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Morbus Alzheimer

Makrophagen putzen Plaques weg

09.06.2008
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Morbus Alzheimer

Makrophagen putzen Plaques weg

Von Christina Hohmann

 

Das Ausschalten einer Signalkaskade des Immunsystems lockt Makrophagen ins Gehirn, wo sie die für Alzheimer spezifischen Amyloid-Plaques beseitigen. Dies entdeckten US-amerikanische Forscher zufällig bei Untersuchungen an Mäusen.

 

Im Gehirn von Alzheimer-Patienten bilden sich Ablagerungen von β-Amyloid-Peptiden, die sogenannten Plaques. Diese schädigen die benachbarten Nervenzellen und stimulieren Mikrogliazellen, die Hauptzellen der aktiven Immunabwehr im Zentralnervensystem, zu entzündlichen Reaktionen (siehe dazu Amyloid-Plaques als Henne oder Ei?, PZ 07/2008). Wissenschaftler vermuten daher, dass Alzheimer-Patienten geheilt werden könnten, wenn sich die Plaques und damit auch die Entzündungen beseitigen ließen.

 

Dr. Terrence Town vom Cedars Sinai Medical Center und Professor Dr. Richard Flavell von der Yale University untersuchten schon seit einer Weile die Schnittstelle zwischen Gehirn und Immunsystem. »Unserer Ansicht nach ist diese chronische, geringfügige Entzündung im Gehirn von Alzheimer-Patienten schädlich, und wir suchen einen Weg, die Immunreaktionen in eine therapeutische Wirkung umzuwandeln«, sagt Town. Dabei konzentrierten sich die Forscher auf das immunsuppressive Molekül Transforming Growth Factor-beta (TGF-β), das in Gehirnen von Betroffenen hochreguliert ist.

 

Town und seine Mitarbeiter arbeiteten mit gentechnisch veränderten Mäusen, die zur Plaques-Bildung und somit zur Alzheimerdemenz neigen. Bei diesen Tieren blockierten sie TGF-β und die angeschlossene Signalkaskade in den peripheren Makrophagen, also Immunzellen außerhalb des Gehirns. Die Wissenschaftler gingen davon aus, dass diese Blockade des immunsuppressiven Signals die Alzheimer-Pathologie verschlechtern würde, weil die Makrophagen außer Kontrolle geraten könnten. Doch das Gegenteil trat ein: Die Mäuse schnitten in kognitiven Tests besser ab als vorher, berichten die Forscher im Fachjournal »Nature Medicine« (Doi: 10.1038/nm1781). Bei der Untersuchung der Nagergehirne stellten die Wissenschaftler zudem fest, dass die Zahl der Amyloid-Plaques deutlich zurückgegangen war – zum Teil um 90 Prozent. Weitere Tests zeigten, dass Makrophagen aus dem Blut ins ZNS eingewandert waren und dort die Plaques »wie Staubsauger« beseitigt hatten, schreiben die Forscher.

 

»Die peripheren Makrophagen wurden von den Plaques angezogen, umhüllten diese, und durch die Blockade des TGF-β-Signals schienen sie die Plaques gieriger zu verschlingen, als normale Makrophagen dies tun würden«, sagt Town.

 

Wenn sich die Ergebnisse aus dem Tiermodell beim Menschen wiederholen ließen, hätte man ein neues Target für die Alzheimertherapie: TGF-β. Wirkstoffe, die dieses Molekül im Blut hemmen, könnten Makrophagen stimulieren, die Blut-Hirn-Schranke zu überqueren und die Amyloid-Ablagerungen zu beseitigen und damit das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten.

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