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Krankenkassen-Finanzreform

Opposition rügt Gesetzentwurf

14.05.2014
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Von Anna Hohle / Politiker von Grünen und Linken halten die geplante Reform der Krankenkassenfinanzierung für verfehlt. In einer ersten Parlamentsdebatte bezeichneten sie den Gesetz­entwurf als ungerecht und unsozial.

Ende März hatte die Koalition den Entwurf eines Gesetzes zur Weiterentwicklung der Finanzstruktur und der Qualität in der Gesetzlichen Krankenversicherung beschlossen. In der vergangenen Woche wurde er nun erstmals im Plenum des Bundestags diskutiert. Der Entwurf sieht unter anderem vor, den allgemeinen Krankenkassen-Beitragssatz von derzeit 15,5 auf 14,6 Prozent zu senken. Während der Anteil der Arbeitgeber jedoch auch weiterhin eingefroren bleibt, sollen die Kassen von den Versicherten künftig einen prozentualen Zusatzbeitrag verlangen dürfen.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) bezeichnete den Gesetzentwurf vergangene Woche als zukunftsfest. Jede Kasse dürfe künftig eigenständig über den Beitragsanstieg bestimmen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, würden viele von ihnen 2015 voraussichtlich niedrige Beiträge verlangen, so Gröhe. Dem widersprach Linken-Gesundheitsexperte Harald Weinberg. Erst sieben Kassen hätten bislang niedrigere Beiträge für das kommende Jahr angekündigt, warnte er. So würden lediglich 9 Millionen der 50 Millionen Beitragszahler entlastet. Auch sei absehbar, dass die Kassen aufgrund der Kürzung des Bundeszuschusses zum Gesundheitsfonds und steigender Kosten im Gesundheitswesen sehr schnell mehr Geld von den Versicherten verlangen werden.

 

Die Grünen-Gesundheitsexpertin Maria Klein-Schmeink sprach von einem fatalen Systemwechsel zulasten der Versicherten. Der Gesetzentwurf sei zutiefst ungerecht und unrational, erklärte sie. Die Kassen müssten bald auf jeden Cent schauen und würden deshalb an den Leistungen für die Versicherten sparen. »Das ist ein Fehler und ein Raubbau an der Solidarität im Gesundheitswesen«, sagte Klein-Schmeink. Sabine Dittmar von der SPD räumte ein, der Entwurf sei »sicher nicht die Erfüllung sozialdemokratischer Vorstellungen«. Man habe jedoch Kompromisse machen müssen. Immerhin seien die Regelungen gerechter als noch unter der schwarz-gelben Koalition. /

Das Krampfaderleiden ist eine Volkskrankheit. Etwa 50 bis 80 Prozent der Bevölkerung leiden an einer solchen Varikose in unterschiedlich starker Ausprägung. Bei 25 bis 50 Prozent der Betroffenen sind die Veränderungen an den Venen nur leicht, bei etwa 5 bis 15 Prozent ist das Stadium aber bereits fortgeschritten. Die Krankheit betrifft Frauen dreimal häufiger als Männer. Die Prävalenz steigt mit zunehmendem Alter.

 

»Ursache für eine Venenerkrankung ist meist eine Bindegewebsschwäche, die erblich bedingt, aber auch hormonell ausgelöst sein kann, beispielsweise in der Schwangerschaft«, sagt Dr. Bettina Kleis-Fischer, Oberärztin an der Abteilung für Phlebologie an der Hautklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz, gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung. »Weitere Risikofaktoren sind Bewegungsmangel, Übergewicht, die Einnahme von Hormonen wie der Antibabypille oder Hormonersatztherapien und das Rauchen.« Auch bei einer vorliegenden Rechtsherzinsuffizienz, venösen Thrombosen oder Leberzirrhose treten Varizen häufiger auf.

 

Überdehnte Gefäße

 

Etwa 95 Prozent der Betroffenen leidet an einer primären (idiopathischen) Varikose. Die genaue Ursache ist unbekannt, Ärzte vermuten aber, dass eine angeborene oder altersbedingte Schwäche der Venenwände und/oder Venenklappen zugrunde liegt. Als Folge tritt eine Venenklappeninsuffizienz auf: Die Venenwände weiten sich und die Venenklappen schließen nicht mehr richtig. Dadurch ist der Rücktransport des Bluts zum Herzen erschwert. Das Blut staut sich in den Venen und überdehnt sie. Bei einem permanenten Rückstau in den Beinen, dem chronisch venösen Stauungssyndrom, drohen Hautveränderungen bis hin zum offenen Bein. Die Überbeanspruchung der Blutgefäße führt zu den krankhaften, von außen erkennbaren Veränderungen.

 

Selten ist das sekundäre Krampfaderleiden, das sich bei Vorliegen einer Thrombose oder eines Tumors entwickeln kann. Weitere mögliche Ursachen für die sekundäre Varikose sind eine Rechtsherzschwäche oder Schwangerschaft.

 

Nicht nur kosmetisch belastend

 

Im Anfangsstadium stört die überwiegend weiblichen Patienten vor allem das optische Erscheinungsbild der hervortretenden Venen. Im weiteren Verlauf bemerken die Betroffenen die ersten Symptome, die sich als Schwere- oder Müdigkeitsgefühl in den Beinen äußern. Die Beschwerden sind oft durch langes Stehen oder Sitzen verursacht und verschwinden bei Bewegung oder im Liegen wieder. Verschlimmernd wirkt sich oft Wärme aus, bei Frauen kann das Schweregefühl vor der Menstruation besonders ausgeprägt sein. Weitere Symptome sind nächtliche Fuß- und Wadenkrämpfe sowie im Tagesverlauf zunehmende Ödeme, die sich meistens an den Knöcheln bilden. Bei fortschreitender Krankheit entwickeln sich bräunliche Hautverfärbungen an den Beinen. Die Schmerzen sind jetzt meist brennend oder stechend, viele Patienten spüren zudem ein Jucken und eine ungewohnte Wärme in den Beinen. In einigen Fällen verhärtet die Haut und fällt durch ein glänzendes Schimmern auf.

 

Früh therapieren

 

Da sich außer im Rahmen einer Schwangerschaft Varizen ohne Behandlung nicht wieder zurückbilden, sollten Betroffene den Arztbesuch nicht zu lange hinauszögern. Eine frühzeitige Behandlung bei einem Internisten, Phlebologen oder Angiologen ist wichtig, um Folgeschäden und schlimmstenfalls lebensbedrohliche Komplikationen zu verhindern. Die geeignete Therapie hängt von der Ausprägung der Varikose ab und ob diese als primäres oder sekundäres Krampfaderleiden auftritt.

 

Im frühen Stadium und zur Linderung von Beschwerden eignen sich konservative Methoden. Sport und Kompression sind das A und O. Bewegung, vor allem Walking, regt die Wadenmuskulatur an und aktiviert die Muskelpumpe. Das fördert den venösen Rückstrom. Auch das Hochlegen der Beine oder Kneippsche Güsse mit kaltem Wasser wirken lindernd. Um die natürliche Rückstromfunktion zu unterstützen und Ödemen vorzubeugen, ist das Tragen von Stütz- beziehungsweise den stärker wirkenden Kompressionsstrümpfen ein wirksames, wenn auch unbeliebtes Mittel. »Die Kompressionstherapie als konservative Behandlungsoption ist bei Venenleiden unverzichtbar, um die Stauungsbeschwerden zu lindern«, bestätigt die Expertin. Bei den Strümpfen haben aber die Hersteller bezüglich Materialien, Tragekomfort und Farbvielfalt einiges verbessert. »Farbige Kompressionsstrümpfe sind modisch und keineswegs mehr als Gummistrumpf zu erkennen«, so Kleis-Fischer.

 

Für die Pharmakotherapie stehen vor allem venentonisierende Mittel und Ödem-Protektiva zur Verfügung. Pflanzenextrakte etwa aus Rosskastanie oder Weinlaub oder die Pflanzeninhaltsstoffe Rutoside kommen äußerlich als Cremes oder Salben oder innerlich in Form von Kapseln und Tabletten zum Einsatz. »Den Schaden an den Venen können sie allerdings nicht beheben«, sagt die Ärztin. Orale Diuretika können bei starken Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe angezeigt sein, nicht jedoch bei Vorliegen eines Lymphödems.

 

Zu den invasiveren Behandlungsmethoden gehört die Verödung (Sklerosierung). Sie ist möglich bei Besenreisern, retikulären Varizen und bei Seitenastkrampfadern. Dabei wird eine gewebetoxische Flüssigkeit wie Polidocanol in die Venen gespritzt, die eine Entzündung der Innenwände hervorruft. Die betroffenen Gefäße verschließen sich beziehungsweise verkleben. Der Blutstrom erfolgt über die übrigen Venen.

 

»Eine Operation kann erforderlich sein, wenn die sogenannten Stammvenen, das heißt die große oder die kleine Rosenvene, eine Klappenschwäche haben, die Venenklappen also nicht mehr richtig schließen und Blut nach unten in die Beine zurückfließen lassen«, erklärt die Expertin.

 

Neben der altbewährten Stripping-Operation, bei der die kranke Vene mit einer Sonde herausgezogen wird, lassen sich die Schäden auch mit den neueren Katheterverfahren mit Laserenergie oder Radiofrequenzenergie minimalinvasiv beseitigen. »Über eine Venenverweilkanüle wird dazu unter Ultraschallkontrolle ein Katheter in die kranke Vene bis hoch zur Leiste geschoben. In örtlicher Betäubung wird die betroffene Vene von innen mittels Laser- oder Radiowellenenergie verschlossen«, so Kleis-Fischer. Es kommt dabei zu einer thermischen Schädigung der Vene, die dann vom Körper abgebaut wird. Ein weiteres neues Verfahren ermöglicht es alternativ, einen Cyanoacrylatkleber über den Katheter in die kranke Vene einzubringen, der diese von innen verklebt. Hierbei entfallen sogar die örtliche Betäubung und das Tragen von Kompressionsstrümpfen, die Kosten für den »Venenkleber« sind allerdings noch relativ hoch. Nach jeder der anderen Behandlungen sollten Patienten über einen bestimmten Zeitraum Kompressionsstrümpfe tragen und auf ausreichend Bewegung achten. Je nach Methode kann die Rückfallquote bei bis zu 20 Prozent liegen.

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