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Grippemittel

Regierung verteidigt Vorräte

14.05.2014
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Von Stephanie Schersch / Die Bundesregierung hält an der Bevorratung mit den umstrittenen Grippepräparaten Tamiflu® und Relenza® vorerst fest. Auf eine entsprechende Vorsorge zum Schutz der Bevölkerung könne man schlichtweg nicht verzichten, schreibt Gesundheitsstaatssekretärin Ingrid Fischbach (CDU) in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen.

Hintergrund der Anfrage ist eine Bewertung der beiden Arzneimittel durch die renommierte Cochrane Collaboration, die vor einigen Wochen ein ernüchterndes Fazit gezogen hatte. Demnach schützen beide Präparate nicht vor den schweren Komplikationen einer Grippe. Deutlich stärker als bislang bekannt fallen hingegen die Nebenwirkungen aus.

 

Keine überlegene Therapie

 

Die Bundesregierung verweist in ihrer Antwort auf die Einschätzung der Zulassungsbehörden. Diese bewerteten Tamiflu und Relenza trotz der nun vorliegenden Daten nach wie vor mit einem positiven Nutzen-Risiko-Verhältnis und sähen auch keine Veranlassung, daran etwas zu ändern, so Fischbach. Darüber hinaus führe die Analyse der Cochrane-Wissenschaftler nicht zu dem Schluss, »dass ein Verzicht auf die Anwendung von Neuraminidasehemmern bei einer schwerwiegenden Influenzapandemie die Bevölkerung bis zur Verfügbarkeit wirksamer Impfstoffe besser schützen würde«.

Fischbach zufolge gibt es nach derzeitigen Kenntnissen bislang keine Tamiflu und Relenza überlegene Alternativtherapie. Der sogenannte Pandemieplan enthält hierzulande bislang die Empfehlung, eine gewisse Menge dieser antiviralen Arzneimittel vorzuhalten, die im Ernstfall schnell zum Einsatz kommen können.

 

Auch andere europäische Länder lagerten entsprechende Vorräte ein, so Fischbach. Allerdings überarbeiteten Bund und Länder den deutschen Pandemieplan derzeit, auch die Ergebnisse des Cochrane-Reviews würden dabei berücksichtigt. Aktuell stelle sich die Frage einer weiteren Bevorratung allerdings nicht, da Bund und Länder über ausreichende Mengen Neuraminidasehemmer verfügten.

 

Die Grünen-Gesundheitsexpertin Kordula Schulz-Asche kritisierte das Vorgehen der Bundesregierung scharf. Diese halte weiter an einer Bevorratung fest, »wohlwissend, dass der Nutzen marginal und die Kosten immens hoch sind«. Da­rüber hinaus begründe die Regierung die Einlagerung ausschließlich mit dem Verweis auf die Zulassung der Arzneimittel. »Sie blendet die neuen wissenschaftlichen Ergebnisse völlig aus und drückt sich vor einer Kosten-Nutzen-Bewertung der Medikamente«, so Schulz-Asche. /

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