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Baby-Pucken

Gefahr für die Hüfte

15.06.2016  09:09 Uhr

Von Christina Hohmann-Jeddi / Pucken könnte die natürliche Reifung der Hüfte gefährden. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) in einer Pressemitteilung hin.

Der Trend, Säuglinge eng in Tücher oder Decken einzuwickeln, um sie zu beruhigen und das Einschlafen zu erleichtern, könnte zu einer Zunahme der Hüftfehlstellungen führen, befürchten die Experten. Internationale Daten stützen diese Vermutung.

»Beim klassischen Pucken werden die Beine in Streckstellung aneinander gebunden«, erläutert DEGUM-Expertin Dr. Tamara Seidl, Oberärztin der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie, Wirbelsäulenchirurgie am Franziskus Hospital in Bielefeld. Je nach Dauer des Puckens wirken hier Kräfte, die das Wachstum der Hüfte verändern und verlangsamen. Die Hüfte reift nicht normal aus und es kann sich eine sogenannte Hüftdysplasie entwickeln, bei der Gelenkkopf und -pfanne nicht aufeinander passen. »Das geht bis hin zum Ausrenken des Gelenks«, betont Seidl und schildert ein Fallbeispiel aus der eigenen Praxis: »Das Kind war beim Ultraschall nach der Geburt unauffällig, und zunächst konnte sich keiner erklären, warum es im Alter von fünf Wochen plötzlich diese Hüftreifungsstörung gab«, berichtet die Medizinerin. »Im Gespräch stellte sich dann heraus, dass das Kind gepuckt wurde.«

 

Problematisch wird es insbesondere dann, wenn die Veränderungen erst nach der dritten Vorsorgeuntersuchung auftreten. Denn bei der sogenannten U3 in der vierten bis fünften Lebenswoche untersuchen Kinderärzte die Hüften der Kinder per Ultraschall und könnten die Schäden noch entdecken.

 

Aktuelle Daten aus Australien zeigen, dass sich die Zahl der nach dem dritten Lebensmonat diagnostizierten Hüftdysplasie-Fälle innerhalb weniger Jahre verdreifacht hat – trotz eines frühen klinischen Screenings. »Die Ursachen für diese Entwicklung der letzten Jahre sind nicht ganz klar, aber ein Zusammenhang mit dem Pucken ist sehr wahrscheinlich«, so Seidl. So zeigt zum Beispiel eine Untersuchung aus der Türkei, dass Pucken der Hauptrisikofaktor für die Entwicklung einer Hüftdysplasie ist – noch vor einer positiven Familienanamnese, weiblichem Geschlecht und Geburt aus Beckenend­lage. In einigen Ländern, etwa der Türkei oder Japan, sollen Aufklärungskampagnen die Eltern von der umstrittenen Wickelmethode abbringen. /

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