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Hitzewallungen

Alternativen zur Hormonersatztherapie

26.06.2006  15:46 Uhr

Hitzewallungen

Alternativen zur Hormonersatztherapie

von Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden

 

Eine Metaanalyse zu nichthormonellen Therapien von Hitzewallungen ergab, dass einige Behandlungsmethoden effektiv sind. Allerdings wirken sie weniger stark als Estrogene und können Nebenwirkungen aufweisen, die ihren Gebrauch einschränken.

 

Hitzewallungen sind die häufigsten Symptome in der Menopause, die bei mehr als 50 Prozent der Frauen auftreten. Häufig werden sie von den Betroffenen als die unangenehmste Auswirkung der Wechseljahre empfunden. Einige Frauen erfahren eine solch massive Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität, dass eine Therapie erforderlich wird.

 

Eine Hitzewallung ist ein spontanes Gefühl von Wärme, häufig von Schwitzen, Herzrasen und Angstgefühlen begleitet. Grund hierfür ist eine vasomotorische Antwort auf die abnehmenden Estrogenspiegel. Es wird vermutet, dass die Endorphinkonzentrationen im Hypothalamus parallel zur abnehmenden Estrogenproduktion sinken und dadurch vermehrt Noradrenalin und Serotonin freigesetzt werden. Auf diese Weise soll es zu einer Erniedrigung des Sollwertes im thermoregulatorischen Nukleus und in der Folge zu unangemessenen Wärmeverlustmechanismen kommen.

 

Estrogene wurden als Hormonersatz über fast 60 Jahre eingesetzt. In randomisierten kontrollierten Studien konnte gezeigt werden, dass sie die Häufigkeit von Hitzewallungen um bis zu 77 Prozent zu reduzieren vermögen. Als problematisch gelten jedoch die kürzlich nachgewiesenen Nebenwirkungen der Hormonersatztherapie mit Estrogenen wie kardiovaskuläre Ereignisse und Brustkrebs, sodass der Nutzen dieser Therapie zweifelhaft ist. Dies verstärkt die Bemühungen, nach wirksamen Alternativen zur Hormonersatztherapie zu suchen.

 

Antidepressiva, Clonidin, Gabapentin

 

Wissenschaftler um Professor Dr. Heidi D. Nelson, Oregon Health and Science University and Providence Health System, Portland, gingen dieser Frage auf den Grund. In einer Metaanalyse untersuchten sie, welche der zahlreichen propagierten Alternativen bei menopausalen Hitzewallungen wirksam und sicher sind.

 

Hierzu durchforsteten sie die Daten von Medline, PsycInfo und Cochrane Controlled Clinical Trials Register Database nach klinisch relevanten Studien, die die Behandlung von menopausalen Hitzewallungen mit mindestens einer nichthormonellen Therapie untersuchten. Alle Studien mussten englischsprachig publiziert, randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert sein und Daten über Häufigkeit und Schwere der Hitzewallungen enthalten.

 

Von 4249 identifizierten Studien entsprachen 43 den Einschlusskriterien: Zehn Studien liefen mit Antidepressiva, zehn mit Clonidin, sechs mit anderen verschreibungspflichtigen Medikamenten und 17 mit Isoflavon-Extrakten. In der Regel waren die Studien aber klein und von kurzer Dauer.

 

Viele der Studienteilnehmerinnen hatte fünf oder mehr Hitzewallungen pro Tag. Ihre Anzahl nahm bei Gabe von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) oder Serotonin-Norepinephrin-Wiederaufnahmehemmern (SNRI) im Vergleich zu Placebo ab (sieben Studien, mittlere Differenz: minus 1,13 Hitzewallungen pro Tag). Ebenso war sie bei Clonidin (vier Studien, mittlere Differenz: minus 0,95) und Gabapentin gesenkt (zwei Studien, mittlere Differenz: minus 2,05). Dagegen stellten die amerikanischen Forscher fest, dass eine Gabe von Rotklee-Isoflavonen die Häufigkeit der Hitzewallungen nicht beeinflusst; bei Soja-Isoflavonen waren die Ergebnisse unterschiedlich. Über die Wirksamkeit anderer Behandlungsmethoden konnten die Wissenschaftler wegen der geringen Anzahl und Qualitätsmängel der vorhandenen Studien keine Rückschlüsse ziehen. Keine der Studien verglich die verschiedenen Therapien untereinander, eine Beurteilung der relativen Wirksamkeit war daher nicht möglich.

 

Fazit

 

Bei der relativ geringen Anzahl von Studien, die den geforderten Kriterien genügten, reduzierten SSRI oder SNRI, Clonidin und Gabapentin die menopausalen Hitzewallungen, eine Generalisierung ist allerdings nur eingeschränkt möglich. Zudem lag die Wirksamkeit der alternativen Therapien niedriger als die Autoren vor zwei Jahren in einer ähnlichen Metaanalyse für Estrogen ermittelt hatten (Reduktion von minus 2,5 bis 3). Nebenwirkungen und Kosten schränken die generelle Anwendung bei vielen Frauen ein. Diese nichthormonellen Therapien könnten den Studienautoren zufolge am ehesten bei hochsymptomatischen Frauen, bei denen eine Hormonersatztherapie kontraindiziert ist, eine sinnvolle Alternative darstellen.

Quelle: Nelson, H. D., et al., JAMA 295 (2006) 2057-2071.

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