Wasservögel, hauptsächlich Enten. Über den Kot von wurmbefallenen Enten, gelangen Wurmeier ins Wasser. Aus ihnen schlüpfen kleine Larven, die normalerweise eine bestimmte Süßwasserschnecke befallen. Verirrte Zerkarien können aber auch die Haut des Menschen durchdringen, wo sie schon nach kurzer Zeit absterben. Beim ersten Kontakt mit den Larven entsteht nur eine geringe Hautreaktion. Erst beim zweiten Mal kommt es auf Grund des immunologischen Gedächtnisses zu einer stärkeren Abwehrreaktion mit den typischen Beschwerden wie starkem Juckreiz, Hautrötung und Quaddelbildung.

 

Zur Behandlung stehen Antihistaminika sowie die Lokalbehandlung mit Zinkoxidschüttelmixtur und Glucocorticoid-Externa zur Verfügung (8). Des Weiteren soll neben einer angeblichen protektiven Wirkung eines auch gegen Quallen ausgelobten Sonnenschutzmittels auf die Haut aufgetragenes Niclosamid in Konzentrationen zwischen 0,05 und 1 Prozent vollständigen Schutz vor Zerkarienbefall bewirken. Solche Hinweise verursachen in der Badesaison den Bedarf für die rezepturmäßige Herstellung Niclosamid-haltiger Cremes in Apotheken (3-7).

Hydrophobe Niclosamid-Creme

0,1%

Niclosamid-Tablette 500 mg: 1 Stück

Hydrophobe Basiscreme DAC: zu 500,0 g

 

0,5%

Niclosamid-Tablette 500 mg: 1 Stück

Hydrophobe Basiscreme DAC: zu 100,0 g

 

Herstellung

In einer Salbenschale die Tablette zusammen mit etwas Grundlage mit dem Pistill zerdrücken.

Restliche Grundlage zugeben und bis zum vollständigen Zerfall der Tablette rühren.

Niclosamid aus Tabletten

 

Niclosamid wird bewährt zur Abtötung von Wirbellosen, vor allem Wasserschnecken und Bandwürmern verwendet. Die Substanz wird praktisch nicht aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert (2), höchstwahrscheinlich deshalb auch nicht über die Haut.

 

Zwar gibt es im Arzneibuch Monographien zu Wasserfreiem Niclosamid und Niclosamid-Monohydrat, für Apotheken jedoch keine Rezeptursubstanz mit Prüfzertifikat. Deshalb ist von den in Deutschland zur Einnahme gegen Bandwürmer zugelassenen Tabletten mit 500 mg mikrofein gepulvertem Niclosamid auszugehen. Auch wenn das Arzneibuch für Dermatika eine höhere mikrobiologische Reinheit fordert als für Oralia, können Niclosamid-Tabletten wegen der starken Verdünnung in der Creme ohne Bedenken zur Hygiene verwendet werden. Etwa 160 mg sonstige Bestandteile sind in Form von Maisstärke, Talkum, Natriumdodecylsulfat (Natriumlaurylsulfat), Povidon 25, Vanillin, Magnesiumstearat und Saccharin-Natrium-Dihydrat enthalten.

 

Herstellung und Prüfung

 

Für wasserfeste Rezepturen sind hydrophobe, nicht abwaschbare Cremes plausibel. Zunächst wurden Grundlagen vorgeschlagen (6), die jedoch Arzneimittelstandards nicht entsprechen und in der Arzneimittelherstellung nicht verwendet werden dürfen (1). Durch Verwendung offizineller Grundlagen können diesbezügliche Vorbehalte ausgeräumt werden. Vor allem die Hydrophobe Basiscreme DAC erscheint auf Grund ihrer schwach sauren Reaktion für die chemische Stabilität des Niclosamid besonders geeignet.

 

Da das in den Tabletten enthaltene hydrophile Tensid Natriumdodecylsulfat und andere Hilfsstoffe die Stabilität des W/O-Systemes nicht stören, können die Tabletten direkt in die Cremegrundlage eingearbeitet werden. Die Herstellung ist nur in rezepturmäßiger Einzelherstellung zulässig, soweit nicht durch häufige ärztliche Verordnung die Hunderter-Regel greift. Die Aufbrauchsfrist ist auf die Badesaison 2006 zu begrenzen.

 

Eine halbquantitative dünnschichtchromatographische Bestimmung des Niclosamids ist möglich. Die Cremeprobe wird in Aceton dispergiert (0,5 Prozent Niclosamid) und die Referenzsubstanz wird in Aceton gelöst (0,05 Prozent Niclosamid). 20 µl beziehungsweise 2 µl werden auf eine DC-Platte mit Kieselgel F254 aufgetragen. Die Platte wird zunächst zur Entfernung der lipophilen Cremebestandteile mit Petrolether entwickelt, nach Trocknung im zweiten Schritt mit einem Fließmittel aus Ethylacetat, Methanol und Konzentrierter Ammoniak-Lösung (80 + 19 + 1 Volumenteile). Niclosamid wird im UV durch Löschung bei 254 nm oder Fluoreszenz bei 366 nm detektiert (Rf etwa 0,38), bei 254 nm ist auch das Konservierungsmittel (Sorbinsäure) zu erkennen (Rf etwa 0,05).

Badedermatitis vorbeugen

Tipps für Prävention und prophylaktische Maßnahmen sind:

kein morgendliches Schwimmen an heißen Tagen, da Wasserschnecken die Zerkarien in den frühen Morgenstunden freisetzen (8)

Meiden von Badestellen, an denen Wasservögel vorkommen (8)

Meiden ufernaher Zonen mit reicher Vegetation (8)

Einreiben mit bestimmten Externa vor dem Baden, vor allem mit Niclosamid-haltigen Cremes (3-7)

Rasches Duschen nach dem Schwimmen ist wirkungslos (4).

Literatur

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Eifler-Bollen, R., Reimann, H., Transparenz bei Dermatika-Grundlagen, Pharm. Ztg. 150 (2005) 588-599 und Service-Seite 124.

Bayer, Fachinformation: Yomesan®, Stand: Dezember 2005.

Südkurier, Archiv 1.1.2003-18.7.2005, www.suedkurier.de.

Van Bebber, F., Apotheker juckt es nicht. Creme gegen Badedermatitis ist nicht überall erhältlich, Südkurier vom 09.07.2005, www.suedkurier.de.

N. N., Rezepturen gegen Badedermatitis, Pharm. Ztg. 150 (2005) 290.

Rothhaupt, K.-O., et al., Entwicklung von Maßnahmen zur Verminderung der Badedermatitis-Belastung am Bodensee, Vortrag 21./22.2.2006 beim BWPLUS-Statuskolloquium, Karlsruhe, www.bwplus.fzk.de, Rubriken: Veranstaltungen, Abstracts der Vorträge, Entwicklung von Maßnahmen zur Verminderung der Badedermatitis-Belastung am Bodensee.

N. N., Für ungetrübte Badefreude, PTA heute Nr. 3/2005, S. 16.

Niedner, R., Badedermatitis, Frage/Antwort Nr. 4811 vom 18.8.2003, www.Infectopharm.com, Rubriken: Service für Ärzte, Consilium Infektiorum, Dermatologie.

 

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