Pharmazeutische Zeitung online

Magnetstimulation bei Migräne

27.06.2006  10:24 Uhr

Magnetstimulation bei Migräne

von Christina Hohmann, Eschborn

 

Migränepatienten könnten in Zukunft ihre Kopfschmerzattacken mit Hilfe eines starken Magnetfelds behandeln. Die als transkranielle Magnetstimulation (TMS) bezeichnete Technik beeinflusst die Aktivität von Nervenzellen im Gehirn und kann, früh eingesetzt, Migräneattacken verhindern, wie zwei kleine klinische Studien zeigen.

 

Um die Wirksamkeit des Verfahrens zu testen, baten Yousef Mohammad und seine Kollegen von der Ohio State University in Columbus 43 Migränepatienten, zu Beginn einer Aura, dem häufigen Vorboten einer Migräneattacke, sich in der Universitätsklinik zu melden. Die Probanden erhielten dann entweder zwei Impulse der transkraniellen Magnetstimulation oder zwei Placebo-Impulse. Nach zwei Stunden hatten etwa 70\x0fProzent der Patienten, die eine TMS-Behandlung erhalten hatten, keine beziehungsweise nur leichte Kopfschmerzen entwickelt. In der Placebogruppe waren es 48 Prozent, bei denen eine Attacke ausblieb. Diese Daten stellte Mohammad vergangene Woche auf dem Treffen der American Headache Society in Los Angeles vor.

 

Ähnliche Ergebnisse hatte auch der kanadische Neurologe Adrian Upton von der McMaster University in Ontario bei einer Studie mit 42 Migränepatienten erhalten. Er stellte dabei außerdem fest, dass die Wirksamkeit des TMS-Verfahrens nach zwei bis drei Behandlungen anstieg.

 

Bisher werden TMS-Geräte nur an Kliniken, hauptsächlich im Rahmen von klinischen Studien, verwendet. Jetzt hat das kalifornische Unternehmen NeuraLieve ein tragbares Gerät in der Größe eines Föns entwickelt. Eine größere klinische Studie mit 160 Patienten soll Daten liefern, um eine Zulassung bei der Food and Drug Administration (FDA) für das Gerät zu beantragen. Die TMS-Technik wird derzeit auch bei verschiedenen anderen neurologischen Störungen wie Halluzinationen, Epilepsie oder Tinnitus getestet. Die größte Wirksamkeit zeigt sie bei der Behandlung von schweren Depressionen.

Mehr von Avoxa