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Jugendgesundheit

Sozial schwache Kinder im Nachteil

22.05.2007
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Jugendgesundheit

Sozial schwache Kinder im Nachteil

Von Christina Hohmann

 

85 Prozent der Kinder in Deutschland sind gesund, aktiv und glücklich. Dies ergab der große Kinder-und Jugendgesundheits-Survey (KiGGS) des Robert-Koch-Instituts. Nur Kinder mit Migrationshintergrund und aus sozial schwachen Familien haben weniger Glück: Sie neigen stärker zu Übergewicht, Essstörungen und psychischen Auffälligkeiten als andere.

 

In der Gesamtsicht biete sich ein Bild, das optimistisch stimme, erläuterte RKI-Studienleiterin Bärbel-Maria Kurth. »Wir haben hier nicht die kranke, dicke, faule und depressive Generation«, sagte sie bei der Vorstellung der KiGGS-Ergebnisse in Berlin. Forscher des RKI befragten für die Studie drei Jahre lang 17.600 Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre, untersuchten sie zum Teil medizinisch und interviewten auch die Eltern. Damit ist KiGGS vermutlich die größte epidemiologische Studie in Deutschland. Sie bildet nicht nur die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen ab, sondern auch ihren Sozialstatus über den Bildungsgrad und die berufliche Stellung der Eltern sowie das Haushaltsnettoeinkommen. Auch Kinder aus Einwandererfamilien wurden entsprechend ihres Anteils an der Bevölkerung berücksichtigt. Die Ergebnisse des Surveys sind jetzt in einer Doppelausgabe des Bundesgesundheitsblattes erschienen.

 

Während die Mehrheit der Jugendlichen gesund ist, häufen sich bei etwa 15\x0fProzent Bewegungsarmut, Übergewicht und psychische Auffälligkeiten. Dies sind vor allem Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen und ausländischen Familien. Sie weisen in allen Bereichen der Gesundheit und Lebensqualität schlechtere Ergebnisse auf, berichtete Kurth. So werden sie seltener gestillt, geimpft und zum Arzt gebracht. Sie rauchen häufiger und neigen stärker zu Übergewicht, Essstörungen und psychischen Problemen.

 

Den Daten zufolge zeigt mehr als jedes fünfte Kind psychische Auffälligkeiten wie Ängste, Depressionen, Aggressivität oder ein gestörtes Sozialverhalten. Am häufigsten treten Essstörungen auf, die mittlerweile 29 Prozent der Mädchen und 15 Prozent der Jungen zwischen 11 und 17 Jahren betreffen. Übergewicht wird auch zu einem großen Problem: 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind zu dick oder sogar adipös. Insgesamt sei eine Verschiebung von akuten zu chronischen Erkrankungen zu beobachten, sagte Kurth. Hierzu zählen neben Fettleibigkeit und psychischen Erkrankungen auch Asthma und Allergien. Am häufigsten treten Bronchitis (13,3 Prozent), Neurodermitis (13,2 Prozent) und Heuschnupfen (10,7 Prozent) auf. Insgesamt 23 Prozent der Kinder und Jugendlichen haben Allergien, wobei hier Kinder aus sozial schwachen Familien unterdurchschnittlich betroffen sind. Die Studiendaten sollen als Grundlage für zukünftige Politik, vor allem für das für 2008 geplante Präventionsgesetz, dienen.

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