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Schmerztherapie

Apotheker können Brücken bauen

07.06.2017
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Von Stephanie Schersch, Berlin / In der Behandlung von Schmerzpatienten führen Schnittstellen häufig zu Problemen. Apotheker können helfen, diese Lücken zu schließen, denn bei ihnen laufen viele Informationen zusammen.

»Eigentlich muss heute niemand mehr unter Schmerzen leiden«, sagte der Patientenbeauftragte des Deutschen Apothekerverbands, Berend Groeneveld, am Dienstag in Berlin. »Wir haben wirksame Medikamente, die aber nicht immer richtig eingesetzt werden.« In Deutschland kämpft nach Angaben der Deutschen Schmerzgesellschaft rund jeder Viertel (27 Prozent) mit chronischen Schmerzen. 

 

Ein Problem in der Versorgung dieser Patienten liegt in der mangelnden Abstimmung zwischen Haus- und Fachärzten sowie Pflegediensten. So erhalten die Betroffenen häufig verschiedene Schmerzmittel von unterschiedlichen Medizinern. Auch bei der Entlassung des Patienten aus dem Krankenhaus fehlt häufig die Kommunikation.

 

In der Apotheke liefen alle Medikationsdaten zusammen, sagte Groeneveld. »Wir müssen die pharmazeutische Kompetenz der Apotheker besser in die Schmerzbehandlung einbinden.« Bereits heute koordinierten Apotheker häufig Haus- und Fachärzte miteinander, um Doppelverordnungen und Wechselwirkungen zu verhindern. »Die größte He­rausforderung bleibt die Vernetzung der unterschiedlichen Akteure.«

 

Gesamtmedikation im Blick

 

Darüber hinaus seien die Apotheker aber auch in der Beratung zu rezeptfreien Schmerzmitteln gefordert, betonte Groeneveld. Damit es zu keinen Interaktionen zwischen einzelnen Präparaten kommt, sollten sich die Patienten möglichst für eine Stammapotheke entscheiden und ihre Gesamtmedikation vom Apotheker überprüfen lassen.

 

Aus Sicht der Deutschen Schmerzgesellschaft ist die mangelnde Vernetzung nicht das einzige Problem in der Behandlung von Schmerzpatienten. »Wir brauchen einen besseren Zugang zu Schmerzspezialisten, beispielsweise im Rahmen einer Therapie, die auch Physiotherapeuten und Schmerzpsychologen in die Behandlung eng einbezieht«, forderte Professor Martin Schmelz, Präsident der Schmerzgesellschaft. Derzeit dauere es oftmals Jahre, bis Patienten die richtige Therapie erhielten.

 

Probleme gebe es auch in den Krankenhäusern. So sei die Akutbehandlung in rund der Hälfte der Kliniken Studien zufolge nicht optimal geregelt, sodass Patienten unnötige Schmerzen litten. Schmelz sprach sich daher für eine Art Schmerz-Indikator aus, der ähnlich wie im Bereich der Hygiene die Qualität transparent machen soll. »Die Krankenhausqualität muss auch bei der Schmerzbehandlung besser und vergleichbar werden«, sagte er.

 

Seit März können Ärzte ihren Patienten in bestimmten Fällen auch Cannabis zur Schmerzlinderung verschreiben. Die Umsetzung der Neuregelung führt Schmelz zufolge allerdings zu Problemen. So seien Patienten, die Cannabis zur medizinischen Zwecken bereits vor der Novelle mit einer Ausnahmegenehmigung beziehen konnten, heute oftmals schlechter gestellt und erhielten eben keine Kostenerstattung durch die Krankenkasse. »Das darf so nicht sein«, sagte Schmelz. Groeneveld begrüßte die Gesetzesänderung grundsätzlich, wies jedoch darauf hin, dass die Dosiergenauigkeit bei Cannabisblüten schwierig sei. Zudem gebe es bislang kaum Daten zu Wechsel- und Nebenwirkungen. /

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