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Ebola-Überlebende

Virus persistiert im Auge

13.05.2015  10:12 Uhr

Von Christina Hohmann-Jeddi / Das Ebola-Virus kann auch Monate nach einer abgeklungenen Infektion im Auge persistieren und dort Probleme bereiten. Das berichten US-Mediziner um Dr. Stephen Yeh vom Emory Eye Center in Atlanta im »New England Journal of Medicine« anhand eines Fallberichts (DOI: 10.1056/NEJMoa1500306).

Ein 43-jähriger US-amerikanischer Arzt hatte sich bei seinem Einsatz in Sierra Leone mit dem Erreger infiziert und war Anfang September 2014 wenige Tage nach der Diagnose nach Atlanta ausgeflogen worden. Dort wurde er am Emory University Hospital behandelt und konnte nach 40 Tagen intensiver Therapie inklusive künstlicher Beatmung und Dialyse als geheilt entlassen werden.

Bereits kurz nach der Entlassung traten neue Symptome auf. Zum einen entwickelte der Patient Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich und Parästhesien (Missempfindungen) in den unteren Extremitäten. Zum anderen stellten sich ophthalmologische Symptome ein, wie Abnahme der Sehkraft, beidseitiges Brennen der Augen, Fremdkörpergefühl und Lichtempfindlichkeit. Bei einer Untersuchung des Augenhintergrunds zwei Monate nach der Entlassung entdeckten Ophthalmologen Narben mit minderpigmentierten Umrandungen auf der Netzhaut.

 

Einen Monat später entwickelte der Patient am linken Auge starke Beschwerden: Es war gerötet, der Patient sah verschwommen, der Augeninnendruck war deutlich erhöht. Die Diagnose lautete Uveitis (Entzündung der mittleren Augenhaut). Als sich diese trotz einer Therapie mit Cortison-haltigen und den Augeninnendruck senkenden Augentropfen nicht besserte, entnahmen die Mediziner Flüssigkeit aus dem Augeninneren und ließen diese in einem Speziallabor auf Erreger testen. In der Probe ließ sich das Ebola-Virus mittels PCR und in Kultur nachweisen. Innerhalb weniger Tag klang die Uveitis ab und die Sehkraft erholte sich wieder.

 

Augenprobleme kommen bei Ebola-Überlebenden relativ häufig vor. Laut Aussagen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind etwa 50 Prozent betroffen. Das Auge gehöre neben etwa dem Gehirn und den Gonaden zu den immunprivilegierten Organen, in denen Viren auch nach Abklingen der Infektion überleben können, schreiben die Autoren. Ein Infektionsrisiko stelle dies aber nicht dar: Bindehaut und Tränenflüssigkeit des Patienten waren negativ auf das Virus getestet worden. /

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