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Kette 2.0 ?

21.05.2013
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Celesio und seine Großhandelstochter Gehe haben sich in den vergangenen Monaten Vertrauen zurück erkämpft. Nach der Ära Oesterle wurden die Pläne für eine deutsche Apothekenkette zu den Akten gelegt. In anderen Ländern setzt das Unternehmen allerdings mehr denn je auf eigene Apotheken. Müssen sich deutsche Apotheker wieder Sorgen machen?

 

Eine Antwort darauf ist nicht einfach. Seit dem Wechsel an der Konzernspitze hat Oesterles Nachfolger Markus Pinger viel unternommen, die Schatten der Vergangenheit zu beseitigen. Der Versender DocMorris wurde verkauft. Die als Keimzelle einer Apothekenkette geplante Markenpartner-Kooperation dümpelt mit rund 160 DocMorris-Apotheken vor sich hin. Viele Celesio-Mitarbeiter, die am Fall des Fremdbesitzverbots in Deutschland gearbeitet haben, wurden entlassen. In der PZ vom 7. März 2013 sagte Pinger: » Wir meinen es ernst mit der Aussage, dass wir nicht am Eigentum der Apotheker rütteln. DocMorris war falsch.« Also alles in der Spur?

 

Nein! Unter dem Namen der britischen Apothekenkette Lloyds baut Celesio eine europäische Apothekenstruktur auf. Pinger nannte diese in der Celesio-Hauptversammlung vergangene Woche zwar »Netzwerk«, tatsächlich soll sie aber mehrheitlich aus konzerneigenen Apotheken bestehen (lesen Sie dazu Celesio: Zuversicht nach schwachem Start). Derzeit läuft die Pilotphase. Unter dem gemeinsamen Markennamen Lloyds sollen die Apotheken einheitliche Services in einheitlichem Apothekendesign anbieten. Für Pinger ist das Netzwerk ein wichtiger Baustein für steigende Erträge der nächsten Jahre. In Deutschland gibt es noch keine Lloyds-Apotheken. Sie sind aber in Planung – nicht als Kette, sondern als Kooperation. Ob sie ein Erfolg werden, ist zweifelhaft. Es ist unklar, wie viele deutsche Apotheker ihren Betrieb in einer Kooperation mit dem Namen einer britischen Apotheke betreiben wollen.

 

Warum Celesio den Namen Lloyds in Deutschland einführen will, bleibt ein Rätsel. Der Großhändler schadet sich selbst und verspielt neues Vertrauen direkt wieder. Es wäre voreilig, Celesio wieder unter Generalverdacht zu stellen. Auf der anderen Seite sind die Stuttgarter Netzwerk­pläne keine Banalität. Wer in anderen Staaten Tausende Apotheken betreibt, der muss damit rechnen, dass Apotheker sich fragen, ob ein Netzwerk später auch in Deutschland der Kette 2.0 die Tür öffnen soll. Dann wären alle vertrauensbildenden Maßnahmen für die Katz gewesen.

 

Daniel Rücker

Chefredakteur

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