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Paracetamol

Neues Antidot geht in klinische Prüfung

20.06.2017  16:48 Uhr

Von Daniela Hüttemann / Das schwedische Unternehmen Pled Pharma hat eine klinische Studie mit dem experimentellen Wirkstoff Calmangafodipir (Aladote®) gestartet, der die Leber bei einer Paracetamol-Vergiftung schützen soll.

Der Arzneistoffkandidat soll an 24 Patienten auf seine Sicherheit und Verträglichkeit geprüft werden. Er wird kombiniert mit der bisherigen Standardtherapie N-Acetylcystein, um ein Leberversagen nach einer Paracetamol- Vergiftung zu verhindern. Der erste Patient wurde vor Kurzem behandelt.

 

 

»Während der ersten 24 Stunden nach einer Paracetamol-Vergiftung spüren die Patienten meist kaum oder keine Symptome«, erklärt Studienleiter Dr. James Dear in einer Pressemitteilung. »Daher kommen viele Patienten erst in einem späten Stadium in die Klinik, wenn die Standardbehandlung nicht mehr effektiv ein Leberversagen verhindern kann.« Calmangafodipir dagegen konnte in präklinischen Studien den Vergiftungsprozess auch in späteren Stadien deutlich mindern.

 

Der experimentelle Wirkstoff ist ein Derivat des bis 2012 in der EU verfügbaren intra­venösen Kontrastmittels Mangafodipir (MnDPDP, Teslascan®). Während Mangafodipir aus paramagnetischen Manganionen komplexiert mit dem Chelator Fodipir besteht, enthält Calmangafodipir auch Calciumionen [Ca4Mn(DPDP)5]. Die Substanzen werden spezifisch von Hepato­zyten in die Leber aufgenommen, während Lebermetastasen sie nicht aufnehmen und so im MRT dargestellt werden können. Wie Experimente zeigten, schützen die Substanzen jedoch auch vor oxidativem Stress durch reaktive Sauerstoffspezies. Calmangafodipir wirkt dabei nicht als spezifisches Paracetamol-Antidot. Pled Pharma testet das Mittel bereits unter dem Namen Pledox® als Schutz vor Nervenschäden durch Chemotherapie und hat eine ­Phase-IIb-Studie erfolgreich abgeschlossen. /

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