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Worte und Taten

13.05.2015  10:13 Uhr

Taten sagen mehr als tausend Worte. Nirgendwo kommt dieses Sprichwort stärker zum Tragen als in der Politik. Große Versprechen gehören zum Geschäft einer jeden Partei, von Bedeutung ist letztlich jedoch nur die Umsetzung dieser Ideen. Fritz Becker, Chef des Deutschen Apothekerverbands (DAV), zieht vor diesem Hintergrund eine ernüchterte Bilanz nach eineinhalb Jahren Große Koalition. Denn allen Ankündigungen zum Trotz hat sich die Bundesregierung bislang nur wenig um die Belange der Apotheker geschert (lesen Sie dazu Honorierung: Becker sieht Politik in der Pflicht).

 

Dabei ist der Handlungsdruck groß. Die deutschen Apotheken hinken der wirtschaftlichen Entwicklung seit Jahren hinterher. Das geht aus aktuellen Zahlen der ABDA hervor, die sie jetzt beim DAV-Wirtschafts­forum in Berlin präsentierte. (Wirtschaftsbericht 2014: Schleppendes Wachstum). In den vergangenen zehn Jahren ist das Honorar der Apotheker gerade einmal halb so stark gestiegen wie das Bruttoinlandsprodukt. Zwar gab es beim Betriebsergebnis 2014 verhalten positive Zahlen. Trotzdem stehen Apotheker heute kaum besser da als 2002. Bereinigt um die Inflation liegen hinter ihnen faktisch zwölf Jahre Stagnation.

 

Die Politik sollte diese Zahlen nicht ignorieren. Will sie auch langfristig eine flächendeckende und gute Arzneimittelversorgung, muss sie die Nöte der Apotheker ernst nehmen. Seit Langem drängen sie auf eine bessere Vergütung ihrer Arbeit. Tatsächlich sind Betäubungsmittel und Rezepturen heute ein reines Zuschussgeschäft. Auch beim Fixhonorar sollte die Koalition nachbessern. Hier muss eine regelmäßige Anpassung zur Vorschrift werden, damit die Apotheker den Anschluss nicht gänzlich verlieren.

 

Hoffnung weckte beim Wirtschaftsforum eine Äußerung der Union. Im Herbst wird die Koalition voraussichtlich über ein Gesetz beraten, in dem sie die Ergebnisse des Pharmadialogs, ein gemeinsames Strategie­forum von Herstellern und Bundesregierung, zusammenfassen will. Dabei könnten auch Fragen der Apothekervergütung auf der Agenda stehen, kündigte CDU-Arzneimittelexperte Michael Hennrich an. Bleibt zu hoffen, dass diesen Worten am Ende tatsächlich Taten folgen.

Stephanie Schersch

Ressortleitung Politik & Wirtschaft

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