Pharmazeutische Zeitung online
Ausbildungs-Leitfaden

PhiP in der Apotheke

12.05.2015  16:22 Uhr

Von Birgit Vogt und Berit Winter / Unter dem Dach der Bundes­apothekerkammer haben Vertreter der Apothekerkammern der Länder, der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft und des Bundesverbands der Pharmaziestudierenden in Deutschland erstmals eine zeitliche und inhaltliche Anleitung für die Ausbildung der Pharmazeuten im Praktikum (PhiP) in der Apotheke erarbeitet.

Die Approbationsordnung für Apotheker trifft zwar Vorgaben für die Inhalte der praktischen Ausbildung der PhiP im dritten Ausbildungsabschnitt, aber sie sind vergleichsweise allgemein gehalten. Dadurch bietet sich bundesweit ein sehr heterogenes Bild der Ausbildung in der öffentlichen Apotheke. Dies musste auch eine Arbeitsgruppe der Bundesapothekerkammer feststellen, die sich derzeit mit den Möglichkeiten der Verbesserung der Ausbildungsqualität im dritten Ausbildungsabschnitt beschäftigt. Der Leitfaden für die praktische Ausbildung von Pharmazeuten im Praktikum in der Apotheke soll Abhilfe schaffen.

Er richtet sich sowohl an ausbildende Apotheker als auch an PhiP und bietet für beide eine Orientierung zum Aufbau der Ausbildung und der dabei zu entwickelnden Kompetenzen. Ergänzend dazu offeriert der Leitfaden inhaltliche Unterstützung bei verschiedenen Themen. Er ist dreiteilig aufgebaut und beinhaltet einen Musterausbildungsplan, Arbeitsbögen sowie Evaluationsbögen.

 

Der Musterausbildungsplan ist eine Empfehlung für die zeitliche und inhaltliche Strukturierung der praktischen Ausbildung von PhiP in der Apotheke. Er ist auf sechs Monate ausgelegt, kann aber auch auf zwölf Monate angewendet werden. Die zu vermittelnden Inhalte werden den Kernbereichen Warenwirtschaft/Apothekenbetrieb, Prüfung und Herstellung sowie Information und Beratung zugeordnet. Sie bauen aufeinander auf und sind kompetenzorientiert formuliert, das heißt, es wird beschrieben, was der PhiP zu einem bestimmten Zeitpunkt der Ausbildung verstehen beziehungsweise können sollte. Zudem sind regelmäßige, mindestens einmal monatliche Praktikumsgespräche mit dem ausbildenden Apotheker vorgesehen, in denen die Entwicklung sowie der weitere Verlauf der Ausbildung besprochen werden sollen.

 

Regelmäßige Gespräche

 

Der Musterausbildungsplan bietet genügend Platz, um sowohl den Ansprechpartner des PhiP für den genannten Ausbildungsbereich als auch den zu einem bestimmten Zeitpunkt vermittelten Ausbildungsinhalt zu vermerken. Ergänzt wird der Plan durch die Arbeitsbögen, mit deren Hilfe sich der PhiP mit insgesamt 26 verschiedenen praxisrelevanten Themen in der Apotheke vertiefend beschäftigen kann (siehe Kasten). Sie beruhen – soweit vorhanden – auf den Leitlinien, Arbeitshilfen und Leitfäden der Bundesapothekerkammer beziehungsweise der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.

Teilnahme

Der Leitfaden wird derzeit über die Apothekerkammern, die Hochschulen und die Studenten verbreitet. Er soll dazu beitragen, die praktische Ausbildung in den Apotheken qualitativ anzugleichen und insgesamt zu verbessern. Doch dazu muss er umgesetzt werden – sowohl vom Apotheker als auch vom PhiP. Helfen Sie bei der Umsetzung mit, indem Sie als Apotheker Ihrem PhiP diese Ausbildungsoption anbieten oder indem Sie als PhiP Ihren Ausbildungsapotheker auf den Leitfaden hinweisen.

Die Bearbeitung der einzelnen Themen soll anhand praktischer Beispiele eigenständig während der Arbeitszeit in der Apotheke erfolgen. Derzeit können die Bögen handschriftlich ausgefüllt werden, die elektronische Bearbeitung ist in Planung. Beim Umgang mit den Arbeitsbögen ist der Datenschutz zu beachten – entsprechende Hinweise finden sich sowohl im Leitfaden als auch auf den einzelnen Bögen.

 

Welcher Arbeitsbogen im jeweiligen Ausbildungsmonat bearbeitet werden sollte, steht im Musterausbildungsplan. Die Empfehlungen können jedoch an die Gegebenheiten in der Ausbildungsapotheke und an die individuellen Bedürfnisse des PhiP angepasst werden. Je nach Fragestellung ist nicht immer die vollständige Bearbeitung notwendig beziehungsweise können die Bögen auch mehrfach mit verschiedenen Beispielen oder unterschiedlichen Fragestellungen ausgefüllt werden. Im Anschluss an die Bearbeitung sollte der ausbildende Apotheker die Arbeitsbögen zeitnah kontrollieren und anschließend mit dem PhiP auswerten.

 

Feedback erwünscht

 

Der Leitfaden ist ein Novum im Rahmen der Apothekerausbildung, insofern kommt der Evaluation eine besondere Bedeutung zu. Es gibt sowohl einen Evaluationsbogen für ausbildende Apotheker als auch für PhiP. Die Rückmeldungen werden an die zuständige Apothekerkammer erbeten und dienen dazu, den Leitfaden stetig zu verbessern. Weitere Informationen sind über www.abda.de beziehungsweise bei den Apothekerkammern erhältlich. Von der ABDA-Homepage können einzelne Elemente oder der komplette Leitfaden heruntergeladen werden. /

Arbeitsbögen in der Übersicht

  1. Haltbarkeit, Lagerung und Entsorgung der Fertigarzneimittel, Medizinprodukte, apothekenüblichen Waren und Ausgangsstoffe
  2. Das Warenwirtschaftssystem
  3. Prüfung der Ausgangsstoffe
  4. Prüfung der Fertigarzneimittel und apothekenpflichtigen Medizinprodukte
  5. Herstellung von Rezeptur­arzneimitteln
  6. Arzneimittelberatung – Selbstmedikation
  7. Qualitätsmanagementsystem – QMS
  8. Arzneimittelinformation
  9. Dokumentation bei Erwerb und Abgabe von Arzneimitteln
  10. Dokumentation des Betriebs von Medizinprodukten
  11. Arzneimittelberatung – ärztliche Verordnung
  12. Körperpflegemittel
  13. Wundversorgung und Verbandmittel
  14. Inkontinenzversorgung
  15. Risiken bei Arzneimitteln und Medizinprodukten
  16. Arzneimittelabhängigkeit, -missbrauch und Doping
  17. Abgabe von Gefahrstoffen
  18. Arzneimittelberatung – Interaktions-Check
  19. Hilfsmittelversorgung und -beratung
  20. Das Rezept – rechtliche Grundlagen und Abrechnung
  21. Bestimmung physiologischer Parameter – Blutuntersuchungen
  22. Bestimmung physiologischer Parameter – Blutdruckmessung
  23. Bestimmung physiologischer Parameter – Bestimmung der Körperfettverteilung
  24. Darreichungsformen – Auswahl und Beratung
  25. Impfberatung
  26. Medikationsanalyse

Mehr von Avoxa