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Impfen

Was in der Schwangerschaft erlaubt ist

16.06.2008  11:57 Uhr

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Was in der Schwangerschaft erlaubt ist

Von Christina Hohmann

 

Einige Impfungen können Schwangere erhalten, andere sind dagegen fruchtschädigend. Insgesamt gilt derselbe Leitsatz wie für Medikamente: So viel wie nötig und so wenig wie möglich.

 

Wer ein Kind erwartet, ist besonders vorsichtig, ernährt sich gesund und vermeidet alles, was dem Ungeborenen schaden könnte. Dazu zählen neben Medikamenten auch Impfungen. Aber einige von diesen sind nicht nur erlaubt, sondern sogar empfohlen. So zum Beispiel alle Impfungen, die Schaden von der Mutter abwenden. Dies gilt vor allem für die Impfung gegen Tollwut, die indiziert ist, wenn die Schwangere Kontakt mit einem wilden Tier hatte, das mit Tollwut infiziert sein könnte. Dann ist eine postexpositionellen Prophylaxe durchzuführen, bei der gleichzeitig Tollwut-Immunglobulin zur passiven Immunisierung und Rabies-Totimpfstoff zur aktiven Immunisierung gegeben wird. Dies verhindert den Ausbruch der Erkrankung, die immer tödlich endet.

 

Ebenso wichtig ist eine Impfung gegen Tetanus, wenn die werdende Mutter nicht immunisiert ist. In diesem Fall sollte eine Grundimmunisierung unbedingt nachgeholt werden. Denn diese schützt nicht nur die Mutter, sondern kann auch den gefährlichen Neugeborenen-Tetanus verhindern. Die geimpfte Mutter gibt über die Plazenta entsprechende Antikörper an ihr Kind weiter. Durch diesen »Nestschutz« ist auch das Kind geschützt, bis es grundimmunisiert werden kann.

 

Der Wundstarrkrampf wird durch das Stäbchenbakterium Clostridium tetani verursacht. Eine Erkrankung bei Neugeborenen verläuft meist tödlich. Während die Erkrankung in Industrieländern kaum eine Rolle mehr spielt, sterben weltweit noch 400.000 Säuglinge pro Jahr an Tetanus. Sowohl die Tetanus- als auch die Tollwut-Impfung stellen für das Ungeborene nach aktuellem Kenntnisstand keine Gefahr dar und können zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft gegeben werden.

 

Totimpfstoffe, die keine lebenden Krankheitserreger enthalten, können generell in der Schwangerschaft verabreicht werden. Doch sie sollten nur zum Einsatz kommen, wenn sie aufgrund eines hohen Infektionsrisikos nötig sind. Hierzu zählen Impfungen gegen Diphtherie, Frühsommer-Meningoenzephalitis, Haemophilus influenzae Typ b, Hepatitis A und B, Influenza, Meningokokken, Pneumokokken und Poliomyelitis. Bei diesen Immunisierungen ist grundsätzlich der Nutzen für die Mutter gegen mögliche Risiken genau abzuwägen. Im ersten Schwangerschaftsdrittel sollten sie generell nicht gegeben werden.

 

Keinesfalls in der Schwangerschaft zu verabreichen sind Lebendimpfstoffe wie etwa gegen Masern, Mumps, Röteln oder Varizellen (Windpocken), die abgeschwächte Krankheitserreger enthalten. Sie sollten möglichst mindestens drei Monate vor einer Empfängnis gegeben werden.

 

Der Schutz gegen diese Erreger ist besonders wichtig, da eine Infektion der Mutter schwere Schäden beim Ungeborenen verursachen können. So führt eine Rötelninfektion in der Schwangerschaft in 60 bis 80 Prozent der Fälle zu Schäden wie Taubheit, Blindheit, Herzfehlern und geistiger Behinderung. Der Impfstatus gegen Röteln sollte daher vor einer geplanten Schwangerschaft geklärt werden.

 

Ähnliches gilt für Windpocken. Auch hier enthält der Impfstoff Lebendvirus, sodass der Einsatz in der Schwangerschaft kontraindiziert ist. Erkrankt die Mutter zwischen der 5. und 24. Woche an Varizellen, kann es in seltenen Fällen zu einer Fehlgeburt oder zu einem Varizellensyndrom kommen. Betroffene Kinder zeigen Hautanomalien wie Vernarbungen, unterentwickelte Gliedmaßen, ein geringes Geburtsgewicht, Lähmung mit Muskelschwund oder Augendefekte. Erkrankt die Mutter nach der 25. Woche kann es zu schweren generalisierten Varizellen beim Neugeborenen kommen, die eine Letalität von 20 Prozent haben. Wer eine Schwangerschaft plant, sollte daher den Immunstatus rechtzeitig prüfen. Wenn allerdings eine Impfung gegen Varizellen oder Röteln versehentlich in der Schwangerschaft gegeben wurde, ist dies kein Grund, die Schwangerschaft abzubrechen. Folgeschäden durch eine Immunisierung in der Schwangerschaft sind nicht bekannt. Der Fetus sollte aber engmaschig untersucht werden.

 

Viele Schwangerschaften sind nicht geplant. Doch wer einen Kinderwunsch hegt, sollte rechtzeitig den Impfpass beim Arzt vorzeigen und mögliche Impflücken schließen. Neben der genannten Impfung gegen Röteln und Varizellen ist auch ein Schutz gegen Tetanus, Diphtherie und Poliomyelitis wichtig. Bei diesen drei Erkrankungen ist laut Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) ohnehin alle zehn Jahre eine Auffrischimpfung nötig.

 

Ebenfalls vor einer Schwangerschaft sollte die Pertussis-Impfung aufgefrischt werden. Da es für diese Krankheit keinen Nestschutz gibt, sind Säuglinge vom Keuchhusten besonders bedroht. Die Mutter sowie alle Kontaktpersonen des Neugeborenen sollten gegen Pertussis geimpft sein, um das Neugeborene nicht anzustecken.

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